Aktualisiert 15.02.2006 16:29

SBB-Blackout: Erkenntnisse bestätigt

Ein externes Gutachten stellt dem SBB-Bericht zur Strompanne vom 22. Juni einen Persilschein aus: Die wesentlichen Defizite würden ausführlich und transparent aufgezeigt. Das veröffentlichte Gutachten entlastet auch die SBB-Führung.

Die Gutachter des deutschen Unternehmens «Fichtner Consulting und IT AG» kamen im Wesentlichen zu denselben Schlüssen wie der Bericht der SBB. Dieser sei transparent und umfassend und zeige die wesentlichen Defizite auf, schreiben sie.

Das fehlende Risk-Management im Bereich Energie sowie Defizite in der Qualifikation, der Dokumentation und der Technik seien erkannt worden. Auch der Faktor Mensch als wesentliche Rolle bei der Störung sei selbstkritisch eingestanden worden. Ein anderer Sachverhalt wurde lediglich in «wenigen Einzelfällen» ermittelt.

Zu wenig differenziert

Der SBB-Bericht habe angestrebt, interessierte Nicht-Fachleute einfach, verständlich und umfassend zu informieren. Unter dieser Prämisse seien die drei Hauptursachen sowie einzelne Ergebnisse weniger differenziert dargestelt worden als geboten, heisst es im Fichtner-Gutachten.

Als Hauptursachen sieht es eine Kombination aus hoher Grundlast im Stromnetz, falschen Anlagendaten, hohen Lastspitzen sowie unzureichendem Risikobewusstsein beim Eingriff in das System. Weiter seien die Systeme der Leittechnik veraltet und hätten die Anbahnung der Panne nicht korrekt melden können.

Die betroffenen Mitarbeiter seien nicht ausreichend qualifiziert und mit der Störung überfordert gewesen. «Die Situation wurde falsch eingeschätzt.»

Kein systematisches Risk Management

Zudem sei ein derartiges Szenario nicht in Betracht gezogen worden. «Risk Management wurde (...) in unzureichenem Umfang (...) durchgeführt. Ein systematischer Ansatz war nicht zu erkennen.»

Bei der Klärung der Verantwortlichkeiten fanden die Gutachter keinen Hinweis auf ein Organisationsverschulden der Geschäftsleitung. Festzuhalten sei zudem, dass bereits vor der Panne «eine Bestandesaufnahme und eine Priorisierung von Risiken und Massnahmen umfänglich erfolgte». Die Umsetzung der bereits beschlossenen Massnahmen sei durch die Strompanne indes zeitlich überholt worden.

Sensibilität erhöhen

Der Katalog der nach dem Blackout eingeleiteten Massnahmen sei umfassend und geeignet, die erkannten Defizite zu beseitigen und das Risikopotenzial nachhaltig zu verringern, schreiben die Gutachter. Gleichzeitig empfehlen sie dem SBB-Verwaltungsrat, die Sensibilität im Umgang mit Risiken auf allen Ebenen der Division Infrastruktur zu erhöhen.

Dies gelte insbesondere bei Eingriffen in die komplexen technischen Systeme. Darüber hinaus sollte eine Kultur der Risiko- Sensibilität durch konkrete Vorgaben und Prozesse in der Qualifikation und Führung der Mitarbeitenden gefördert werden, so die Empfehlung.

Der SBB-Verwaltungsrat nahm den Bericht an seiner jüngsten Sitzung zur Kenntnis, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Er entschied, dass keine über den Bericht hinausgehenden Massnahmen oder personelle Sanktionen ergriffen werden müssten.

Am frühen Abend des 22. Juni waren 2000 Züge stillgestanden - viele auf offener Strecke oder in Tunnels. Gegen 200 000 Reisende waren in den Zügen und Bahnhöfen blockiert. Gemäss SBB beläuft sich der Schaden auf 5 Millionen Franken, nicht eingerechnet der Imageschaden. (sda)

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