CO2-Belastung: Saure Meere machen Fische zu leichten Opfern
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CO2-BelastungSaure Meere machen Fische zu leichten Opfern

In der Atmosphäre gibt es immer mehr CO2. Im Wasser wird dieses Gas zu Säure. Für die Lebewesen in den Ozeanen hat das verheerende Folgen.

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In den Riffen Papua-Neuguineas ist auch der Mandarinfisch zuhause.

In den Riffen Papua-Neuguineas ist auch der Mandarinfisch zuhause.

Wenn der Kohlendioxid-Gehalt (CO2) in der Atmosphäre steigt, geht das auch an den Weltmeeren nicht spurlos vorüber. Denn pro Tag nehmen die Ozeane rund 20 Millionen Tonnen CO2 auf. Dieses wandelt sich im Wasser zu Säure, wodurch dessen pH-Wert sinkt.

Diese Veränderung spüren zunächst die winzigsten Meeresbewohner wie Kieselalgen oder andere Kleinstlebewesen, die eine Kalkschale oder ein Kalkskelett aufbauen. Durch den steigenden Säuregehalt werden diese Gebilde dünner und damit brüchiger.

Verlangsamte Reaktionen

Doch auch für andere Meerestiere hat die Versauerung der Ozeane Folgen, wie Forscher der James-Cook-Universität in Australien im Fachjournal «Nature Climate Change» berichten. Das Team um den Meeresbiologen Philipp Munday hatte das Verhalten von Fischen untersucht, die in der Nähe von Korallenriffen lebten.

Dabei zeigte sich, dass die Tiere, die in saurem Wasser zuhause sind, weniger risikobewusst sind als ihre Artgenossen in neutralen Umgebungen. So reagieren sie sehr viel langsamer als normalerweise auf heranschwimmende Raubfische. Warum das so ist, haben die Forscher in einem weiteren Schritt untersucht.

Einfluss auf Sinneswahrnehmung

Dafür analysierten sie Fische, die in den Riffen von Papua-Neuguinea leben. Während der pH-Wert an der Meeresoberfläche normalerweise bei etwa 8,14 liegt, beträgt er im Untersuchungsgebiet nur 7,8. Das ist gemäss Schätzungen des Weltklimarats IPCC der Wert, der bei unvermindertem CO2-Ausstoss im Jahr 2100 in den meisten Ozean-Regionen erreicht werden könnte.

Bislang nahm man an, dass Fische mit einer langsamen Versauerung klarkommen würden. Doch Munday und seine Kollegen zeigen, dass dem nicht so ist. Stattdessen scheint die Veränderung des pH-Werts Einfluss auf eine Sinneswahrnehmung der Tiere zu haben: Sie nehmen Gerüche nicht mehr richtig wahr.

Nicht unbedingt das Ende

Daher erkennen sie nahende Raubfische auch erst deutlich später. Das Risiko, gefressen zu werden, ist für sie demnach fünfmal so hoch wie für Fische, die aus basischerem Wasser stammten.

Das veränderte Fluchtverhalten bedeutet jedoch nicht unbedingt ihr Ende. Denn an den sauren Riffen halten sich auch deutlich weniger Raubfische auf, als es sonst der Fall ist. Ausserdem wird der vom IPCC angenommene pH-Wert von 7,8 von den Meeresbiologen als schlimmstes Szenario gesehen.

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