Sarkozy und Bush auf Schmusekurs
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Sarkozy und Bush auf Schmusekurs

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat bei seinem Antrittsbesuch in den USA seine Entschlossenheit bekräftigt, die Freundschaft zwischen beiden Ländern zu erneuern.

«Ich möchte Amerikas Herz zurückerobern,» sagte Sarkozy am Dienstag (Ortszeit) bei einem Gala-Dinner mit US-Präsident George W. Bush im Weissen Haus in Washington. «Wir haben ein gemeinsames Schicksal, nämlich das von zwei freien Völkern, die an Freiheit glauben und bereit sind, für Freiheit zu kämpfen.»

Bush hatte Sarkozy auf Französisch im Weissen Haus willkommen geheissen. In seiner Tischrede hob auch er die Bedeutung der langen US-französischen Freundschaft hervor. Durch eine Vertiefung ihrer Zusammenarbeit könnten beide Länder «die Welt zu einem besseren Ort machen,» sagte er.

Frankreich und die USA seien sich einig, dass die Versöhnung im Irak notwendig sei, um Frieden im Nahen Osten zu schaffen. Beide Länder verurteilten Menschenrechtsverletzungen in Darfur und Burma.

Annäherung in Irak-Frage

In einer Rede vor dem US-französischen Handelsrat hatte Sarkozy zuvor betont, dass die früheren Meinungsverschiedenheiten über den Irak-Krieg die Freundschaft nicht in Frage stellen sollten. Niemand fordere einen bedingungslosen sofortigen Abzug der US-Truppe.

Er setze sich lediglich dafür ein, «dass das irakische Volk so schnell wie möglich über seine Zukunft entscheiden kann und seine Einheit sichern», sagte Sarkozy. Das Thema Irak hatte in der Zeit von Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac zu Spannungen zwischen Paris und Washington geführt.

Mit Blick auf die Befreiung Frankreichs von der NS-Herrschaft durch US-Soldaten 1944 sprach Sarkozy von einer «ewigen Schuld von Frankreichs Volk gegenüber dem Volk der USA für das, was es für uns getan hat».

Dialog mit dem Iran

Auch im Atomstreit mit dem Iran demonstrierte Sarkozy Einigkeit mit Bush. Für Frankreich sei die Vorstellung, dass Teheran über eine Atombombe verfügen könnte, «nicht hinnehmbar», betonte er.

Die Krise könne nur durch UNO- und EU-Sanktionen gegen den Iran gelöst werden. Gleichzeitig setzte Sarkozy sich jedoch für einen «Dialog bis zur letzten Sekunde» ein und sprach dem Iran ein Recht auf die zivile Nutzung von Atomkraft zu.

Vor den versammelten Geschäftsleuten des US-französischen Handelsrats kündigte Sarkozy an, er werde sich bei seinem Besuch in China Ende November für eine Aufwertung des Yuan einsetzen. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush fordert von Peking schon lange, den Yuan gegenüber dem Dollar aufzuwerten. Sie sieht in der schwachen chinesischen Währung einen Hauptgrund für das enorme Defizit im US-Handel mit China.

Rede vor dem Kongress

Am Mittwoch will Sarkozy vor beiden Kammern des Kongresses sprechen, was als grosse Ehre gilt. Ausserdem stand ein gemeinsamer Besuch auf dem Landsitz des ersten US-Präsidenten George Washington ausserhalb der Hauptstadt auf dem Programm.

Sarkozy reiste in Begleitung mehrerer Minister nach Washington, unter ihnen Aussenminister Bernard Kouchner und Justizministerin Rachida Dati.

(sda)

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