Sanitätsgefreiter als Arzt
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Sanitätsgefreiter als Arzt

Ein gelernter Verkäufer hatte sich in zwei Rekrutenschulen als Arzt ausgegeben und Rekruten behandelt. Das Militärgericht 5 hat am einen 36-jährigen Sanitäts-Gefreiten zu einer bedingten Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt.

Das Militärgericht 5 hat am einen 36-jährigen Sanitäts-Gefreiten zu einer bedingten Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt. Der Fall flog Ende letzten September auf, nachdem ein Schularzt die medizinischen Kenntnisse des Gefreiten in Zweifel gezogen hatte. Er sei regelrecht in die Rolle des falschen Arztes hineingewachsen, sagte der Angeklagte aus dem Bezirk Brugg.

Die Idee dazu sei eine «Kurzschlussreaktion» gewesen. Er habe darauf gehofft, als sanitarischer Ausbildner auf dem Waffenplatz Brugg fest angestellt zu werden.

Medikamente und Therapien verschrieben

Nach einem Wiederholungskurs im Frühjahr 2002 meldete er sich für einen freiwilligen Dienst in der Genie-RS auf dem Waffenplatz Brugg. Dabei gab er gegenüber dem Schularzt an, er sei als Anästhesist an den Kantonsspitälern Aarau und Baden tätig und unterrichte jeweils am Wochenende an einer Pflegeschule.

In der Folge untersuchte der Beschuldigte Rekruten, verordnete Therapien, verabreichte Medikamente und stellte Dispensen aus. Er habe sich so gut verkauft, dass kein Anlass bestanden habe, an seinen Kenntnissen zu zweifen, erklärte der damalige Schularzt.

Ein Jahr später übernahm der Sanitätssoldat erneut in einer in Leuggern ausgelagerten Kompagnie Aufgaben, für die normalerweise ein Arzt eingesetzt wird.

Vertrauen missbraucht und Gesundheit gefährdet

Der Auditor verlangte eine Verurteilung zu fünf Monaten bedingt wegen mehrfacher Befehlsanmassung, mehrfacher Nichtbefolgung von Dienstvorschriften sowie mehrfacher Fälschung dienstlicher Aktenstücke.

Der Angeklagte habe das Vertrauen seiner Vorgesetzten missbraucht und die Gesundheit der Rekruten geringer eingeschätzt als einen eigenen Gesichtsverlust, sagte der Ankläger.

Der Verteidiger gewichtete das Verschulden dagegen als nicht sehr gravierend und forderte 14 Tage Gefängnis. In heiklen Fällen habe sein Mandant jeweils einen Arzt oder das Spital Brugg beigezogen.

Das Militärgericht sprach den Angeklagten zwar vom Vorwurf der Befehlsanmassung frei, gewichtete jedoch die übrigen Anklagepunkte als schwer. Neben der Gefängnisstrafe auferlegten die Militärrichter dem Verurteilten auch die Verfahrenskosten von 700 Franken.

(sda)

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