Orascom sieht rot: Sawiris an mehreren Fronten unter Druck

Aktualisiert

Orascom sieht rotSawiris an mehreren Fronten unter Druck

Die Zeiten für den Sawiris-Clan sind nicht rosig. In Kairo wird gegen das Familienoberhaupt wegen Steuersünden ermittelt, in Andermatt muss Samih Sawiris wohl erneut Geld einschiessen.

von
Sven Zaugg

Der arabische Frühling markiert den Anfang der ereignisreichsten Zeit für die ägyptische Industriellenfamilie Sawiris. Bevor der ehemalige Präsident Hosni Mubarak entmachtet wurde, liefen die Geschäfte des einflussreichen Clans wie geschmiert. Onsi Sawiris gründete 1972 das Unternehmen Orascom. Ob Tourismus, Telekommunikation, Immobilien oder Medien – die Sawiris waren dick im Geschäft und sie hatten stets Zugang zur politischen Machtzentrale Ägyptens.

Dann kam der Bruch. Nach dem politischen Umsturz veränderte sich die wirtschaftliche Landschaft Ägyptens – der Einfluss der Sawiris und anderer Profiteure des Regimes schwand zusehends. Diese Woche nun überschlugen sich die Ereignisse. Die ägyptischen Behörden verhängten eine Ausreisesperre gegen Onsi Sawiris und seinen Sohn Nassif. Grund dafür ist ein seit langer Zeit schwelender Steuerstreit.

Politische und rechtliche Unsicherheit

Ägyptischen Medienberichten zufolge prüft das Finanzamt, ob die beiden beim Verkauf eines Teils ihrer Firmengruppe an den französischen Baustoffhersteller Lafarge 1,2 Milliarden US-Dollar hinterzogen haben. Die Eskalation erfolgt just in einem Moment, in dem Orascom dabei ist, seinen Geschäftssitz von Kairo nach Amsterdam zu verlegen und die Aktien dort an die Börse zu bringen.

Orascom begründet den Schritt mit dem besseren Zugang zum internationalen Finanzmarkt. So zumindest die offizielle Version. Eine wichtigere Rolle dürfte die politische und rechtliche Unsicherheit in Ägypten spielen. Aus Angst, ihre Besitztümer zu verlieren, haben seit der Revolution viele Geschäftsleute das Land am Nil verlassen.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters befinden sich Onsi und Nassif Sawiris derzeit ausser Landes.

Orascom mit Millionenverlust

Die juristische Auseinandersetzung mit den ägyptischen Behörden ist nur eine von vielen Fronten, an denen der Clan kämpft. Noch dramatischer ist der harzige Geschäftsgang von Orascom. Das Unternehmen leidet stark unter der anhaltenden Tourismusflaute. Das Ausbleiben gutbetuchter Gäste in den Luxusresorts der Sawiris und Sondereffekte in den ersten neun Monaten 2012 führten zu einem Verlust von 59 Millionen Franken.

Seit dem Ausbruch des arabischen Frühlings vor drei Jahren verlor die Orascom-Aktie satte 80 Prozent. Der Konzern geriet in einen Liquiditätsengpass.

Das hatte bereits Konsequenzen für Samih Sawiris' 1,8-Milliarden-Prestigeprojekt im verschlafenen Urserental. Im Januar 2012 war der ägyptische Unternehmer gezwungen, seine Privatschatulle zu öffnen und 125 Millionen Franken aus eigener Tasche in den Bau des Andermatters Tourismus-Resorts zu stecken. Seit damals hängt das Projekt an Sawiris' Tropf. Falls nötig, liess das Unternehmen verlauten, werde der ägyptische Milliardär und Orascom-Mehrheitsaktionär weitere private Mittel einschiessen, um auch das Investitionsprogramm 2013 zu finanzieren. Ein Versprechen, das schon bald eingelöst werden könnte.

Damit das Projekt, das von der Orascom-Tochtergesellschaft Andermatt Swiss Alps (ASA) realisiert wird, erfolgreich ist, braucht es eine kritische Grösse – ein Minimum an Bauten ist notwendig. Dazu gehören laut Sawiris neben dem Golfplatz und der Vergrösserung des Skigebiets zwei Hotels und einige Apartmenthäuser. Zudem ist Orascom verpflichtet ein Hallenbad zu bauen – das ist kostspielig und wirft angesichts der finanziellen Situation von Orascom einige Fragen auf.

Warten auf höhere Bodenpreise

Die «NZZ» schreibt in einem aktuellen Bericht, dass der Verkauf von Apartments und Villen nur schleppend verlaufe und die Beteiligung weiterer Investoren noch ausstehe. Eine gut unterrichtete Quelle sagt im Gespräch mit 20 Minuten Online, Andermatt sei ein langfristiges Projekt. Zwar sei die kritische Grösse noch nicht erreicht worden. Das mache jedoch nichts, denn der Plan sei, dass man die Villen erst später verkaufen wolle, nämlich dann, wenn die Bodenpreise angezogen hätten.

Laut dem «NZZ»-Bericht liebäugelt Sawiris nun mit der Idee, das Andermatt-Projekt aus Orascom herauszulösen. Die Zeitung glaubt, die Tatsache, dass sich der Milliardär wieder direkt dort engagiere, könne dem Schweizer Projekt neuen Schwung geben. «Das ist reine Spekulation», sagt Regula Schweizer von Andermatt Swiss Alps dazu. Sie betont, das Projekt sei nicht gefährdet und Samih Sawiris stehe voll und ganz hinter Orascom.

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