Maison des Illustres: Sarah Bernhardts Burg am Meer
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Maison des IllustresSarah Bernhardts Burg am Meer

Sarah Bernhardt gilt als die berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit. Gewohnt hat sie in einem Fort an der Küste Frankreichs.

von
Meret Steiger
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Sehen Sie das Gebäude links im Bild? Das ist ein ehemaliges Militärfort, bekannt als Fort Bernhardt oder als Maison des Illustres.

Sehen Sie das Gebäude links im Bild? Das ist ein ehemaliges Militärfort, bekannt als Fort Bernhardt oder als Maison des Illustres.

Fort Sarah Bernhardt - Pointe des Poulains / Wikipedia
Es gehörte einst der Schauspielerin Sarah Bernhardt. Sie gilt als grösste Schauspielerin ihrer Zeit und als einer der ersten Weltstars.

Es gehörte einst der Schauspielerin Sarah Bernhardt. Sie gilt als grösste Schauspielerin ihrer Zeit und als einer der ersten Weltstars.

Napoleon Sarony - TCS 2, Harvard Theatre Collection, Houghton Library, Harvard University
Es war Liebe auf den ersten Blick: Die damals 50-Jährige sah das Fort bei einem Besuch in der Bretagne und überzeugte den Besitzer, ihr das Haus noch am gleichen Tag zu verkaufen.

Es war Liebe auf den ersten Blick: Die damals 50-Jährige sah das Fort bei einem Besuch in der Bretagne und überzeugte den Besitzer, ihr das Haus noch am gleichen Tag zu verkaufen.

Remi Jouan / Wikipedia

In Morbihan, einem Departement in der Bretagne, steht ein Fort aus dem 19. Jahrhundert. Es gehörte einst Sarah Bernhardt, einer exzentrischen Schauspielerin. Sie gilt als einer der ersten Weltstars und war dafür bekannt, die Grenzen zwischen Schauspiel und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen.

Diese Auftritte machten sie zu einer Legende. Sie spielte Rollen in Hamlet, Phèdre und Cleopatra, und der Schriftsteller Victor Hugo bezeichnete sie als «die goldene Stimme». Und wie alles, was Sarah Bernhardt in ihrem Leben anging, war auch die Burg in Frankreich extravagant.

Kindheitserinnerungen

Aber wie kommt Sarah Bernhardt, eine Diva, die in Paris in grosszügigen Appartements lebte, nach Morbihan? 1894 besuchte die damals 50-Jährige die Bretagne – hier war sie als Kind in einem Bauernhaus gross geworden. Bei einem Spaziergang stach der Schauspielerin das Fort ins Auge, das Maison des Illustres, wie sie es später nennen sollte.

Wie es das Schicksal wollte, stand das Fort auch gerade zum Verkauf. Trotz ihres luxuriösen Lebensstils in Paris verband sie mit der Burg an der Küste Heimatgefühle, und so zögerte Bernhardt nicht: Sie klopfte an die hölzerne Tür und überzeugte den Besitzer, ihr das Fort auf der Stelle zu verkaufen.

Sarah Bernhardt, das Spektakel

1895 bringt Bernhardt zum ersten Mal ihre Familie zum ehemaligen Militärfort. Und nicht nur die: Mitgereist sind auch alle ihre extravaganten Haustiere, darunter ein Chamäleon (sie besass mehrere, eins durfte aber auf ihrer Schulter sitzen), ein Panther, eine Eule, ein Affe und ein Krokodil. Ja, ein Krokodil.

Sarah Bernhardt pflegte das Image der exzentrischen Diva mit Freude. Angeblich investierte sie umgerechnet rund 1,3 Millionen Franken in neue Möbel und Dekorationen für ihr Anwesen – die meisten davon wurden vom Krokodil angefressen.

Ein Thron in der Klippe

Auf die Frage, warum sie ausgerechnet in Morbihan geblieben sei, hatte Sarah Bernhardt auch eine Antwort: «Morbihan ist wie eine wertvolle Perle. Ich liebe es für seine Abgeschiedenheit, die Stille, die Wildnis, die Fischer aus der Gegend und das grün-graue Meer der Bretagne. Ich liebe es für all die Träume, Ideale und die Schönheit, die ich hier gefunden habe.»

Kein Wunder, hat die Schauspielerin auch in die Gegend investiert: Bernhardt hat diverse Fusswege anlegen lassen, und angeblich liess sie sich eine Art Thron in die Klippen schneiden, von dem aus sie das Meer beobachten konnte.

Beliebt bei den Einheimischen

Die Einwohner von Morbihan liebten Sarah Bernhardt in all ihrer Exzentrik, sie nannten sie sogar La Divine (die Göttliche). Zu Recht: 1911 wurde das Fischerdorf von einem Hurrikan getroffen, die Lebensmittelvorräte wurden vernichtet. Bernhardt organisierte daraufhin eine sogenannte Einkaufsgemeinschaft und hielt die Dorfbewohner mehrere Monate über Wasser.

Bernhardt hatte entsprechend viele Freunde und wurde häufig besucht. So häufig, dass sie kurzerhand zwei weitere Gebäude als Gästevillen kaufte. Unter den zahlreichen Besuchern waren Berühmtheiten wie der König von England, der Maler Georges Clairin und einer ihrer diversen Liebhaber, der französische Schriftsteller Marcel Proust.

Letzter Wunsch nicht erfüllt

Bernhardt und ihr Besuch verbrachten die Tage mit Spaziergängen oder mit Garnelenfischen – in ihrem Fall natürlich immer in Abendrobe und perfekt gestylt. Während des Ersten Weltkriegs war das Maison des Illustres ein beliebter Treffpunkt für Intellektuelle, Künstler und Politiker.

Sarah Bernhardt starb 1923 und wurde auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris begraben – obwohl die Schauspielerin angeblich davon träumte, auf dem Grundstück ihrer geliebten Burg begraben zu werden.

Seit 2007 ist das Fort als Museum wiedereröffnet.

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