Andermatt: Sawiris muss sparen - aber wo?

Aktualisiert

AndermattSawiris muss sparen - aber wo?

Die schlechten Wirtschaftsaussichten schüren im Urserental die Angst, der ägyptische Milliardär Samih Sawiris könnte sein ambitioniertes Tourismus-Ressort stutzen oder ganz streichen. Der Urner Regierungsrat und Firmensprecher wollen die Wogen glätten.

von
Werner Grundlehner

Eine Milliarde Franken will der Ägypter in Andermatt investieren. Damit sollen sechs Hotels, 30 Villen und 700 Eigentumswohnungen sowie ein Golfplatz gebaut werden. Anfangs Februar wurden die Urner durch eine Meldung des Nachrichtendienstes Bloomberg aufgeschreckt. Sawiris plane vorerst nur zwei oder drei Hotels in den Schweizer Bergen. Orascom-Verwaltungsrat Franz Egle machte aber umgehend geltend, Sawiris sei falsch zitiert worden. Die Redimenisonierung von Projekten betreffe Vorhaben in Ägypten und Oman, weil dort die Nachfrage nach Ferienwohnungen nachlasse.

Ende Jahr beginnt der Verkauf

Am Zeitplan in Andermatt ändere nichts, so Egle. Für Bewilligung und Bau seien mehrere Jahre eingeplant. «Im Laufe des Jahres 2009 wird das Baugesuch für das Hotel auf dem Areal des ehemaligen Bellevue-Hotels eingereicht», erklärt Karin Helfenstein, Sprecherin von Andermatt Alpine Destination, dem Schweizer Orascom-Ableger. «Mit dem Verkauf von Wohnungen werden wir voraussichtlich Ende 2009 beginnen», hält die Sprecherin fest. Der Rückhalt in der Bevölkerung sei gross, meint Helfenstein. Das sehe man auch am regen Besuch im Infocenter, das von Mittwoch bis Sonntag geöffnet sei. Gemäss Helfenstein führe das 3D-Modell oft zu Aussagen wie: «Die verbauen ja die Hänge gar nicht» oder «das Bauprojekt ist nicht so gigantisch, wie oft geschrieben wird».

Uri hat über 3 Millionen ausgegeben

Vergangene Woche meldete sich auch der Urner Regierungsrat zu Wort und verbreitete Zuversicht. Die Chancen des Tourismusprojekts seien trotz Finanzkrise nicht geringer geworden, schreibt die Regierung als Antwort auf eine Interpellation. Denn die Finanzierung des Ressorts sei nicht auf Bankkredite angewiesen, sondern auf eine bereits erfolgte Aktienkapitalerhöhung der Orascom Hotel & Development über 150 Millionen Dollar. Der Kanton Uri habe in den vergangenen drei Jahren 3,1 Millionen Franken für das Projekt aufgewendet. «Die Parteien haben sich geeinigt, die bisherigen Aufwendungen selbst zu tragen», schreibt der Regierungsrat. Der Kanton habe zu einem Grossteil aber nur Vorhaben vorgezogen, die sowieso angefallen wären, wie Verkehrskonzepte und Hochwasserschutz. Karin Helfenstein wollte nicht beziffern, wie viel Geld Sawiris bisher im Urserental investiert hat. Sie verweist auf die Pressekonferenz Ende April, dann werde «über bisherige Investitionen und Stand des Projektes informiert».

Orascom-Aktienkurs zeigt nach unten

Nimmt man den Aktienkurs der von Sawiris kontrollierten Orascom als Indikator, dann ist die Zuversicht der Börse in den vergangenen Monaten markant zurückgegangen. Die in der Schweiz kotierten Titel notierten im Mai 2008 noch auf rund 175 Franken. Am Montag sackten die Aktien zu Handelsschluss um rund 4 Prozent auf 28.45 Franken ab. Neben den Aktivitäten in Andermatt sind in der Gesellschaft Orascom die Vorzeigestadt El Gouna am Roten Meer sowie weitere Projekte in Ägypten, Oman, Mauritius und Marokko zusammengefasst.

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