Aktualisiert 28.06.2011 13:06

Twitter-Witz

Sawiris Bruder provoziert mit bärtigem Micky

Micky Maus mit Bart und Minni Maus mit Schleier: Eine Zeichnung, die der ägyptische Telekom-Milliardär Naguib Sawiris auf Twitter veröffentlichte, finden die Islamisten gar nicht lustig.

von
pbl
Telekom-Milliardär Naguib Sawiris engagiert sich für ein säkulares Ägypten. (Bild: Facebook)

Telekom-Milliardär Naguib Sawiris engagiert sich für ein säkulares Ägypten. (Bild: Facebook)

In der Schweiz kennt man vor allem Samih Sawiris, den Andermatt-Grossinvestor. Sein älterer Bruder Naguib ist in seiner Heimat Ägypten ein «hohes Tier». Er leitet die familieneigene Orascom-Gruppe, das grösste Privatunternehmen des Landes, das neben dem Tourismus vor allem im Telekom-Bereich tätig ist. Seit dem Sturz von Hosni Mubarak am 11. Februar engagiert sich der Milliardär zudem in der Politik. Naguib Sawiris hat die Partei «Freie Ägypter» gegründet, die sich für eine Trennung von Religion und Staat einsetzt.

Im heutigen Ägypten kein einfaches Unterfangen, denn auch die Islamisten drängen in die Politik. Das gilt nicht nur für die Muslimbrüder, sondern auch für die ultrakonservativen Salafisten, die von einem Leben wie zu Zeiten des Propheten Mohammed träumen. Und genau die hat der koptische Christ Sawiris verärgert: Auf Twitter veröffentlichte er eine Zeichnung, die Micky Maus mit Bart und Minni mit Gesichtsschleier zeigt.

Boykottaufruf auf Facebook

Die humoristische Zeichnung kursiert laut Medienberichten seit einiger Zeit viral im Internet, zusammen mit dem Slogan «Das ist die Zukunft Ägyptens» – eine Anspielung auf die Furcht vieler liberaler Ägypter vor dem Einfluss und der Mobilisierungskraft der Islamisten. Die Salafisten fanden es jedenfalls nicht lustig. Eine Facebook-Gruppe ruft Muslime zu einem Orascom-Boykott auf, salafistische Anwälte haben laut der Nachrichtenagentur AP Klage wegen Geringschätzung der Religion eingereicht – in Ägypten ein Offizialdelikt.

Naguib Sawiris entschuldigte sich auf Twitter «bei allen, die das nicht als Witz empfinden». Er habe nicht respektlos sein wollen. Die Episode mag belanglos wirken, sie fällt jedoch in eine Zeit zunehmender Spannungen zwischen Christen und Muslimen, die sich auch schon in Gewalttaten entladen haben. Naguib Sawiris hatte sich bereits 2007 in einem Interview besorgt über die Islamisierung Ägyptens und die wachsende Zahl verschleierter Frauen geäussert: «Wenn ich auf die Strasse gehe, fühle ich mich wie ein Fremder.»

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