Sauber 2006 als bayrisches Team am Start

Aktualisiert

Sauber 2006 als bayrisches Team am Start

BMW gibt sich nach der Übernahme des Sauber-Teams keinen Illusionen hin. Die in der Formel 1 erstmals als eigenständiger Rennstall firmierenden Bayern haben 2006 als Übergangssaison deklariert und entsprechend bescheidene Ziele formuliert.

Seit dem 22. Juni 2005 laufen die Drähte heiss und herrscht reger Verkehr zwischen München und Hinwil. Am Tag, an dem das Zusammengehen von BMW und Sauber in der Formel 1 in München publik gemacht wurde, wurde ein gewaltiger Arbeitsprozess mit den vielfältigsten Aufgaben in Gang gesetzt, in deren Zentrum die Optimierung des Zusammenspiels zwischen den beiden Standorten steht. In Bayerns Hauptstadt werden Motoren, Getriebe und Elektronik hergestellt, im Zürcher Oberland die Chassis gebaut und die Einsätze geplant.

Neue Perspektiven

Mit dem Kommandowechsel von Peter Sauber zu Mario Theissen eröffneten sich an allen Fronten neue Perspektiven. Der «Aufstieg» vom Privat- zum Werkteam brachte nicht nur die markante Zunahme der finanziellen Mittel von zuletzt 160 auf (geschätzte) 300 Millionen Franken sowie 100 neue Arbeitsplätze, (geplante) bauliche Erweiterungen und die effizientere Nutzung des topmodernen Windkanals in Hinwil mit sich. Mittlerweile wird im 70 Millionen Franken teuren Komplex im Zweischichtbetrieb gearbeitet; Ende Jahr wird mit der vollen Auslastung gerechnet.

Vom Ausbau profitiert natürlich auch der sportliche Bereich. An den Grand-Prix-Wochenenden ist das Team in den freien Trainings am Freitag nun mit drei Autos vertreten; neben den Stammfahrern Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve kommt der polnische Testpilot Robert Kubica zum Einsatz. Ein Novum ist zudem, dass Testfahrten mit zwei Autos bestritten werden. Peter Sauber hatte sich aus Kostengründen im Normalfall auf eines beschränken müssen. Mit den neuen Wagen, den F1.06, wurden bislang 9950 km abgespult und mit den letztjährigen Modellen weitere 3500, womit das Testpensum im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr um 100 Prozent erhöht wurde.

Erfahrungen sammeln

Die Verantwortlichen von BMW-Sauber lassen sich von den guten Voraussetzungen nicht blenden. In der Chefetage wird langfristig geplant. Mario Theissen bleibt Realist: «Unser Fernziel bleibt der WM-Titel. Es wäre vermessen, gleich im ersten Jahr von uns Siege zu erwarten», sagte der Teamchef. «Wir starten vom achten Platz, den Sauber im vergangenen Jahr in der Konstrukteurenwertung eingenommen hat. Nach oben ist also genügend Luft vorhanden. Vorab geht es aber darum, Erfahrungen zu sammeln.»

Die ersten direkten Vergleiche mit der Konkurrenz im Zuge der vorsaisonalen Testfahrten bestätigten Theissens Einschätzung: BMW-Sauber vermag vom Speed her mit den Besten (noch) nicht ganz mitzuhalten, überzeugte aber durch Standfestigkeit. Klaglos laufende Autos könnten gerade in den ersten Grands Prix zum Trumpf werden, zumal die Performance der neu vorgeschriebenen Achtzylinder- Motoren selbst bei der höher kotierten Konkurrenz noch nicht über jeden Zweifel erhaben scheint.

Mit Nick Heidfeld («mit dem F1.06 haben wir eine solide Basis, auf der wir kontinuierlich aufbauen können») und Jacques Villeneuve hat BMW-Sauber zwei routinierte Fahrer unter Vertrag, die zudem mit den Gegebenheiten in Hinwil bestens vertraut sind. Der in Stäfa ZH wohnende Mönchengladbacher, der in der Gunst von Theissen ganz weit oben steht und 2000 in einem Prost in der Formel 1 debütierte, fuhr von 2001 bis 2003 für Sauber-Petronas. Villeneuve (»für Prognosen ist es noch zu früh»), dessen Wahl als zweiter Fahrer von vielen Nebengeräuschen begleitet war, war vor der vergangenen Saison von Peter Sauber mit einem Zweijahreskontrakt verpflichtet worden.

Peter Sauber wird beim Saisonauftakt in Bahrain nicht vor Ort sein. Der ehemalige Patron geht seiner Beratertätigkeit im Rahmen eines Grand Prix erstmals in der kommenden Woche in Malaysia nach, wo zahlreiche Termine mit Petronas anstehen. Der Öl- und Gaskonzern hält dem Team auch nach dem Besitzerwechsel die nächsten drei Jahre als Hauptsponsor die Treue. (si)

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