Aktualisiert 05.01.2016 10:38

Naher OstenSaudiarabien kappt Beziehung zu Iran

Der Streit zwischen den beiden Regionalmächten am Golf eskaliert. Die Saudis verweisen alle iranischen Diplomaten des Landes.

von
rub

Die Lage nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und 46 weiterer des Terrorismus beschuldigter Männer in Saudiarabien spitzt sich zu. Gestern hatte eine wütende Menschenmenge die saudische Botschaft in Teheran angegriffen. Teile der diplomatischen Vertretung gingen in Flammen auf.

Heute doppelte der oberste iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei nach und drohte den Saudis, sie würden die «Rache Gottes spüren». Die einflussreichen iranischen Revolutionsgarden kündigten dem Königshaus eine «scharfe Vergeltung» an.

Riad zieht nun die Konsequenzen und kündigt seine diplomatischen Beziehungen zum regionalen Rivalen auf. Das verkündete Aussenminister Adel al-Jubeir. Alle iranischen Diplomaten müssten binnen 48 Stunden das Land verlassen. Alle diplomatischen Vertreter seines eigenen Landes im Iran seien zurückgerufen worden. Das Königreich werde es dem Iran nicht erlauben, seine Sicherheit zu untergraben, fügte der Minister hinzu.

Menge greift saudische Botschaft in Teheran a

Schwere Vorwürfe gegen den Iran

Der Angriff auf die diplomatische Vertretung sei ein «schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen», erklärte al-Jubair. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes al-Qaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. «Saudiarabien wird seinen Weg, Terrorismus zu vernichten, weitergehen», kündigte al-Jubair an. «Die Geschichte des Iran ist voll von negativen Einmischungen und Feindseligkeiten in arabischen Fragen, und diese sind stets von Zerstörung begleitet», sagte er vor Journalisten in Riad.

Die Regierung Bahrains hatte Riad ihre Unterstützung für die Hinrichtungen bekundet. Mehrere weitere arabische Staaten äusserten ihre Unterstützung, darunter Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, der Jemen und Ägypten. Sie kritisierten ebenso wie die Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) die «Aggressionen» gegen die diplomatischen Vertretungen und bekunden Unterstützung für Riads Kampf gegen Extremismus.

Der Iran und Saudiarabien spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Mittleren Osten.

Präsident verurteilt Angriff

Der Präsident des Iran, Hassan Rohani, hatte den Angriff auf die saudische Botschaft am Sonntag noch verurteilt: «Der Angriff von Extremisten auf die saudische Botschaft in Teheran ist in keiner Weise zu rechtfertigen und hatte negative Auswirkungen auf das Image des Iran.»

Das Innenministerium, der Geheimdienst und die Polizei sollten konsequent gegen die Täter vorgehen, teilte Rohani in einer Medienerklärung mit. «Solchen hässlichen Aktionen sollte ein für alle Mal ein Ende gesetzt werden», forderte der Präsident. Doch das konnte die Machthaber in Saudiarabien offenbar nicht mehr beschwichtigen.

Teheran meldet 40 Festnahmen

Al-Nimr war am Samstag in Saudiarabien zusammen mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet worden. Der 56-Jährige war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte im Arabischen Frühling im Jahr 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudiarabiens leben. Im Oktober 2014 wurde al-Nimr in Saudiarabien wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes zum Tode verurteilt.

Saudiarabien sah es als erwiesen an, dass Al-Nimr hinter Anschlägen in dem Land stand. Für den Iran war der entschiedene Kritiker der Führung in Riad ein wichtiger Verfechter der Rechte der schiitischen Minderheit.

Im schiitsch geprägten Iran fielen die Proteste gegen die Exekution des Geistlichen besonders heftig aus. In der Hauptstadt Teheran griff eine Menge am Samstagabend die saudiarabische Botschaft an und warf Brandsätze in das Gebäude. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden 40 Menschen festgenommen, die in die Botschaft eingedrungen waren. Im sunnitisch regierten Bahrain lieferten sich am Sonntag schiitische Gläubige gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei, laut Augenzeugen gab es mehrere Verletzte. (rub/sda/dapd/afp)

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