Alkohol-Kontrolle: Saufgelage statt Skirennen?
Aktualisiert

Alkohol-KontrolleSaufgelage statt Skirennen?

Im letzten Jahr gabs in Adelboden eine überbordende Party, um nicht zu sagen: Einen Botellón. Der übermässige Alkoholkonsum soll jetzt eingeschränkt werden.

von
Reto Fehr
Die Fans sollen in Adelboden wie 2010 eine Party feiern - aber ohne überbordenden Alkoholkonsum.

Die Fans sollen in Adelboden wie 2010 eine Party feiern - aber ohne überbordenden Alkoholkonsum.

Die Skirennen in der Schweiz erleben einen Boom. Kamen 2008 noch 34 000 Fans nach Adelboden, waren es zwei Jahre später schon fast 45 000 Zuschauer. Nicht allen geht es dabei ums Skirennen. Immer mehr – vor allem junge Gäste – kommen, um sich zu betrinken. «Bei der letzten Austragung war es am Samstag im Festzelt nicht mehr lustig», erinnert sich OK-Präsident Peter Willen. Es ging so wild zu und her, dass keine Shots und Alcopops mehr ausgeschenkt wurden. Ob die Massnahme etwas nützte, weiss Willen nicht. «Aber wir mussten etwas machen und gaben Gegensteuer.» «Unterstützt» wurde der überbordende Alkoholkonsum durch die Tatsache, dass der zweite Lauf am Samstag abgesagt werden musste. Wenn ab 12 Uhr kein Rennen mehr stattfindet, startet die Party früher. Was auch die Gefahr von Ausschweifungen erhöht.

Ein Botellón in den Schweizer Bergen? Das wollen die Organisatoren nicht erleben. Darum wird das Aufgebot der Berner Broncos erhöht. Die Sicherheitsfirma, welche aus den Aktivitäten des Motorradclubs Broncos MC Switzerland entstanden ist, bewachte schon Weltstars wie AC/DC, Deep Purple, die Rolling Stones, Robbie Williams oder ZZ Top. Kurz: Mit den Broncos ist nicht zu spassen. Sie werden vermehrt Zutritts- und Alkoholkontrollen vor dem Renngelände durchführen.

Von Grünigens Sieg in Adelboden 1996

Shots gibt's erst nach dem Rennen

An den Ausgabestellen wird schärfer darauf geachtet, dass Minderjährige nicht an Alkohol kommen, und mit Testkäufen überprüfen die Verantwortlichen die Massnahmen. Selbst bei den Shuttle-Bussen ab Reichenbach werden Jugendliche bereits kontrolliert. Und die bei den jungen Gästen beliebten Shots werden erst ab dem Ende des zweiten Laufs ausgeschenkt. Das sollte keine Gäste verärgern: «Wir haben genug anderes im Angebot und über Mittag sollten die Leute lieber etwas essen und nicht Shots trinken», so Willen trocken. Es soll nicht mehr die «Chilbi», sondern das Skirennen im Mittelpunkt stehen. Will jemand ein Glas Weisswein an der Piste geniessen, sei dies weiterhin kein Problem.

Als weitere Massnahme holten die Verantwortlichen zudem «cool and clean» von Swiss Olympic ins Boot. Ziel der Organisation ist «verantwortungsbewusster Alkoholkonsum». «Wir haben unter anderem das Personal geschult», erklärt Mitarbeiterin Anna Blattmann.

Aber kann man mit diesen Massnahmen ein Saufgelage verhindern? Die Zuschauer können – wenn sie wollen – von morgens acht Uhr bis spät in die Nacht Alkohol konsumieren. «Wir können nicht verhindern, dass da der eine oder andere am Abend nicht mehr nüchtern ist, aber wir versuchen die Exzesse einzuschränken», erklärt Willen auf Anfrage.

Auch Wengen ist bereit

Mit all diesen Massnahmen soll nicht nur das Saufgelage verhindert werden, sondern auch das Image der gesamten Veranstaltung verbessert werden. Das ist nicht ganz billig: 30 000 Franken werden investiert. Und wie siehts eine Woche später in Wengen aus? Verlagert sich einfach alles dorthin? «Nein, uns ist das Problem bewusst und wir haben unsere Massnahmen angepasst», erklärt Geschäftsführer Markus Lehmann auf Anfrage. «Eingangskontrollen zu den Festzelten gibt es bei uns schon lange, Alcopops sind bei unseren Cateringpartnern nicht im Angebot.» Auch in Wengen arbeitet man erstmals mit «cool and clean» zusammen. «Wir erhoffen uns davon, präventiv zu wirken», so Lehmann. Durch die spezielle geografische Lage ziehen die Rennen in Wengen bekanntlich auch ein etwas anderes Publikum an als die in Adelboden.

Deine Meinung