US-Wahlen: Sarah Palin und ihr «Schatten-Gouverneur»
Aktualisiert

US-WahlenSarah Palin und ihr «Schatten-Gouverneur»

Die republikanische Basis wird Sarah Palin heute am Parteitag zujubeln. Gleichzeitig tauchen weitere Ungereimtheiten über John McCains Vize-Kandidatin auf. Sie betreffen auch ihren Ehemann.

von
Peter Blunschi

Augen zu und durch: So lautet die Devise am Parteitag der Republikaner, wenn es um Sarah Palin geht. Trotz zahlreicher Enthüllungen hält die konservative Basis zur stramm rechten Gouverneurin von Alaska. Das zeigte sich am Dienstag im XCel Center in St. Paul: Bei jeder Nennung des Namens Palin brandete Applaus auf. First Lady Laura Bush sagte, sie sei «stolz, dass die erste Frau im Amt des Vizepräsidenten eine Republikanerin» sein werde.

Steve Schmidt, John McCains Mann fürs Grobe, holte zu einer umfassenden Schelte an die Adresse der Medien aus, die «jedes Gerücht und jeden Dreck» von linken Websites aufgreifen würden. Dabei bleibt unklar, ob John McCains Wahlkampfteam wirklich alle möglichen Probleme im Lebenslauf von Sarah Palin überprüft hat. Der Anwalt Arthur Culvahouse, der die Kandidatensuche für McCain koordiniert hatte, sagte auf eine entsprechende Frage: «Ich glaube schon.»

Culvahouse erklärte der Nachrichtenagentur AP in einem Interview, Palin habe McCains Wahlkampfteam freiwillig von der Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter und der Berufung eines Anwalts berichtet, der sie wegen einer Untersuchung des Parlaments zu einem möglichen Machtmissbrauch beraten soll. Culvahouse sagte weiter, Palin habe sich einer «vollen und kompletten» Überprüfung ihres persönlichen Hintergrundes unterzogen, bevor McCain sie als seine Vizekandidatin ausgewählt habe.

«Haben Sie jemals für Sex bezahlt?»

McCain betonte bei einem Wahlkampfauftritt in Philadelphia, Palin sei gründlich überprüft worden. «Und ich bin dankbar für die Ergebnisse», sagte er weiter. In St. Paul verteidigten seine Mitarbeiter den Prozess. Als Teil der Überprüfung habe die 44-Jährige einen 70 Punkte umfassenden Fragebogen ausfüllen müssen. Dabei ging es unter anderem um folgende Fragen: «Haben Sie jemals für Sex bezahlt?» «Waren Sie in ihrer Ehe treu?» «Haben Sie je Drogen genommen oder gekauft?» «Haben Sie sich (im Internet) Pornografie heruntergeladen?»

Doch seit der Präsentation Palins als Vizekandidatin der Republikaner halten sich Berichte, die Berufung sei überhastet gewesen. Kurz nach der Präsentation Palins schickte McCain ein Team von rund einem Dutzend Kommunikationsfachleuten und Anwälten nach Alaska. Das nährte die Spekulationen, dass die zuvor erfolgte Untersuchung von Palins Vergangenheit nicht umfassend genug war und erst geschehen ist, nachdem sie schon auf McCains Ticket gesetzt war.

«Hochgradig polarisierende Figur»

Auch die US-Medien schickten ihre Reporter nach Alaska. Das Magazin «Time» recherchierte in der Kleinstadt Wasilla, wo Palin mit ihrer Familie lebt und von 1996 bis 2002 Bürgermeisterin war. Dabei ergab sich ein Bild, das nicht jenem einer überparteilichen Reformerin entspricht, das Palin und ihre Anhänger gerne zeichnen. In Wasilla sei sie als «hochgradig polarisierende Figur» aufgetreten, die Parteidenken und christlich-konservative Ideologie in die zuvor überparteiliche Lokalpolitik eingebracht habe.

Ihren Wahlkampf habe sie mit Themen wie Abtreibung und Waffenbesitz geführt, erinnerte sich ihr Vorgänger John Stein. Im Amt habe sie im gleichen Stil weitergemacht. So soll sie der lokalen Bibliothekarin mit Kündigung gedroht haben, falls sie nicht gewisse Bücher mit «unpassender Sprache» entferne. Erst als sie im Gouverneurswahlkampf 2006 auf innerparteiliche Gegner getroffen sei, die ähnlich knallharte Ansichten vertraten, habe sich Palin als Reformerin neu erfunden.

Wie viel Macht hat der Ehemann?

Auch Ehemann Todd Palin, mit dem sie seit 20 Jahren verheiratet ist, rückt in den Fokus. Seine Verhaftung wegen Trunkenheit am Steuer vor 22 Jahren und seine Mitgliedschaft in der «Alaska Independent Party» hatten bereits für Schlagzeilen gesorgt. Nun hat auch das keineswegs linke «Wall Street Journal» den 43-Jährigen unter die Lupe genommen, der sich gerne im Hintergrund hält und mehrere Monate Urlaub von seinem Job bei einer Ölfirma genommen hat, um sich als Hausmann um die fünf Kinder zu kümmern.

Doch Todd Palins Rolle scheint sich nicht darin zu erschöpfen. Das «Wall Street Journal» zitierte Kritiker in der Hauptstadt Juneau, die ihn als «Schatten-Gouverneur» bezeichnen. Todd Palin scheine «viel Macht zu haben», behauptete ein innerparteilicher Kritiker der Gouverneurin. In der Affäre um den angeblichen Machtmissbrauch von Sarah Palin beim Rauswurf von Walt Monegan, dem Verantwortlichen für öffentliche Sicherheit in Alaska, soll er eine «Schlüsselrolle» gespielt haben. Eine Sprecherin der Gouverneurin dementierte: Todd Palin sei «weder an Sitzungen noch an Entscheidungen» beteiligt.

Deine Meinung