Dialektcoach für «Wilder»: «Sarah hat Berndeutsch geübt wie eine Verrückte»
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Dialektcoach für «Wilder»«Sarah hat Berndeutsch geübt wie eine Verrückte»

Für die SRF-Krimiserie «Wilder» musste Hauptdarstellerin Sarah Spale (37) Berndeutsch lernen. Dialektcoach Nathalie Claude verrät, wie sie die Baslerin auf den neuen Dialekt trimmte.

von
sul
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Für die Rolle der Polizistin Rosa Wilder musste die Baslerin Schauspielerin Sarah Spale (links, hier mit Schauspieler-Kollege Marcus Signer) Berndeutsch lernen.

Für die Rolle der Polizistin Rosa Wilder musste die Baslerin Schauspielerin Sarah Spale (links, hier mit Schauspieler-Kollege Marcus Signer) Berndeutsch lernen.

SRF/Pascal Mora
«Sarah hat geübt wie verrückt, eine richtige Chrampferin», lobt Dialektcoach Nathalie Claude ihre Schülerin.

«Sarah hat geübt wie verrückt, eine richtige Chrampferin», lobt Dialektcoach Nathalie Claude ihre Schülerin.

SRF/Pascal Mora

Frau Claude, wie bringen Sie jemandem einen neuen Dialekt bei?

Ich schaue zuerst immer, was die Person mit sich bringt: Wie bewegen sich ihre Lippen, ihr Kiefer, ihre Zunge beim Sprechen? Diese Sprechwerkzeuge gilt es richtig einzustellen, damit sie den gewünschten Klang produzieren – wie bei einer Maschine. Und dann geht es natürlich auch darum, die Sprachmelodie und die typischen Ausdrücke eines Dialekts zu verinnerlichen.

Sarah Spale, die Hauptdarstellerin aus «Wilder», ist gebürtige Baslerin. Für ihre Rolle musste sie Berndeutsch lernen. Wie haben Sie sie darauf getrimmt?

Ich habe mit Sarah oft spätabends, wenn die Kinder im Bett waren, über Skype kommuniziert. Zusammen sind wir ihre Text-Passagen durchgegangen, und zwar Satz für Satz. Ihre Drehbuch-Parts habe ich ihr aufgenommen, damit sie sie nachsprechen konnte. Sarah hat geübt wie verrückt, eine richtige Chrampferin.

Das hat sich offenbar gelohnt. In der Serie fiel es kaum auf, dass Spale keine Bernerin ist. Dennoch: Der Wechsel vom Basel- ins Berndeutsche ist ihr sicher nicht leicht gefallen.

Das stimmt. Sarah hatte noch nie zuvor Berndeutsch gesprochen und deshalb ein wenig Bammel vor dieser Aufgabe. Schwierig war für sie zum Beispiel die Aussprache des R, das im Berndeutschen mit der Zungenspitze, im Baseldeutsch dagegen viel weiter hinten im Gaumen gebildet wird. Und dann ist das Berndeutsche ja auch ein eher langsamer Dialekt.

Mussten Sie Spale beim Sprechen also buchstäblich bremsen?

Das kann man so sagen, ja. Denn der Sprachrhythmus des Berndeutschen ist generell gemächlicher als der des Baseldeutschen. Das hat mit den vielen lang gezogenen Vokalen zu tun, sogenannten Bending Notes, wie in «äuää», «moou» oder «neneei». Zudem sprach Sarah manche Sätze anfangs mit einer typisch baseldeutschen Sprachmelodie. Das mussten wir natürlich ändern, damit sie wie ein richtiges Bärner Meitschi klang.

Bringt jeder Schauspieler so einen Dialekt-Wechsel hin?

Natürlich ist nicht jeder gleich begabt. Und manchmal bleibt mir als Coach auch schlicht zu wenig Zeit, um den Darstellern den Dialekt bis in die letzten Finessen zu vermitteln. Auch bei «Wilder» hätte ich mit bestimmten Schauspielern gerne länger gearbeitet, sie sprechen zum Teil ein Dialekte-Mischmasch. Wegen der guten Schauspieler-Leistungen fällt das aber nicht allzu stark ins Gewicht.

Nathalie Claude (46) ist Dialogcoach und Stimm- und Sprechtrainerin. Sie unterrichtet Schauspieler und internationale Geschäftsleute in Englisch, Hochdeutsch und Deutschschweizer Dialekten. Claude hat unter anderem am Set von Homeland und Berlin Station mitgewirkt. Jüngst erschien ihr Buch «Akzentfrei Englisch sprechen» (Schott Music Verlag, 2017). Claude lebt mit ihrer Familie in Berlin.

www.klanggewinn.de

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