Aktualisiert 16.02.2004 15:23

Sanofi wirbt um Aventis-Aktionäre

Sanofi-Chef Jean-François Dehecq zeigte sich am Montag gewohnt optimistisch. Zur Jahresmitte werde die Übernahme von Aventis durch sein, prognostizierte er am Montag bei Vorlage der Geschäftszahlen 2003. Doch der Markt sieht das skeptischer.

Denn seit Freitag gilt als sicher, dass der deutsch-französische Konzern alle Register ziehen wird, um die Übernahme zu verteuern und zu verzögern. Am Freitag war Aventis vor Gericht gezogen, um die Billigung des Übernahmeangebots durch die Pariser Börsenaufsicht AMF anzufechten.

Das hat zwar wenig Erfolgsaussicht, dürfte das Verfahren aber von rund einem Monat auf drei bis vier Monate verlängern. Mit jeder Woche steigt dabei der Druck auf Sanofi, das Angebot weiter aufzubessern. Sollt Aventis die US-Börsenaufsicht zu einer tieferen Prüfung der Fusion bewegen, könnte das Angebot ganz gefährdet werden.

Verteidigung auf vier Säulen

Die Verteidigung von Aventis stützt sich auf vier Säulen: den Aktienkurs, so genannte «Giftpillen», die Drohung mit dem «Weissen Ritter» und die Warnung vor der Schwäche des fusionierten Konzerns. Der hohe Kurs der eigenen Aktie mindert den Charme der nicht risikofreien Übernahme für die Aktionäre.

Ausserdem hat Aventis Partnerschaften geschlossen, die bei einer Übernahme gefährdet oder hinfällig sein könnten, was «Gift» für den Aufkäufer wäre. Dazu werden das Vermarktungsbündnis mit dem israelischen Unternehmen Teva für das Sklerosemittel Copaxone und die mit Pfizer vereinbarte gemeinsame Entwicklung eines zu inhalierenden Insulinpräparats gezählt.

Als «Weisser Ritter» wurde am Montag wieder einmal der Schweizer Konzern Novartis ins Spiel gebracht. Zwar würde Aventis dabei in den Einflussbereich der Schweizer Konkurrenz geraten und möglicherweise den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Doch das könnte attraktiver sein als der Kauf durch Sanofi.

Denn ein Konzern Sanofi/Aventis - und das ist das vierte Abwehrargument - könnte trotz seiner Grösse ein lohnendes Übernahmeziel anderer Konzerne sein.

Leichte Beute

Sanofis Kapital ist heute noch verriegelt: Der Ölkonzern Total und der Kosmetikkonzern L'Oréal halten gemeinsam 63,1 Prozent der Stimmrechte. Nach der Übernahme von Aventis will Total jedoch aussteigen und der Stimmrechtsanteil von L'Oréal würde auf 10,2 Prozent sinken.

Mit mehr als 80 Prozent breit gestreutem Kapital, ermattet vom teuren Übernahmekampf und geschwächt von den Giftpillen könnte Sanofi/Aventis dann - so die Spekulation - eine leichte Beute für einen der grossen angelsächsischen Pharmakonzerne werden.

(sda)

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