Der Coup: Sarkozy zwingt Banker zum Bonus-Verzicht
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Der CoupSarkozy zwingt Banker zum Bonus-Verzicht

Nicolas Sarkozy hat die Finanzkrise zu einem politischen Coup genutzt. Der französische Staatschef zwang die Chefs der klammen Banken, auf ihre Boni zu verzichten. Er stellte sie vor die Wahl: Prämie oder öffentliche Finanzspritze.

Am Dienstagabend bestellte Sarkozy die Topmanager und Bankenverbandspräsident Georges Pauget in den Élysée-Palast. Nach der «langen Unterhaltung» trat Pauget vor die Presse und verkündete den kollektiven Verzicht auf die Prämien für 2008. «Die Banken setzen so das Gespür für die Gefühle der Menschen um», lautete seine Interpretation.

Nach der Verzichtserklärung gab Finanzministerin Christine Lagarde grünes Licht für ein zweites Bankenrettungspaket im Volumen von 10,5 Milliarden Euro. Ein erstes in derselben Höhe hat das Interbankengeschäft zwar wieder etwas in Schwung gebracht, reicht aber noch nicht aus, damit die Banken die Wirtschaft wieder ausreichend mit Krediten versorgen.

«Einfach typisch Sarkozy»

«Das ist natürlich ein spektakulärer Coup, der ihm viel Beifall bringt», sagt Henrik Uterwedde, Wirtschaftsexperte vom Deutsch-Französischen Institut (DFI). «Einfach typisch Sarkozy.» In Deutschland funktioniere Politik nicht so einfach. «Kanzlerin Merkel bräuchte erst einen Koalitionsbeschluss. Und die Wirtschaft tanzt bei uns nicht nach der Pfeife der Regierung.» Angela Merkel gehe deswegen leise vor, sagt er. «Doch die Wirkung ist oft ähnlich effizient.»

In der Tat ist auch das Berliner Bankenrettungspaket von 480 Milliarden Euro an Auflagen gebunden: Die Gehälter der Manager werden auf 500.000 Euro gedeckelt, wenn der Staat in Institute einsteigt oder Risiken übernimmt. Und das Steuergeld darf nicht für die Ausschüttung von Dividenden genutzt werden.

Auch Automanager sollen verzichten

«Wie effekthascherisch Sarkozys Stil auch sein mag, er hat die politisch richtige Entscheidung getroffen», sagt DFI-Experte Uterwedde. Die Krise habe das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen erheblich sensibilisiert. «Und in der Mindestlohndebatte in Deutschland zeigt sich, dass die Menschen nicht mehr verstehen, dass beim Umgang mit öffentlichem Geld mit zweierlei Mass gemessen wird.»

Selbst vom französischen Arbeitgeberverband MEDEF kam nur kleinlaute Kritik an Sarkozys «Erpressung». Diese sei «nicht unbedingt notwendig gewesen», sagte MEDEF-Präsidentin Laurence Parisot am Mittwoch. Die «Solidaritätsgeste» der Bankenchefs wäre auch ohne politischen Druck zustande gekommen.

Die Regierung nimmt indes schon andere Branchen ins Visier. Es wäre «völlig normal und gerechtfertigt», wenn auch die Chefs der Autokonzerne wie Renault und Peugeot, denen der Staat kräftig unter die Arme greift, auf ihre «Super-Boni» verzichteten, sagte Finanzministerin Lagarde. Dass die Verwaltungsräte das Steuergeld für Prämien verwendeten, wäre dagegen «Unsinn». Sie werde bei dem Thema am Ball bleiben und die öffentliche Meinung beobachten.

(dapd)

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