Luxus-Resort in Andermatt: Sawiris' warme Betten werden kalt
Aktualisiert

Luxus-Resort in AndermattSawiris' warme Betten werden kalt

Samih Sawiris versprach, in Andermatt gegen kalte Betten anzukämpfen. Doch sang- und klangslos wurden die guten Vorsätze fallen gelassen.

von
Elisabeth Rizzi
Modell des Andermatt Swiss Alps Resorts

Modell des Andermatt Swiss Alps Resorts

Der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris hat Grosses vor in Andermatt. Im Urner Alpendorf soll in den nächsten Jahren ein Resort mit einem halben Dutzend Hotels, 600 Ferienwohnungen, 100 Ferienhäusern, Shoppingmall und 18-Loch-Golfplatz aus dem Boden gestampft werden.

Für sein gigantisches Tourismus-Projekt erteilte der Bundesrat sogar eine Sonderbewilligung. Eigentlich beschränkt nämlich die so genannte Lex Koller Ausländern den Erwerb von Schweizer Liegenschaften. Doch der Bundesrat erlaubt im Fall Andermatt sowohl ausländischen Privatpersonen als auch juristischen Personen den Kauf von Immobilien ohne kompliziertes Bewilligungsverfahren. Die Begründung: Das Tourismusprojekt eröffne dem Kanton und der Region eine «wirtschaftliche Neuorientierung» und sei deshalb «von staatspolitischer Bedeutung».

Viel guter Wille im Vorfeld

In der Tat gab sich Sawiris alle Mühe, es allen Parteien recht zu machen. So strich er etwa die von den Umweltverbänden bekämpfte Villenzone mitten im Golfplatz. Und auch die Furcht vor kalten Betten wischte er mit einem klaren Bekenntnis vom Tisch. «Die Mehrheit der Besitzer einer Wohnung oder Villa wird sich vertraglich verpflichten müssen, diese während ihrer Abwesenheit zu vermieten», sagte er etwa gegenüber der Zeitschrift «Immobilien Business». Und: «Wenn nicht, werden wir ihnen für die unbewohnte Zeit ihrer Immobilie sehr hohe Wartungs- und Unterhaltskosten in Rechnung stellen.»

Sawiris: «Die Schweiz ist krisensicher»

Das werde für die Immobilienbesitzer entsprechend teuer. Denn könne jeder seine Wohnung leerstehen lassen, wann er möchte, wäre das Resort mit Sicherheit eine Geisterstadt. Andermatts Gemeindepräsident Roger Nager erinnert sich: «Die Baugesellschaft Andermatt Swiss Alps AG sprach damals davon, dass so bis zu 80 Prozent der Betten warm bleiben würden.»

Nun drei Jahre und einige Spatenstiche später präsentiert sich eine andere Situation. Mehrere Medien berichteten von einem «harzigen Verkauf». Das wird von Andermatt Swissalps zwar bestritten. Auffallend ist dennoch, dass man plötzlich nichts mehr wissen will von einem Vermietungszwang. Das zumindest zeigte sich neulich bei einem Mystery-Shopping eines potenziell interessierten Immobilienkäufers.

«Weder Zwangsvermietung noch Strafgebühren entsprechen unserer Verkaufspolitik», bestätigt denn auch Andermatt Swiss Alps-Sprecherin Sandra Hrovat auf Anfrage von 20 Minuten Online. Solange sich genügend Käufer für das Vermietungsprogramm verpflichteten, müssten nach Ansicht von Andermatt Swiss Alps auch keine weiteren Massnahmen ergriffen werden. Laut Hrovat beteiligen sich zwei Drittel der Immobilienkäufer am Vermietungsprogramm. «Zudem gibt es die ersten Einheiten, deren Käufer sich für Andermatt als Erstwohnsitz entschlossen haben», so die Sprecherin.

Forderung an Bundesrat

Ein beachtlicher Anteil des Resorts wird also zu kalten Betten verkommen. Für Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, ist das eine herbe Enttäuschung. «Bei diesem Projekt wurde Politikern und Talbewohnern zu viel Sand in die Augen gestreut. Aber die Befürchtung war von Anfang an da, dass hier Versprechungen gemacht werden, die hinterher nicht gehalten werden.»

Störend sei vor allem, dass der Bundesrat die Ausnahme der Lex Koller nicht zuletzt wegen dem Vermietungs- und Bewirtschaftungsargument der Wohnungen gemacht habe. «Ich erwarte vom Bundesrat, dass er jetzt interveniert und das Versprechen des Vermietungszwangs durchsetzt», fordert er. Das jedoch dürfte schwierig werden. «Schon verkaufte Betten wieder zu erwärmen, ist fast unmöglich», weiss Urs Wagenseil, Tourismus-Professor an der Hochschule Luzern.

«Halbvolles Glas»

Im Urnerland selbst will man trotzdem nicht davon reden, übers Ohr gehauen worden zu sein. «Wir würden es sicher begrüssen, wenn es so wenig kalte Betten wie möglich gäbe. Aber wir sind trotzdem froh, dass das Resort-Projekt realisiert wird», sagt Georg Simmen, Präsident von Tourist Info Uri.

Und Andermatts Gemeindepräsident Roger Nager findet: «60 Prozent Vermietung sind immerhin eine Steigerung gegenüber dem Schweizer Mittel von 50 Prozent. Dann ist das Glas für mich halb voll und nicht halb leer.»

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