«Sauberster Sportverein» dank illegalen Drogentests
Aktualisiert

«Sauberster Sportverein» dank illegalen Drogentests

Der Trainer
des Basketballclubs
Appenzell testete seine
minderjährigen
Spieler auf Drogen –
zum Teil ohne Wissen
der Eltern. Das ist illegal.

«Zwischen 2002 und 2004 hatte ich viele Spieler, die ständig kifften», sagt Daniele Gadoni. Der Trainer des Basketballclubs Appenzell, der heute gemäss eigenen Angaben den saubersten Verein Innerrhodens führt, wollte dieses Verhalten nicht mehr dulden. Darum überführte er damals Spieler, die den Drogenkonsum nicht selbst zugaben, mit Schweisstests. «Beim dritten Mal flogen kiffende Spieler raus», so Gadoni.

Nicht alle Eltern wussten jedoch von den Tests an ihren minderjährigen Kindern. «Ohne Einwilligung ist das eine Datenschutzverletzung», sagte der Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür gegenüber Radio DRS. Auch Adrian von Allmen von Swissolympics findet dieses Vorgehen problematisch. «Die Eltern müssten informiert sein», sagt er.

Spieler-Mutter Maya Michel kann die Kritik nicht verstehen. «Daniele Gadoni schaut nicht weg, sondern tut aktiv etwas für Drogenprävention und Teamgeist.» Seine klare Linie werde geschätzt und er habe Erfolg. Gadoni verspricht nun, sich künftig ans Gesetz zu halten: «Wenn überhaupt, teste ich nur noch mit Einwilligung der Eltern.»

Annette Hirschberg

Anti-Doping in der Kritik

Wer darf Sportler überhaupt auf Doping oder Drogen untersuchen? Mit dieser Frage befassen sich zurzeit belgische Richter. Der bekannte Sport-Anwalt Luc Misson, der einen positiv getesteten Radfahrer vertritt, will Sportverbänden verbieten, Dopingkontrollen durchzuführen. Seiner Ansicht nach gehört die Entnahme von Blut, Schweiss oder Urin zur Privatsphäre, in die laut Menschenrechtskonvention nur der Staat eingreifen darf.

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