Saudiarabischer Klerus gegen saudiarabischen Prinzen

Aktualisiert

Saudiarabischer Klerus gegen saudiarabischen Prinzen

Ein ranghoher saudiarabischer Kleriker hat den Börsengang der Kingdom Holding des Milliardärs Prinz Alwalid bin Talal verurteilt.

Der Fatwa genannte religiöse Erlass von Mohammed al-Ossamimi könnte sich negativ auf das Interesse an den ab Dienstag angebotenen Aktien auswirken. Er bitte Gott, die Führung des Konzerns auf den rechten Weg zu bringen und sie von dessen «Wut und Rache» zu verschonen, erklärte der Kleriker, der sich mit der religiösen Bewertung von Wirtschaftsfragen beschäftigt.

Viele Kleinanleger kauften das Papier jetzt aus religiösen Gründen nicht, sagte der Finanzberater Mohammed al-Omran in Riad. Der mehrtägige Börsengang dürfte aber trotzdem ein Erfolg werden.

«Lasterhafter Prinz»

Prinz Alwalid ist ein Enkel des Gründers von Saudi-Arabien und liegt auf der «Forbes»-Liste der reichten Menschen auf Platz 13. Radikale Muslime nennen ihn den «lasterhaften Prinzen» wegen seiner Beteiligung an Firmen, die «unislamisch» seien.

In der Fatwa von Al-Ossamimi werden unter anderem Konzerne wie Time Warner, Motorola, Apple, News Corp und den Four Seasons Hotels genannt. In Saudi-Arabien kämpfen religiöse und liberale Kräfte um die zukünftige Ausrichtung des Königreichs.

Milliardenschwerer Börsengang

Bei dem Börsengang werden zwischen dem 10. und 18. Juli fünf Prozent der Holding zum Preis von 10.25 Rial (rund 3.30 Franken) je Papier angeboten. Damit belief sich der Börsenwert der gesamten Holding auf 17,2 Mrd. Dollar.

Das Unternehmen würde beim genannten Aktienpreis am Marktwert gemessen zur fünftgrössten Firma an der saudischen Börse und zur grössten in der arabischen Welt. Kingdom erzielte nach eigenen Angaben in den vergangenen 16 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 20 Prozent.

(sda)

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