Hooligans am Pranger: «Sanktionen müssen möglich sein»

Aktualisiert

Hooligans am Pranger«Sanktionen müssen möglich sein»

Der St. Galler Kantonsrat hat einer Verschärfung des so genannten «Hooligan-Konkordats» zugestimmt. Justizdirektorin Karin Keller-Sutter erklärt, was das bedeutet.

von
Urs-Peter Zwingli
Die St. Galler Justizdirektorin Karin Keller-Sutter engagiert sich in der Hooligan-Frage.

Die St. Galler Justizdirektorin Karin Keller-Sutter engagiert sich in der Hooligan-Frage.

Fussball- und Eishockeyspiele der obersten Liga müssen im Kanton St. Gallen in Zukunft bewilligt werden: Der Kantonsrat hat am Dienstag als erstes kantonales Parlament einer Verschärfung des so genannten «Hooligan-Konkordats» zugestimmt, das von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) erarbeitet wurde. Die St. Galler Justizdirektorin Karin Keller-Sutter (FDP) erklärt, was die Bewilligungspflicht für den Meisterschaftsbetrieb bedeutet.

Frau Keller-Sutter, mehrere Schweizer Vereine haben bereits Mustervereinbarungen mit den Behörden getroffen, die in eine ähnliche Richtung gehen, wie das nun vom Kantonsrat angenommene «Hooligan-Konkordat». Wieso setzt der Kanton St. Gallen jetzt trotzdem auf weitere Verschärfungen?

Keller-Sutter: Diese Mustervereinbarungen mit einzelnen Fussball- und Eishockeyclubs haben bisher zu wenig Wirkung gezeigt. Je nach Kanton wurden die Bewilligungsauflagen für Spiele sehr unterschiedlich gehandhabt. Wir brauchen ein schweizweites, griffiges Mittel wie das neue „Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen" des KKJPD. Damit werden vor allem die Vereine in die Pflicht genommen.

In St. Gallen tritt das Konkordat allenfalls bereits diesen August in Kraft. Müssen der FC St. Gallen und die Rapperswil-Jona Lakers von nun an vor jedem einzelnen Spiel bei der Polizei für eine Bewilligung anklopfen?

Nein. Bisher haben sich Saisonbewilligungen etabliert. Natürlich kann die Polizei auf kurzfristige Entwicklungen reagieren und andere Auflagen für Risikospiele erlassen.

Was sind die Voraussetzungen für die Erteilung einer Bewilligung?

Der Bewilligungsnehmer muss die Auflagen des Konkordats erfüllen. Darunter fallen etwa Vorschriften über die Zutrittskontrollen zum Stadion, die An- und Wegreise der Fans, den Alkoholausschank im Stadion und weiteres.

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Was ist mit bekannten Risikospielen wie etwa FC St. Gallen-FC Basel – steht deren Durchführung unter dem neuen Konkordat auf der Kippe?

Nein, auch solchen Spielen steht nichts im Weg, solange sich die Vereine an die Auflagen halten. Letztendlich liegt die Erteilung einer Bewilligung aber im Ermessen der Polizei.

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Die Swiss Football League hat sich kritisch zum neuen Konkordat geäussert: Falls es zu Spielabsagen kommen sollte, sei der Ligabetrieb gefährdet.

Dass die Behörden einem Spiel die Bewilligung verweigern, ist natürlich das äusserste Mittel. Es ist auch nicht in unserem Interesse, Spiele zu verbieten. Abgesehen davon könnte man schon heute gestützt auf die polizeiliche Generalklausel ein Spiel jederzeit verbieten.

Wird der Ligabetrieb also ab jetzt von den St. Galler Behörden abhängig gemacht?

Wenn sich die Vereine an die Auflagen halten, gibt es für die Liga keine Probleme. Aber: Fussball- und Eishockeyspiele sind private Veranstaltungen, binden aber unverhältnismässig viele Polizeikräfte und Steuergelder. Man kann das auf die Dauer nicht zu Lasten der Öffentlichkeit so betreiben wie bisher.

Sie sagen, zu Verboten von Spielen solle es gar nicht erst kommen. Warum braucht es das neue Konkordat überhaupt?

Wie gesagt, die Vereine müssen in die Pflicht genommen werden, um die Auflagen zu erfüllen. Dazu braucht es eben die Möglichkeit von Sanktionen. Nebst der Bewilligungspflicht für Spiele gibt es aber noch weitere wichtige Punkte im Konkordat: So werden zum Beispiel Rayonverbote für Gewalttäter fortan schweizweit gelten.

Die KKJPD strebt die flächendeckende Einführung des Konkordats in der Schweiz an. Wo steht der Entscheidungsprozess in anderen Kantonen?

Der Wille ist da und man will vorwärtsmachen: In der Vernehmlassung haben 26 Kantonsregierungen und 9 Städte dem Konkordat zugestimmt. Ich rechne darum damit, dass ähnliche Entscheide wie in St. Gallen demnächst auch in anderen Kantonen anstehen.

Die aktuelle ist ihre letzte Kantonsratsession in St. Gallen. War es Ihnen wichtig, das Konkordat im Kanton noch durchzusetzen, bevor sie zurücktreten?

Das Konkordat ist nicht mein Steckenpferd sondern ein gemeinsames Werk der KKJPD, der Städte und Kantone sowie dem Bund. Die Einführung des Konkordats in St. Gallen gehört zu meinen normalen Aufgaben als Justizdirektorin.

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