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Vom Winde verwehtSandy bremst Schweizer Marathonläufer

Erst stand ihr Flug auf der Kippe, dann wurde ihr Hotel geschlossen: Für 240 Schweizer Läufer war die Reise zum New-York-Marathon fast härter als das monatelange Training.

von
A. Bättig

Noch bevor sie in New York City an den Start gehen konnten, stand 240 Schweizer Marathon-Teilnehmern wegen Sturm Sandy ein regelrechter Reise-Marathon bevor. Zuerst war lange unklar, ob ihr Flug am Donnerstagmorgen überhaupt stattfinden würde. Als dann endlich die Swiss die Zusage für den Flug gab, stand schon das nächste Problem vor der Türe: Das Hotel.

Denn die Schweizer sollten ausgerechnet im «Le Parker Meridien» untergebracht werden. In jenem Hotel, das sich wegen des berühmten, stark beschädigten Hochhaus-Krans in der Evakuierungszone befindet und deswegen bis nächsten Samstag geschlossen bleibt.

Andersen-Schiess beim Olympia-Marathon 1984

Fieberhafte Suche nach neuem Hotel

Fieberhaft suchte Reiseveranstalter Kuoni noch bis am Mittwochabend nach einer neuen Unterkunft. Gerade in der Zeit des New-York-City-Marathons eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Erst kurz vor ihrem Abflug am Donnerstagmorgen konnten die Schweizer Marathonläufer dann aufatmen. Kuoni konnte sie überraschenderweise in einem anderen Hotel unterbringen.

Nun hausen die Schweizer im «Milford Plaza Hotel», in der Nähe des Times Square. Unter den gegebenen Umständen sind die Ansprüche bei den Schweizern bescheiden: «Wir sind froh, dass wir warmes Wasser, Licht und etwas zu Essen haben werden», sagt Markus Ryffel von Ryffel Running, welcher die Schweizer Marathon-Läufer betreut.

Acht Teilnehmer wollten nicht mehr mitkommen

Wie hat es dann doch noch mit einem anderen Hotel geklappt? «Möglicherweise haben einige Hotelgäste aufgrund der Lage in New York abgesagt», sagt Peter Brun, Leiter Kommunikation von Kuoni Reisen.

Doch nicht alle wollten aufgrund der aktuellen Situation einen Marathon laufen oder die Reisestrapazen auf sich nehmen. «Bis jetzt haben acht Läufer ihre Teilnahme an der Reise abgesagt», sagt Brun.

Insgesamt 45 000 Läufer nehmen jeweils am NYC-Marathon teil. Klar ist bis jetzt, dass der Marathon wegen Sandy nicht auf der traditionellen Strecke stattfinden wird. «Es wird eine Ersatzstrecke geben», sagt Ryffel. Auf das Rennen selber werde das aber kaum einen Einfluss haben. Im Gegensatz zum London- oder Berlin-Marathon ist die Strecke nicht sehr schnell. «Es geht hier nicht um Spitzenzeiten, sondern um Podestplätze», sagt Ryffel.

Kritik an Marathon wird immer lauter

Auf ein gutes Resultat hofft auch Monica Di Fante aus Bonstetten. Die 40-Jährige reist mit Ryffels Team mit. «Ich war hin- und hergerissen, ob ich mitgehen soll», sagt Di Fante. Besonders die Ungewissheit, was sie in New York antreffen werde, habe ihr zu denken gegeben. «Mein Vorschlag ist, dass wir Läuferinnen und Läufer zuerst den New Yorkern aufräumen helfen und erst dann an den Marathon gehen», so Di Fante. «Aber ich bin ja nur ein kleiner Wurm, da wird mein Vorschlag wohl nicht gehört.»

Nicht nur Di Fante hat sich Gedanken über die Durchführung des Marathons gemacht. In New York selber wird die Kritik am Marathon immer lauter. So sagt James Molinaro, Präsident des New Yorkers Stadt-Bezirks Staten Island gegenüber der «New York Times»: «Ich habe angenommen, das Rennen werde abgesagt. Mein Gott, was wir hier haben ist furchtbar, ein Desaster. Wenn die laufen wollen, dann sollen sie. Aber für sich selber.» Schliesslich sei nicht die Zeit für Paraden. Und ein Marathon sei eine Parade.

Auch Marathon-Läuferin Barbara Cowman aus Austin, Texas äussert sich in der «Times» kritisch: «Ich finde es falsch, dass man nun Polizei und Feuerwehr für den Marathon einsetzt, damit die Läufer auf der Strecke unterstützt werden.» Die Einsatzkräfte sollten besser die Hilfsbedürftigen in New York mit Catering versorgen und nicht die auswärtigen Läufer. Cowman hat deshalb beschlossen, in diesem Jahr auf die Teilnahme am Marathon zu verzichten.

Die Schweizer Läuferin Di Fante sieht das anders. Sie wird in New York am Start sein. «Markus Ryffel und Kuoni haben mich motiviert, mitzugehen. Er sagte mir, dass wir eine grosse Familie sind und alle im gleichen Boot sitzen.»

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