Frankreich: Sarkozy schiebt seine Powerfrauen ab
Aktualisiert

FrankreichSarkozy schiebt seine Powerfrauen ab

Rachida Dati und Rama Yade waren die attraktiven Vorzeigefrauen in der Regierung von Nicolas Sarkozy. Jetzt hat der französische Präsident die beiden «Secondas» ins Abseits gestellt.

von
Peter Blunschi

Nach seiner Wahl zum Präsidenten im Mai 2007 verkündete Nicolas Sarkozy, dass auch Frauen und Angehörige von Minderheiten angemessen in seiner Regierung vertreten sein sollten. Rachida Dati und Rama Yade erfüllten beide Voraussetzungen. Dati, Tochter marokkanischer Einwanderer, wurde Justizministerin, die in Dakar (Senegal) geborene Yade erhielt den neuen Posten einer Staatssekretärin für Menschenrechte im Aussenministerium.

Zwei Jahre später hat sich Sarkozys Verhältnis zu seinen Vorzeigefrauen abgekühlt. Das zeigte sich bei der Regierungsumbildung am Dienstag: Die eine wurde abgeschoben, die andere degradiert. Die 43-jährige Rachida Dati wurde ins Europaparlament gewählt – und das keineswegs freiwillig. Mit ihrer Amtsführung hat sie sich wenig Freunde geschaffen, und die chaotischen Umstände um die Geburt ihrer Tochter im Februar – der Vater ist immer noch nicht bekannt – haben ihr auch nicht genützt.

Yade ist enorm populär

Neben Dati hätte Sarkozy am liebsten auch Rama Yade ins Europaparlament abgeschoben, doch sie weigerte sich. Allzu weit konnte der Präsident nicht gehen, denn im Gegensatz zur Justizministerin ist die schöne Staatssekretärin überaus populär. Nur Expräsident Jacques Chirac erfreut sich unter den politischen Persönlichkeiten einer grösseren Beliebtheit. Unbeschadet kam die 32-Jährige trotzdem nicht davon – sie ist neue Staatssekretärin für Sport.

Rama Yade spricht von einer «enormen Ehre», doch für Beobachter liegt eine Degradierung vor. Als Staatssekretärin für Menschenrechte hat sie sich mit oft unverblümten Äusserungen bei Sarkozy und Aussenminister Bernard Kouchner unbeliebt gemacht. So kritisierte sie China, und als der libysche Diktator Muamar Gaddafi im Dezember 2007 von Nicolas Sarkozy in Paris empfangen wurde, sagte sie: «Frankreich ist keine Fussmatte, auf der Staatschefs, egal ob es sich um Terroristen handelt oder nicht, das Blut ihrer Taten abstreifen können».

Als Indiz für Yades Herabstufung wird auch die Tatsache gewertet, dass der Posten eines Staatssekretärs für Menschenrechte ersatzlos gestrichen wird.

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