Panzer im Wohngebiet: Satellitenbilder vom Krieg in Homs

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Panzer im WohngebietSatellitenbilder vom Krieg in Homs

Ein US-Unternehmen hat Bilder des Kriegsgeschehens in Homs veröffentlicht. Derweil will die Regierung die «Terroristen auslöschen», ein General und viele Zivilisten wurden getötet.

von
kub

Das Satellitenbildunternehmen Digital Globe hat Aufnahmen veröffentlicht, auf denen nach Angaben des Unternehmens Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge der syrischen Streitkräfte in der Stadt Homs zu sehen sind. Demnach wurden die Bilder am späten Freitagmorgen syrischer Zeit aufgenommen.

Auf einigen der Fotos sei zu sehen, dass gepanzerte Fahrzeuge in der Nähe von Wohngebäuden stehen, sagte Stephen Wood, Direktor des Analysezentrums von Digital Globe. Die Bilder seien von dem Satelliten «World View 2» aus einer Höhe von etwa 770 Kilometern aufgenommen worden, sagte Wood. Das im US-Staat Colorado ansässige Unternehmen verkauft Satellitenbilder und Analysen unter anderem an das US-Militär, Hilfsorganisationen und private Unternehmen.

Heftige Gefechte in Homs

Derweil hat sich Bürgerkrieg in Syrien am Samstag verschärft. Das Regime will nach eigenen Angaben den «Terrorismus auslöschen». Aus Homs, dem Grossraum Damaskus und dem Grenzgebiet zum Libanon wurden heftige Gefechte gemeldet. In Damaskus wurde offenbar ein Brigadegeneral erschossen.

Staatlichen Medien zufolge töteten bewaffnete Angreifer Brigadegeneral Issa al-Chuli, als er am Samstagmorgen sein Haus im Stadtteil Rukn Eddine verliess. Chuli war Arzt und leitete das Militärspital der syrischen Hauptstadt.

Gemäss der staatlichen Nachrichtenagentur Sana lauerten drei Männer dem Familienvater auf. Sollte sich die Nachricht bestätigen, wäre es das erste Attentat auf einen solch hohen Offizier in Damaskus seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad im vergangenen März.

Die Behörden machten «eine bewaffnete Terrorgruppe» für den Tod des Generals verantwortlich. Das Regime bezeichnet bewaffnete Oppositionelle und Deserteure der Armee generell als «Terroristen».

Mindestens 40 Tote

In Syrien wurde auch am Samstag erneut heftig gekämpft. Nahe der Hauptstadt Damaskus haben sich nach Angaben von Aktivisten Regierungstruppen Gefechte mit Deserteuren geliefert. Die Stadt Homs stand unter massivem Beschuss.

Auch aus Al-Kusair an der syrisch-libanesischen Grenze wurden Kämpfe gemeldet. Insgesamt gab es mindestens 40 Tote, davon die meisten in Homs. Wegen der Medienblockade ist eine unabhängige Überprüfung der Meldungen aus Syrien kaum möglich.

Im Nachbarland Libanon gab es laut lokalen Medien Ausschreitungen zwischen Anhängern und Gegnern Assads. Dabei seien zwei Menschen getötet worden.

Ministerium will den «Terrorismus auslöschen»

Das syrische Innenministerium kündigte an, den «Terrorismus auszulöschen» und «diejenigen zur Strecke zu bringen, die die Sicherheit des Landes und der Bürger aufs Spiel setzen», wie Sana berichtete.

Am Freitag waren in Syrien mindestens 90 Menschen getötet worden, darunter 28, die nach offiziellen Angaben einem Doppelanschlag in der nördlichen Wirtschaftsmetropole Aleppo zum Opfer fielen. Während die Staatsmedien «terroristische Gruppen» dafür verantwortlich machten, beschuldigte die Opposition das Regime, hinter der Tat zu stecken.

Al-Kaida-Anschlag?

Am Samstag schrieb die US-Zeitungsgruppe McClatchy unter Berufung auf anonyme US-Vertreter, der irakische Flügel der sunnitischen Terrororganisation Al-Kaida sei wahrscheinlich für die Anschläge in Aleppo sowie zwei frühere Bombenanschläge in Damaskus verantwortlich. Dies sei ein Versuch der Kaida, den Aufstand für sich zu vereinnahmen.

Am 23. Dezember und am 6. Januar waren in Damaskus bei Selbstmordattentaten auf Gebäude des Geheimdienstes insgesamt mindestens 70 Menschen getötet worden.

Kämpfer aus dem Irak in Syrien

Aus dem Irak drangen nach Regierungsangaben Dschihad-Kämpfer nach Syrien ein. «Wir haben Informationen der Geheimdienste, wonach eine gewisse Zahl irakischer Dschihadisten nach Syrien gefahren ist», sagte der stellvertretende irakische Innenminister Adan al-Assadi am Samstag der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad.

Zudem gebe es einen regen Waffenschmuggel nach Syrien. Die Waffen würden überwiegend von Bagdad aus in die nördliche Provinz Niniwe gebracht und dort von Familienclans auf beiden Grenzseiten nach Syrien geschmuggelt. Dort gingen sie dann weiter an die syrische Opposition.

Seit am vergangenen Wochenende im UNO-Sicherheitsrat ein Veto Russlands und Chinas eine gegen das syrische Regime gerichtete Resolution verhinderte, hat das Regime in Damaskus seine Offensive auf die Opposition im eigenen Land deutlich verschärft. (kub/sda/dapd)

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