Alleine in den USA: Sandy hat über 100 Leben auf dem Gewissen
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Alleine in den USASandy hat über 100 Leben auf dem Gewissen

Nach dem Monstersturm Sandy werden an der US-Ostküste immer noch Leichen geborgen. Die Zahl der Toten ist schon auf 102 gestiegen, 40 davon alleine in New York.

Am vierten Tag nach dem Wirbelsturm «Sandy» sehen sich die New Yorker einem neuen Problem gegenüber: Nach Stromausfällen und Wasserknappheit mangelt es jetzt auch an Benzin. Etwa 80 Prozent der Tankstellen, berichtete der Fernsehsender NBC, hätten kein Benzin mehr.

Oft fehle es auch an Strom, um den Treibstoff aus den Tanks zu pumpen, hiess es am Freitag. An den wenigen Tankstellen, die noch Treibstoff haben, bilden sich Schlangen von bis zu einem Kilometer Länge. Polizisten sorgen für Ordnung, weil sich immer wieder Autofahrer nach stundenlangem Warten in die Haare geraten.

Einige Autofahrer würden 70 oder 80 Kilometer fahren, um eine Tankstelle mit Benzin zu finden, hiess es. Abhilfe soll erst in Tagen kommen. Denn noch arbeiten die Raffinerien der Umgebung nach Sturmschäden nicht oder nur eingeschränkt.

Überfüllte U-Bahnen und Busse

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg lässt deshalb eine Anordnung strikt durchsetzen: Wer mit dem Auto in die Stadt fahren möchte, muss mindestens drei Personen im Wagen haben.

Polizisten haben die Brücken nach New York - die Tunnel sind noch überflutet - durch Strassensperren verengt und schauen in jedes Auto. Wer nur zu zweit oder gar allein fährt, wird gnadenlos herausgewunken.

Mit dieser Anordnung will Bloomberg das wenige Benzin in der Region besser nutzen und die Strassen entlasten. Weil viele Gebiete noch überschwemmt, gesperrt oder beschädigt sind, staut sich der Verkehr in und nach Manhattan noch mehr als sonst.

Einige U-Bahnen fahren bereits wieder, wenn auch nicht auf allen Strecken. Auch der Busbetrieb ist eingeschränkt. Die Busse sind hoffnungslos überfüllt, an manchen Haltestellen warten Hunderte von Personen. Die Nutzung des Nahverkehrs ist dafür nach wie vor kostenlos.

Mangelnde Polizeipräsenz und schleppende Hilfe

Die Zahl der Toten nach dem Wirbelsturm «Sandy» stieg am Freitag auf über 100. Nach offiziellen Angaben wurden bislang 102 Leichen geborgen, darunter 40 in New York. Die Suche nach Vermissten geht weiter. Die versicherten Schäden durch «Sandy» werden auf 20 Milliarden Dollar, die wirtschaftlichen Folgen auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.

Am Freitagmorgen waren in 15 US-Bundesstaaten noch immer rund 4,5 Millionen Haushalte ohne Elektrizität, viele auch ohne Wasser und Heizung. Bis die Stromversorgung wieder funktioniert, kann es nach Angaben des Versorgers in einigen Gegenden noch bis zu zwei Wochen dauern.

Bei den Bürgern machte sich Ärger über die in einigen Orten nur langsam anlaufende Hilfe für Betroffene breit. Vor allem alte und kranke Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen können, sind dringend auf Unterstützung angewiesen. In Staten Island wurden Klagen von Einwohnern laut, der gegenüber Manhattan liegende Bezirk sei von der Politik vergessen worden.

In den weiterhin von der Stromversorgung abgeschnittenen Vierteln New Yorks wurde zudem eine fehlende Polizeipräsenz kritisiert. Auf den Strassen Manhattans patrouillierten Mitglieder der Guardian Angels, einer Freiwilligentruppe, die sich den Kampf gegen die Kriminalität zum Ziel gesetzt hat.

New Yorker Marathon abgesagt

Der für Sonntag geplante Marathonlauf von New York wurde nun doch abgesagt. Ein Mitarbeiter der Behörden gab die Entscheidung am Abend bekannt. Zu dem Lauf waren 40 000 Läufer erwartet worden.

Bürgermeister Bloomberg hatte eigentlich an seinen Plänen festhalten wollen, den Marathon trotz der Sturm-Schäden durchzuführen. Einige Bürger hatten indes ihren Unmut geäussert, weil sie fürchteten, dass Helfer für den Marathon abgezogen werden könnten, die dann bei der Bekämpfung der «Sandy»-Folge fehlen würden. (sda)

New Yorks Bürgermeister Bloomberg macht sich für Obama stark

Der parteilose New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg hat am Donnerstag zur Wiederwahl von Präsident Barack Obama aufgerufen. Der Amtsinhaber würde im Kampf gegen den Klimawandel eine Führungsrolle übernehmen, erklärte der ehemalige Republikaner.

Dies sei nach den Verwüstungen durch Megasturm Sandy eine besonders wichtige Aufgabe für den neuen Präsidenten. «Unser Klima wandelt sich», schrieb der Bürgermeister in einem Meinungsartikel für den von ihm gegründeten Finanznachrichtenanbieter Bloomberg. Extreme Wetterlagen könnten die Folge sein. Daher müsse sofort gehandelt werden.

Er verwies dabei auf die massiven Schäden, die der Sturm Sandy entlang der US-Ostküste angerichtet hatte. Obama habe wichtige Schritte in diese Richtung unternommen, während sein Herausforderer Mitt Romney von früheren Positionen zur Bekämpfung des Klimawandels abgerückt sei, stellte Bloomberg fest. Auch bei anderen Themen habe Romney seine Haltung geändert.

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