Aktualisiert 03.04.2019 11:48

111 Milliarden GewinnSaudi-Konzern verdient doppelt so viel wie Apple

Ein saudischer Ölkonzern öffnet erstmals seine Bücher: Saudi Aramco verdient mit 111 Milliarden Dollar mehr als Apple und Google zusammen.

von
Dominic Benz

Diese 10 Konzerne haben 2018 weltweit am meisten Gewinn gescheffelt (Video: 20 Min).

Bisher war klar: Apple ist das profitabelste Unternehmen der Welt. Jahr für Jahr scheffelt der iPhone-Hersteller mit seinen Gadgets so viele Milliarden wie kein anderes Unternehmen. Doch jetzt ist alles anders: Nicht Apple fährt die höchsten Gewinne ein, sondern ein Konzern aus Saudiarabien.

Das staatliche Erdölunternehmen Saudi Aramco hat im letzten Jahr einen Gewinn von 224 Milliarden Dollar eingefahren. Nach Abzug der Steuern sind es rund 111 Milliarden Dollar, wie die Ratingagentur Moody's mitteilte. Damit verdient der Ölriese fast doppelt so viel wie Apple mit einem Gewinn im letzten Jahr von knapp 60 Milliarden Dollar.

Verschwiegener Ölkonzern

Damit stellt Saudi Aramco alle bisher bekannten Rekordgewinne in den Schatten. Nicht einmal die bekanntesten Ölkonzerne können da mithalten: Chevron, Exxon Mobile, BP, Royal Dutch Shell und Total erzielten im vergangenen Jahr zusammen lediglich knapp 80 Milliarden Dollar Gewinn. Auch Apple und Google bringen zusammen mit insgesamt rund 91 Milliarden Dollar nicht so viel auf die Waage.

Welche Konzerne weltweit am meisten Gewinne erwirtschaften, sehen Sie im Video oben.

Bisher schwieg der saudische Ölkonzern über seine Gewinnzahlen. Doch jetzt will Saudi Aramco erstmals Anleihen an Investoren verkaufen und so rund zehn Milliarden Dollar Kredit aufnehmen. Für diese Schuldscheine braucht der Konzern aber eine Ratingnote, die Aufschluss über seine Zahlungsfähigkeit gibt. Daher musste der Konzern nun seine Bücher für die Ratingagenturen öffnen.

Börsengang aufgeschoben

Das Geld aus dem Anleihenverkauf will Saudi Aramco für eine Übernahme brauchen: Ende März hat das Unternehmen die Mehrheit am saudiarabischen Chemie- und Metallkonzerns Sabic für rund 70 Milliarden Dollar gekauft. Ursprünglich wollte man die Finanzierung stemmen, indem man Saudi Aramco an die Börse bringt.

Der Börsengang wäre einer der bisher grössten geworden: 5 Prozent der Unternehmensanteile wollte man für insgesamt 100 Milliarden Dollar unter die Anleger bringen. Das würde bedeuten, dass der Konzern einen Wert von 2 Billionen Dollar hätte. Viele Investoren hatten jedoch Zweifel, ob der Ölkonzern tatsächlich so viel wert ist. Der gigantische Börsengang wurde nun auf 2021 verschoben.

Prinz profitiert von Milliardengewinnen

Hinter den milliardenschweren Plänen des staatlichen Ölriesen steckt der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Er krempelt die heimische Wirtschaft des Königsreichs um und will sie mit seiner Reform «Vision 2030» breiter aufstellen. Dass der Prinz dabei sicher auch auf seine eigenen Vorteile bedacht ist, zeigt das Beispiel Saudi Aramco.

So lässt der Prinz mit den Milliardengewinnen des Ölkonzerns den Staat und das luxuriöse Leben der Königsfamilie finanzieren. Dafür sorgen die überrissenen Steuern, die der Konzern zahlen muss: Rund die Hälfte des Bruttogewinns fliesst in Form von Abgaben in die Staatskasse.

Nur fünftbeste Note

Das hat auch die Ratingagenturen Moody's und Fitch dazu bewogen, dem Ölkonzern lediglich die fünfbeste Note für die Kreditfähigkeit zu geben – obwohl der Konzern immense Gewinne scheffelt und kaum Schulden hat, wie die «Welt» schreibt. Grund ist der enorme Einfluss des Staates auf den Konzern: Die Königsfamilie kann nach Belieben die Steuern und andere Abgaben senken oder erhöhen.

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