Aktualisiert 20.04.2007 13:38

Sarkozy bezeichnet Royal indirekt als «Faschistin»

Der Wahlkampf vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl ist mit scharfen gegenseitigen Attacken der Favoriten zu Ende gegangen.

Die Sozialistin Ségolène Royal warf Exinnenminister Nicolas Sarkozy vor, er trage eine «Maske der Angst» und flirte mit den Rechtsextremen. Sarkozy bezeichnete Royal am Freitag indirekt als Faschistin. Laut letzten Umfragen wird die Wahl am Sonntag spannend, neben Royal und Sarkozy kann sich der Zentrumskandidat François Bayrou Hoffnung auf das Erreichen der zweiten Runde machen.

Auch in vorangegangenen Wahlkämpfen seien die Kandidaten in extreme Ecken gedrängt worden, sagte Sarkozy der Zeitung «Le Parisien». «All diejenigen, die jetzt Derartiges über mich sagen wollen, sind in gewisser Weise Faschisten.» Faschismus heisse, die Menschen zu karikieren, ohne ihnen richtig zuzuhören, zitierte ihn die Zeitung am Freitag. Wegen der Angriffe seiner Gegner habe er «überall Narben».

Auf seiner letzten Wahlkampfveranstaltung hatte der UMP-Chef am Donnerstagabend vor 12.000 Anhängern in Marseille für eine Rückkehr zu den «Werten und Traditionen der Republik» geworben. In Anspielung auf den US-Bürgerrechtler Martin Luther King gab er sich als Versöhner und Mutmacher: «Ich will der Präsident sein, der einen neuen französischen Traum verwirklicht. Ein Traum, in dem die Zukunft nicht eine Bedrohung, sondern eine Verheissung ist.»

PS-Frau Royal holte vor knapp 15.000 Parteimitgliedern in Toulouse zur Attacke gegen Sarkozy aus. Mit seinem liberalen Präsidentschaftsprojekt wolle er das «Gesetz des Stärkeren» einführen und werde das Land «brutalisieren». «Sein Projekt besteht nur aus ihm selbst, mein Projekt seid Ihr», rief sie.

«Ein oder zwei Überraschungen sind gut möglich»

Ungeachtet seines Rückstandes in Umfragen gab sich Zentrumskandidat François Bayrou siegessicher und kämpferisch. Er hatte für seine letzte Grossveranstaltung seine Heimatstadt Pau nahe der Pyrenäen ausgewählt und propagierte eine «orangene Revolution». «Ich bin der einzige, der in der Stichwahl gegen den Hyperfavoriten Sarkozy gewinnen kann», sagte er vor rund 5.000 Anhängern. Anders als dieser stehe er für eine «Revolution ohne Risiko», weil er ein ausgeglichener und gemässigter Präsident wäre, der «Frankreich mehr liebt als die Macht».

Die letzten Umfragen zeichnen ein widersprüchliches Bild. «Wegen der hohen Zahl der Unentschlossenen sind zwei oder drei Überraschungen am Sonntag gut möglich», sagte Frederic Daby vom Meinungsforschungsinstitut IFOP.

In einer Erhebung des Institutes CSA für «Le Parisien» liegt Royal mit 26 Prozent nur noch einen Punkt hinter Sarkozy, Bayrou scheint mit 17 Prozent abgeschlagen auf Platz drei vor dem Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen mit 16 Prozent. Eine von «Le Figaro» veröffentlichte Umfrage des Institutes TNS-Sofres sieht Sarkozy mit 28 Prozent deutlich vor Royal mit 24 Prozent, Bayrou verkleinerte seinen Rückstand auf die Sozialistin auf 4,5 Punkte.

Ebenso weit gehen die Prognosen für die Stichwahl am 6. Mai auseinander. Den CSA-Forschern zufolge liegen Royal und Sarkozy beide bei 50 Prozent, bei TNS-Sofres hat der Exinnenminister einen Vorsprung von sechs Punkten. Für den Fall eines Duells Sarkozy/Bayrou müsste sich der UMP-Chef dem Zentrumskandidaten deutlich mit 54 zu 46 Prozent geschlagen geben. (dapd)

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