SBB-Angestellte: Pilzesammeln statt Arbeiten
Aktualisiert

SBB-Angestellte: Pilzesammeln statt Arbeiten

Während der Fasnacht sowie während der Jagd-und Pilzsaison machen offenbar etliche Angestellte der SBB-Werkstätten von Bellinzona blau.

Gemäss der Gewerkschaft Transfair glänzt in Bellinzona im Schnitt jeder Arbeitnehmer mit 22 Tagen Abwesenheit pro Jahr. Zum Vergleich: Im Schweizer Industriesektor liegt der Schnitt laut Angaben der Gewerkschaft bei bloss sieben Tagen.

Das Phänomen des Absentismus, des «krankheitsbedingten» Fernbleibens vom Arbeitsplatz, manifestiere sich vor allem in den Monaten Februar, April, Mai, September und Oktober, bestätigte SBB- Sprecher Alessandro Malfanti auf Anfrage einen Bericht der Zeitung «LaRegioneTicino» vom Dienstag.

Man habe das Problem erkannt und bereits Ende des vergangenen Jahres eine rigorose Präsenzkontrolle eingeführt. Seitdem habe sich die Situation spürbar verbessert, sagt Malfanti.

Blaumachen seit Jahrzehnten gang und gäbe

Publik gemacht wurde die Blaumacherei von Morena Carelle von der Gewerkschaft Transfair. Als die Gewerkschafterin das Gerücht hörte, dass die SBB den Unterhaltsauftrag für rund hundert Lokomotiven von Bellinzona nach Yverdon verlegen wollten, ging sie der Frage nach, weshalb die Produktivität im Waadtland höher ist als im Tessin.

So stiess sie auf das Problem des in Bellinzona offenbar weit verbreiteten Absentismus. Pensionierte Angestellte hätten ihr berichtet, dass Blaumachen seit den 1950er Jahren gang und gäbe sei, sagte Carelle am Mittwoch auf Anfrage. «Es ist nötig, den Finger auf diesen wunden Punkt zu legen, um die Arbeitsplätze im Tessin zu erhalten.»

Malfanti betont, dass es sich um eine kleine Gruppe von Personen handle, die häufig mit Abwesenheit glänze. Die Mehrheit verhalte sich hingegen korrekt.

Nebst dem neu eingeführten Anwesenheitsmanagement soll auch die Modernisierung der Anlagen dazu führen, dass die Produktivität in den Werkstätten von Bellinzona erhöht wird.

Rund 7,8 Millionen Franken lässt sich SBB Cargo den Ausbau des Unterhalts- und Reparaturzentrums kosten. Ein neuer, 5 Millionen Franken teurer, Prüfstand für Lokomotiven soll im März 2006 betriebsbereit sein. Arbeitsplätze werden laut SBB nicht abgebaut.

(sda)

Deine Meinung