Felipe Massa: «Sauber macht schwere Zeiten durch»
Aktualisiert

Felipe Massa«Sauber macht schwere Zeiten durch»

Felipe Massas (33) Formel-1-Karriere begann bei Sauber. Nach acht Jahren Ferrari soll er das Williams-Martini-Team zurück an die Spitze führen. In Monaco dürfte es schwer werden.

von
Sandro Compagno
Monte Carlo

20 Minuten: Felipe Massa, nur Startplatz 16 nach einer Kollision mit Marcus Ericsson. Das war ein frustrierendes Qualifying für Sie.

Felipe Massa: Ja, sehr frustrierend. Ich bin auf einer langsamen Runde, sehe ihn im Rückspiegel kommen und mache Platz. Dann unterläuft ihm ein Fehler, er crasht in meinen Wagen und die Session ist für mich gelaufen. Das ist einfach nur ärgerlich. Das Qualifying hätte viel besser sein können.

Mögen Sie Monte Carlo?

Sehr sogar. Der Kurs ist ganz anders als alle anderen Strecken. Wahnsinnig eng, aber es macht sehr viel Spass hier. Natürlich ist der Spassfaktor etwas kleiner, wenn du von Position 16 losfährst, vor allem weil wir hier in Monte Carlo kaum überholen können. Aber ich werde es versuchen. Man weiss ja nie, was im Rennen passiert.

Wie oft pro Runde denken Sie eigentlich: «Oh mein Gott, das war knapp!»?

Das kommt schon ein paar Mal vor, aber nicht pro Runde! Es passiert immer mal wieder, dass du einen kleinen Fehler machst, das Auto etwas verlierst und dann wird es hier schon sehr eng. Aber natürlich nicht in jeder Runde, sonst machst du zu viele Fehler.

Haben Sie Rituale vor dem Training und Rennen?

Oh ja, viele. Ich steige immer von der linken Seite ins Auto, das heisst, mit dem rechten Bein zuerst. Manchmal (lacht laut) verzichte ich vor dem Rennen darauf, die Unterwäsche zu wechseln. Ich meine, zwei Tage in der selben Unterhose - das geht noch, oder? Es sind viele Kleinigkeiten. Man hatte ein gutes Rennen und möchte alles nochmals genau gleich machen – verrückte kleine Dinge.

Aber für das Rennen am Sonntag wechseln Sie die Unterwäsche?

Ganz bestimmt. Ich wechsle alles! (Lacht)

Sie reisen das ganze Jahr in der Welt herum. Wo sind Sie am liebsten?

Am liebsten bin ich zuhause in Brasilien! Wenn ich die Zeit habe, dann verbringe ich sie gerne in Brasilien. Aber als Formel-1-Fahrer haben wir das Glück, an viele schöne Orte zu gelangen. Monte Carlo zum Beispiel. Ich mag auch Australien, Kanada, Abu Dhabi …

Haben Sie die Gelegenheit, während der Fussball-WM nach Brasilien zu reisen?

Es wird schwierig. Ich könnte am ersten Gruppenspiel Brasiliens dabei sein, habe mich aber entschieden hier zu bleiben. Sollte Brasilien den Final erreichen, bin ich aber sicher dabei! Da muss ich hin.

Sie sind acht Jahre für Ferrari gefahren, jetzt sind Sie im Martini-Williams-Team. Abgesehen vom kleineren Budget, das Williams zur Verfügung steht: Welches sind die Hauptunterschiede?

Die Mentalitäten. Italiener funktionieren anders als Engländer. Aber ich fühle mich sehr wohl hier. Williams hat eine sehr grosse Tradition und unternimmt sehr viel, das Team wieder wettbewerbsfähig zu machen.

Was fehlt? Am Mercedes-Motor liegt es ja offensichtlich nicht, wenn man die erste Startreihe mit den beiden Silberpfeilen anschaut.

Ja, der Motor ist gut. Wir müssen an der Aerodynamik arbeiten, aber man darf nicht vergessen, woher wir kommen. 2013 war das schlechteste Jahr in der Williams-Firmengeschichte. Man kann nicht den Schalter umkippen und von 0 auf 100 gehen, wir müssen uns Schritt für Schritt wieder an die Spitze heranarbeiten.

Was denken Sie, wenn Sie das Team anschauen, in dem Sie Ihre Karriere gestartet haben: Sauber?

Ja, die sind nicht in einer guten Form. Die machen schwere Zeiten durch. Was soll ich sagen? Die sind hinter uns, also ist es okay.

Es gibt 22 Menschen, die Ihren Job machen, und Tausende, die dorthin wollen. Was ist der wichtigste Faktor, um in die Formel 1 zu gelangen: Glück, Talent, Arbeit?

Arbeit und Talent sind die Voraussetzungen. Und dann brauchst du natürlich ein wenig Glück. Aber du kannst der glücklichste Mensch dieser Welt sein, wenn du kein Talent hast: Vergiss es! Talent ist das wichtigste, aber wenn du nicht arbeitest, reicht es nicht.

20 Minuten ist auf Einladung von Williams Martini Racing in Monte Carlo.

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