Aktualisiert 10.02.2011 13:57

TelefongesprächSaudi-König rüffelt Obama wegen Mubarak

Der König von Saudi-Arabien warnte US-Präsident Barack Obama vor einer Demütigung Hosni Mubaraks. Bei Streichung der US-Finanzhilfe an Ägypten will er einspringen.

von
pbl

Die US-Regierung hat in der Ägypten-Krise bislang zwischen Forderungen nach einem schnellen Wandel und einem geordneten Übergang laviert. Einen möglichen Grund für den Schlingerkurs hat die «Times» enthüllt: König Abdullah von Saudi-Arabien hat Präsident Obama am 29. Januar in einem «gereizten» Telefongespräch davor gewarnt, den ägyptischen Präsidenten zu «demütigen». Hosni Mubarak müsse den Übergang zu einer friedlichen Demokratie überwachen und danach in Würde abtreten.

«Mubarak und König Abdullah sind nicht nur Verbündete, sondern enge Freunde, und der König wird nicht zusehen, wie sein Freund gedemütigt wird», sagte eine hochrangige Quelle aus der saudischen Hauptstadt Riad der britischen Zeitung. Zwei weitere Quellen bestätigten den Anruf, der vier Tage nach Beginn des Aufstands in Ägypten erfolgte. Falls die USA ihre Militär- und Entwicklungshilfe an Ägypten von jährlich 1,5 Milliarden Dollar streichen sollten, werde Saudi-Arabien die Finanzierung übernehmen, soll der 86-jährige König gedroht haben.

Anlass für den Anruf war offenbar auch die Sorge, dass der Westen kein Konzept für die Zukunft Ägyptens hat. «Falls Ägypten ins Chaos stürzt, wäre das Königreich der letzte wichtige Verbündete Washingtons in der arabischen Welt. Die Saudis wollen, dass die Amerikaner dies bedenken», sagte eine Quelle in Riad. Das Weisse Haus wollte zum Bericht nicht Stellung nehmen. Allerdings kam es am Mittwoch erneut zu einem Telefonat zwischen Abdullah und Obama, in welchem der Präsident das Bekenntnis der USA zu Frieden und Sicherheit in der Region unterstrich.

Ägypter wollen Proteste «aussitzen»

Ebenfalls am Mittwoch verschärfte das Weisse Haus angesichts der stagnierenden Entwicklung den Ton Richtung Kairo. Es hat die ägyptische Regierung aufgefordert, konkreter auf den Wunsch der Demonstranten nach einem demokratischen Wandel einzugehen. Bislang seien noch nicht einmal Minimalforderungen der Protestbewegung nach Reformen erfüllt worden.

Einige ägyptische Politiker seien offenbar der Auffassung, sie könnten die Proteste aussitzen, indem sie einige Zugeständnisse machten, sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs. Die Demonstranten «werden sich aber vermutlich nicht zerstreuen, bis die Regierung einige echte Schritte unternimmt», erklärte Gibbs. Er stellte jedoch klar, dass die US- Regierung Ägypten zu nichts zwingen könne.

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