Zwei Auswirkungen – Sars-CoV-2 zeigt sich erstmals resistent gegen Remdesivir
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Zwei AuswirkungenSars-CoV-2 zeigt sich erstmals resistent gegen Remdesivir

Laborstudien hatten es vorausgesagt, nun ist es zum ersten Mal beim Menschen bestätigt worden: Das Coronavirus kann eine Resistenz gegen das Medikament Remdesivir entwickeln.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Der Wirkstoff Remdesivir wird mitunter zur Behandlung gegen Covid-19 eingesetzt. 

Der Wirkstoff Remdesivir wird mitunter zur Behandlung gegen Covid-19 eingesetzt. 

REUTERS
Unter anderem der ehemalige US-Präsident Donald Trump war nach seiner Ansteckung mit dem Coronavirus damit behandelt worden.

Unter anderem der ehemalige US-Präsident Donald Trump war nach seiner Ansteckung mit dem Coronavirus damit behandelt worden.

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Remdesivir unterbindet laut Swissmedic die Vermehrung des Virus, indem es die virale ‘Kopiermaschine’, die sogenannte RNA-Polymerase blockiert.

Remdesivir unterbindet laut Swissmedic die Vermehrung des Virus, indem es die virale ‘Kopiermaschine’, die sogenannte RNA-Polymerase blockiert.

CDC/PD

Darum gehts

  • Nicht nur Bakterien, auch Viren können gegen Medikamente Resistenzen entwickeln – auch Sars-CoV-2.

  • Medizinerinnen und Mediziner aus den USA teilen den Fall einer 70-jährigen Frau.  

  • Bei ihr entwickelte das Virus eine Mutation, die den Angriff von Remdesivir wirkungs­los machte, gleichzeitig aber auch das Virus schwächte. 

Im Kampf gegen Covid-19 setzen Fachleute nicht nur auf die Impfungen, sondern auch auf Präparate mit dem Wirkstoff Remdesivir. Der Stoff «unterbindet die Vermehrung des Virus, indem es die virale ‘Kopiermaschine’, die sogenannte RNA-Polymerase blockiert», erklärt Swissmedic. Das Schweizerische Heilmittelinstitut hatte im Herbst 2020 eine befristete Zulassung erteilt. Unter anderem der ehemalige US-Präsident Donald Trump war nach seiner Ansteckung mit dem Coronavirus damit behandelt worden.

Obwohl Remdesivir bei Corona in einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO als wirkungslos eingestuft wurde, kam es weltweit weiter zum Einsatz – auch bei einer 70-jährigen Covid-19-Patientin in den USA, deren Fall im Fachjournal «Nature Communications» vorgestellt wird. Dieser zeigt, dass das Coronavirus Resistenzen gegen den Wirkstoff entwickeln kann.

Remdesivir versagte

Die immungeschwächte Frau war wegen eines Non-Hodgkin-Lymphoms mit dem Antikörper Rituximab behandelt worden. Danach, so das Team der Yale University School of Medicine in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut, habe sie keine Antikörper mehr gegen Sars-CoV-2 entwickeln können. Es kam zu einer chronischen Covid-19-Infektion. Nach 148 Tagen wurde sie mit Remdesivir behandelt. Statt der üblichen fünf sogar zehn Tage lang. Der Erfolg blieb aus.

Zwar sank die Viruslast, wie der steigende ct-Wert (siehe Box) zeigte. Doch noch während der Behandlung kam es zu einem Rückfall: der ct-Wert sank deutlich. Erst die kombinierte Gabe der Antikörper Casirivimab und Imdevimab, die gegen die damals kursierende Variante noch wirksam waren, konnte die Infektion beenden.

Was heisst ct-Wert?

Ct steht für «cycle treshold», zu Deutsch Zyklus-Schwelle. Der so bezeichnete Wert gibt an, wie viele Zyklen von Erhitzen und Abkühlen einer Probe eine PCR-Probe durchlaufen muss, bis man eine relevante Menge an Viruserbgut nachweisen kann. Ist der Wert gering – das heisst, das Genmaterial ist schon nach kurzer Zeit nachweisbar –, ist die Viruslast hoch und der Patient infektiöser, als wenn die Probe einen hohen ct-Wert aufweist. Bei Sars-CoV-2 spricht man bei einem ct-Wert von mehr als 30 davon, dass die Infektiosität in der Regel gering bis vernachlässigbar ist.

Ausbreitung unwahrscheinlich

Grund für das Schwächeln von Remdesivir ist eine Mutation des Virus: E802. Sie wurde bei der Patientin erstmals am 7. Tag der Remdesivir-Behandlung entdeckt. Nach wenigen Tagen hatte sie sich gegen andere Varianten durchgesetzt. E802 verändert die RNA-Polymerase so, dass sie durch Remdesivir nur noch geringfügig gehemmt werden kann. Die Möglichkeit hatten Forschende bereits im Jahr 2021 nach Laborstudien im Fachjournal «Plos Pathogens» beschrieben.

Die Mutation sorgt aber nicht nur dafür, dass Remdesivir wirkungslos wird. Sie reduziert auch die Infektiosität von Sars-CoV-2. Entsprechend würde sich das Virus unter normalen Umständen nicht durchsetzen können. Nur wenn Remdesivir wie im Fall der 70-Jährigen die Replikation anderer Varianten verhin­dert, haben Mutationen mit E802 eine Chance. Es ist also nicht davon auszugehen, dass sie sich aus­breiten.

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Hier findest du Hilfe:

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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