Illegale Spenden: Sarkozy in der Affäre Bettencourt angeklagt

Aktualisiert

Illegale SpendenSarkozy in der Affäre Bettencourt angeklagt

Paukenschlag in Frankreich: Gegen Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist ein Verfahren eingeleitet worden. Er soll die demenzkranke L'Oreal-Milliardärin Liliane Bettencourt ausgenutzt haben.

von
jcg
Nicolas Sarkozy (Mitte) verliess das Gericht in Bordeaux kurz vor 22 Uhr.

Nicolas Sarkozy (Mitte) verliess das Gericht in Bordeaux kurz vor 22 Uhr.

Nicolas Sarkozy ist am Donnerstag von einem Gericht in Bordeaux angeklagt worden, die reichste Frau Europas, die wegen fortschreitender Demenz entmündigt worden war, finanziell übervorteilt zu haben. Zuvor war er im Justizpalast der westfranzösischen Stadt dem einstigen Butler der Milliardärin Liliane Bettencourt gegenübergestellt worden. Der langjährige Hausangestellte hatte heimlich Gespräch in der Villa von Liliane Bettencourt aufgenommen, die in der Affäre eine zentrale Rolle spielten.

Bei der Gegenüberstellung mit dem Butler und mindestens drei weiteren Hausangestellten ging es gemäss AFP vor allem darum herauszufinden, wie oft Sarkozy bei der Milliardärin während seines Präsidentschaftswahlkampfes 2007 zu Gast war.

Die Gegenüberstellung fand im Beisein von Untersuchungsrichter Jean-Michel Gentil statt. In Frankreich wird erwartet, dass die umfangreichen Ermittlungen in dem Fall bald abgeschlossen werden.

Sarkozys Anwalt erklärte gemäss französischen Medienberichten, er werde umgehend Berufung einlegen. Er beurteilt die Anklageerhebung als «ungerecht und zusammenhangslos». Sarkozy ist der 17. Angeklagte in der Affäre.

Demenzkranke Milliardärin ausgenutzt

Bei der sogenannten Bettencourt-Affäre geht es um den Vorwurf, dass die heute 90-Jährige, die laut ärztlichen Gutachten bereits seit 2006 an fortschreitender Demenz leidet, den Präsidentschaftswahlkampf Sarkozys im Jahr 2007 mit illegalen Spenden unterstützt haben könnte. Vertraute sollen die Milliardärin, die nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte war, ausgenutzt haben.

Die Justiz prüft unter anderem auffällige zeitliche Übereinstimmungen zwischen Bar-Abhebungen von Bettencourts Konten und möglichen Treffen Sarkozys oder seiner Vertrauten mit der Milliardärin.

Sarkozy hat stets versichert, dass er während des Wahlkampfs 2007 nur einmal im Hause Bettencourt gewesen sei, um dort kurz den wenig später verstorbenen Mann der Milliardärin, André Bettencourt, zu treffen. Im November hatte er vor Gericht erklärt: «Ich habe von den Bettencourts nie einen Rappen bekommen und sie auch nie darum gebeten.» Mehrere Bedienstete hatten hingegen ausgesagt, sie hätten Sarkozy mehrfach während dieser Zeit gesehen. Er habe dabei auch die L'Oréal-Erbin getroffen. (jcg/sda)

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