Gewiefter Präsident: Sarkozys Show für die Wiederwahl
Aktualisiert

Gewiefter PräsidentSarkozys Show für die Wiederwahl

Am G8-Gipfel nutzte Sarkozy jede Gelegenheit, um sich von seiner besten Seite zu präsentieren. Auch Carla Brunis Schwangerschaft sollen seine Umfragewerte nach oben treiben.

von
Harald Schultz
dapd
Bilder mit den Mächtigen der Welt, wie hier mit US-Präsident Barack Obama sollen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei der Wiederwahl helfen.

Bilder mit den Mächtigen der Welt, wie hier mit US-Präsident Barack Obama sollen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei der Wiederwahl helfen.

Nicolas hier, Sarkozy da, Nicolas Sarkozy überall: Der G-8-Gipfel in Deauville hat dem französischen Präsidenten die hochwillkommene Gelegenheit gegeben, freundliche Fernsehbilder von ihm mit den Grossen dieser Welt zu produzieren: Barack Obama in der Normandie, Dmitri Medwedew auch, Angela Merkel dazu, David Cameron, Silvio Berlusconi, Naoto Kan, Stephen Harper. Dazu die Präsidenten aus Algerien, Tunesien, Ägypten, Äthiopien, der Elfenbeinküste, Nigeria. Plus Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, Weltbank-Chef Robert Zoellick.

Dazu ein Präsident, der markig den Abgang von Gaddafi fordert, der das Internet regulieren will und für Nordafrika 40 Milliarden Dollar mobilisiert. Keine schlechte Bilanz für eine Regierung, die kürzlich noch für ihre Nähe zum alten Regime in Tunis gescholten worden war, die die Flüchtlinge von dort nicht haben will und die viele Wähler mit nordafrikanischen Wurzeln im eigenen Land hat. Selbst in der heiklen Frage der Atomkraftwerke vermittelte er den Eindruck, dass Aussteiger Deutschland isoliert sei in der Welt.

Blasse Angela Merkel

Dagegen blieb die deutsche Kanzlerin Angela Merkel seltsam blass in Deauville. Als habe sie mit der ganzen Sarko-Show wenig zu tun gehabt. Während die USA, Grossbritannien, Frankreich, Italien und Kanada am Donnerstagabend als eine Art von G-5 eine Verschärfung des Libyen-Krieges beschlossen, sprach sie mit dem tunesischen Ministerpräsidenten Beji Caid Essebsi über bilaterale Hilfe bei der Berufsausbildung. Während viele Teilnehmer bilaterale Gespräche mit US-Präsident Barack Obama führten, sprach sie nur mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew - und sagte hinterher gar nichts. Und während Sarkozy am Freitagmittag fast eine Stunde lang voller Elan seine Abschlusspressekonferenz gab, nahm sie nur gut fünf Minuten lang vor Journalisten Stellung und flog stracks nach Berlin zurück.

In Deauville fehlte nur einer, Dominique Strauss-Kahn, bis vor kurzem Chef des Internationalen Währungsfonds. Er sollte eigentlich neue Pläne für die Rettung der Welt vorstellen, aber war urplötzlich unpässlich wegen seiner Verhaftung in New York wegen des Vorwurfes der Vergewaltigung.

Doch auch diese Affäre trägt zum Glück von Sarkozy bei. Er schweigt dazu auffällig, um das Spektakel der völlig geschockten Sozialisten auszukosten. Sie haben ihren haushohen Wahlfavoriten verloren und sind orientierungslos. Wer für sie bei der Präsidentenwahl in zwölf Monaten antritt, ist völlig unklar. Die Parteiflügel kämpfen in den Kulissen für ihre jeweiligen Politiker.

Unpopulärer Präsident legt wieder zu

Sarkozy, der unpopulärste Präsident seit 1975, hat in den Umfragen wieder zugelegt und den undankbaren dritten Platz für den ersten Wahlgang 2012 wieder verlassen. Er konnte die rechtsradikale Martine Le Pen überflügeln. Damit darf er nach heutigem Stand in einem Jahr in den zweiten Wahlgang einziehen und versuchen, sein Amt zu verteidigen.

Noch ist offen, ob die gerade verkündete Schwangerschaft seiner Frau Carla Bruni zu dem Aufschwung beigetragen hat. Doch sie half in Deauville kräftig mit, indem sie beim Fototermin mit den Frauen der Staats- und Regierungschefs kurz auf ihr Baby-Bäuchlein zeigte. Immerhin war es Sarkozys Blitzscheidung von seiner Frau Cecilia und die schnelle Neuverheiratung gewesen, die Ende 2007 die Umfragewerte in den Keller gebracht hatte. Seitdem hatten sich die Werte des Präsidenten nicht mehr erholt, egal, was er tat.

Für den Herbst 2011 ist also erstmals seit 1958 mit einem Präsidentenkind zu rechnen. Und im November kann Sarkozy den Coup von Deauville sogar übertreffen: Dann kommen die G-20 zum Gipfel nach Cannes. Dann sind sogar die Chinesen, Inder und Brasilianer dabei und viele andere. Und Nicolas Sarkozy wieder mittendrin.

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