Kolumbien: Sara Sofia (1) verschwand vor zwei Monaten – liess die Mutter sie sterben?
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KolumbienSara Sofia (1) verschwand vor zwei Monaten – liess die Mutter sie sterben?

In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota verschwand Sara Sofia (1). Ihre Mutter gestand, an ihrem Tod schuld zu sein. Doch war das Geständnis nur ein Ablenkungsmanöver? Das Mädchen könnte noch leben. Interpol sucht nach ihr.

von
Lucas Orellano
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Die kleine Sara Sofia wird seit mehreren Monaten vermisst. 

Die kleine Sara Sofia wird seit mehreren Monaten vermisst.

Twitter / @yjimenez
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Darum gehts

  • Ein Fall von möglicher Kindstötung hält Kolumbien in Atem.

  • Die Mutter von Sara Sofía gestand, den leblosen Körper ihrer Tochter in einen Fluss geworfen zu haben.

  • Dies, nachdem sie ihre Tochter, für die sie das Sorgerecht wegen Vernachlässigung verloren hatte, möglicherweise entführt hatte.

  • Wegen einer Aussage eines Zeugen wird auch die Spur verfolgt, dass es sich beim Geständnis um ein Ablenkungsmanöver handle.

Seit zwei Monaten wird in der kolumbianischen Haupstadt Bogotá ein fast zweijähriges Mädchen vermisst. Die kleine Sara Sofía verschwand unter bisher noch nicht geklärten Umständen. Es ist nicht klar, ob sie noch lebt. Verdächtigt, am allfälligen Tod des Kleinkindes beteiligt zu sein, werden seine Mutter Carolina Galván und deren vorübergehender Partner Nilson Díaz Valenzuela. Alle Bemühungen das Mädchen oder seine Leiche zu finden, blieben bisher ergebnislos. Die kolumbische Zeitung «El Tiempo» berichtete ausführlich über den Fall.

Was ist passiert? Wie die Zeitung berichtet, hatte seit September 2020 eine Tante von Sara Sofía das Sorgerecht für das Mädchen, wegen möglicher Vernachlässigung durch dessen Mutter Carolina, die als Sexarbeiterin für Díaz Valenzuela arbeitet. «Es wurde ihr nie verboten, sie zu sehen oder das Haus zu betreten», sagt die Tante zu «El Tiempo».

«Ich hätte nie gedacht, dass ich sie nie wieder sehen würde»

Nach aktuellem Erkenntnisstand, holte Galván ihre Tochter am 18. Januar 2021 ab und nahm sie mit zu ihrem Partner, der selber vier Kinder hat. Sie habe Kleider für drei Tage eingepackt und sei gegangen. «Ich hätte niemals gedacht, dass ich sie nie wieder sehen würde», so die Tante.

Galván habe sich ein paar Tage später gemeldet und gesagt, sie sei bei Díaz Valenzuela. Danach brach der Kontakt zwischen den beiden Schwestern ab. Was in dieser Zeit geschah, ist unklar. Ebenfalls, weshalb die Behörden nicht reagierten. Am 28. oder am 29. Januar soll Sara Sofía schliesslich gestorben sein.

Möglicherweise in den Fluss geworfen

Eine Frau, die sich mit Galván angefreundet hatte, will gesehen haben, dass das Mädchen krank gewesen sei. Es habe viel geweint, wenig geschlafen und nicht gut ausgesehen. Eines Nachmittags, so berichtet sie, sei Sara Sofía eingeschlafen. Als ihre Mutter sie am Abend habe wecken wollen, sei sie kalt und steif gewesen. Als es Carolina Galván und Nilson Díaz Valenzuela nicht gelungen war, sie zu wecken, hätten sie sie in eine schwarze Tasche und eine Kiste gepackt und weggeworfen – gemäss eigenen Angaben in den Fluss Tunjuelo, der durch Bogotá fliesst.

Anschliessend wurde Galván verhaftet, gleich darauf aber wieder freigelassen, da keine Beweise gegen sie vorlagen und die Leiche des Mädchens nicht gefunden werden konnte. Daraufhin reagierte ihre Schwester und zeigte sie bei der Staatsanwaltschaft an. Die Behörden begannen mit der Suche nach dem Mädchen und richteten eine Hotline ein. Am 25. März wurden sowohl Carolina Galván als auch Nilson Díaz Valenzuela von einer Spezialeinheit der Polizei verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Sara Sofía, so heisst es, sei wohl nicht nur vernachlässigt, sondern auch misshandelt worden.

Ein Ablenkungsmanöver?

Díaz Valenzuela habe angegeben, er habe das Kind Ende Januar noch lebend gesehen, wisse aber nicht, was danach mit ihm passiert sei. Ein weiterer Zeuge in dem Fall, ein Coiffeur aus dem Quartier Patio Bonito, sagte aus, er habe ein Gespräch zwischen ihm und Galván mitbekommen. Dabei hätten sie darüber gesprochen, dass sie Sara Sofía weggegeben hätten. Die Staatsanwaltschaft verfolgt deshalb mittlerweile auch die Spur, dass das Mädchen noch lebt und das Tötungs-Geständnis ein Ablenkungsmanöver gewesen sei.

In der Zwischenzeit hat auch Interpol eine Gelbe Ausschreibung für Sara Sofía erlassen, um die internationale Suche nach ihr zu unterstützen. Die Nachbarländer Kolumbiens werden angehalten, besonders nach ihr Ausschau zu halten.

Laut dem Chef der kolumbianischen Polizei gebe es jedoch «eine starke Hypothese», dass sich Sara Sofía eben doch im Bereich des Flusses Tunjuelo und dessen Nebenflüsse befinde. Die Behörden hätten in den letzten Tagen bei ihren Ermittlungen grosse Fortschritte gemacht.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Kind verloren?

Hier findest du Hilfe:

Kindsverlust.ch, Tel. 031 333 33 60

Himmelskind.ch, für Akuthilfe und Trauerbegleitung

SIDS, nach plötzlichem Kindstod

Verein Regenbogen, Hilfe für trauernde Familien

Mein-Sternenkind.ch, für Väter

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Online- und Einzelchatberatung für Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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