Aus für Glenn Beck: «Satans geistig behinderter Bruder»
Aktualisiert

Aus für Glenn Beck«Satans geistig behinderter Bruder»

Er ist das schrille Sprachrohr aller Obama-Hasser. In seinen besten Zeiten erreichte der Fernsehmoderator Glenn Beck auf Fox News Traumquoten. Jetzt ist Sendeschluss.

von
Peter Blunschi

Es ist das (vorläufige) Ende einer kurzen, aber turbulenten Episode amerikanischer Fernsehgeschichte. Am Donnerstag verabschiedete sich Glenn Beck von seinem Publikum, ein halbes Jahr vor Ablauf seines Dreijahresvertrags mit Fox News. Es war ein ruhiger Abgang für den 47-Jährigen, ohne die üblichen Tiraden und Verschwörungstheorien, mit denen er seine Fans begeisterte und seine Kritiker zur Weissglut brachte.

Der kometenhafte Aufstieg des Nachfahren deutscher Einwanderer verlief nicht zufällig parallel zum Einzug von Barack Obama ins Weisse Haus. Mit dem ersten schwarzen US-Präsidenten wurde ein Albtraum Realität für Amerikas abgefahrenen rechten Rand, und Glenn Beck entwickelte sich zu seinem Sprachrohr. Am 13. März 2009, nur wenige Wochen nach Obamas Vereidigung, bekannte er in einem emotionalen Auftritt in seiner Show, dass er Amerika liebe und um das Land fürchte, wobei er sich eine Träne aus dem Auge wischte.

Drei Millionen Zuschauer

Die Wogen gingen nach diesem Auftritt hoch. Becks linke Gegner behaupten – wohl nicht zu Unrecht –, es habe sich um eine Inszenierung gehandelt. Der Horrorbuchautor Stephen King nannte Glenn Beck «Satans geistig behinderten Bruder». Dem Moderator, der jahrelang mit Alkohol- und Drogenproblemen gekämpft hatte, waren solche Attacken noch so recht. Sie machten ihn endgültig zur nationalen Figur. Seien tägliche Sendung auf Fox News erreichte zu ihren besten Zeiten drei Millionen Zuschauer, und das um 5 Uhr nachmittags.

Für die rechtspopulistische Tea-Party-Bewegung wurde Glenn Beck zum Idol. Ende August 2010 organisierte er zusammen mit Sarah Palin unter dem Motto «Restoring Honor» (Die Ehre wiederherstellen) einen Aufmarsch vor dem Lincoln Memorial in Washington, womit er seine Gegner einmal mehr provozierte. Denn an gleicher Stelle hatte Martin Luther King einst seinen Traum von einem Amerika verkündet, in dem alle Menschen gleich behandelt werden – nun wurde hier gegen den ersten schwarzen Präsidenten mobilisiert.

Wilde Verschwörungstheorien

Mit diesem Höhepunkt begann aber auch der Abstieg des Glenn Beck. Seine Tiraden sorgten zunehmend auch im konservativen Lager für Stirnrunzeln. Wahlweise bezeichnete er Obama als Kommunisten oder als Nazi. Für besondere Empörung sorgte er im Juli 2009, als er den Präsidenten in seiner Sendung als «Rassisten» beschimpfte, der «einen tief sitzenden Hass auf weisse Menschen» hege. Eine Boykottkampagne führte dazu, dass zahlreiche Unternehmen keine Werbung mehr im Umfeld von Becks Show buchten.

Für noch mehr Irritation sorgten seine Verschwörungstheorien, die er mit Vorliebe im Stil eines Oberlehrers der Nation an einer schwarzen Wandtafel erläuterte. Den liberalen Finanzjongleur und Philanthropen George Soros bezeichnete er als Kopf einer Weltverschwörung zum Sturz der nationalen Regierungen. Und der arabische Frühling ist für ihn eine Verschwörung der Linken in Amerika mit Islamisten zur Errichtung eines «Kalifats» im Nahen und Mittleren Osten.

Wer ist Glenn Beck wirklich?

Damit hatte Beck den Bogen überspannt. Seine Einschaltquote war noch halb so hoch wie in seinen besten Zeiten. Nicht alle Zuschauer liessen sich für dumm verkaufen, und seine Masche hatte sich totgelaufen. Dies und der Werbeboykott führten zu seinem Abgang bei Fox News, obwohl bis zuletzt unklar blieb, ob er rausgeworfen wurde oder freiwillig ging. Ebenso bleibt ein Rätsel, wer oder was Glenn Beck wirklich ist: Ein durchgeknallter Irrer, ein gefährlicher Demagoge oder einfach ein Showmann? Er selbst bezeichnete sich einmal sinngemäss als Pausenclown – seine Fans allerdings nahmen sein Geschwafel durchaus ernst.

Verzichten müssen sie auch in Zukunft nicht darauf. Mit seiner täglichen Radioshow, einem Magazin, seinen Büchern und seiner Website bleibt Beck omnipräsent. Die Fernsehsendung wird er künftig auf seinem eigenen Internet-Kanal GBTV ausstrahlen. Allerdings müssen die Fans dafür bezahlen, 4,95 Dollar im Monat für die Show und 9,95 Dollar für das gesamte Programm. Eine Breitenwirkung wie auf Fox News wird er damit kaum erzielen.

Glenn Beck weint um sein Land. (Video: YouTube)

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