Aktualisiert 07.05.2013 12:40

Bussen-Ärger

SBB bremsen ihre Kontrolleure

Die SBB kommen ihren Kunden entgegen: Sie lockern das strenge Regime bei den Kontrollen und bieten Hilfe an den Billettautomaten. Für das Konsumentenforum ist das allerdings noch zu wenig.

von
hal
Die Kontrolleure können künftig bei nicht korrekten Tickets auch mal ein Auge zudrücken.

Die Kontrolleure können künftig bei nicht korrekten Tickets auch mal ein Auge zudrücken.

Knallharte Kontrolleure und unmögliche Automaten: Die SBB sind in den letzten zwei Jahren mit massiven Vorwürfen konfrontiert worden. Grund war die Einführung der Billettpflicht. Seither werden pro Tag 1200 statt wie vorher 850 Schwarzfahrer gebüsst. Pro Bahn ist sogar an den Bundesrat gelangt, weil die SBB die Kunden aus ihrer Sicht wie Kriminelle behandle.

Nun geben die SBB nach: Sie haben mehrere Sofortmassnahmen beschlossen. Zwei davon betreffen das Billett, das übers Handy oder am PC gelöst wird. Ist der Akku des Handys leer oder wurde das ausgedruckte Billett zuhause vergessen, können die Reisenden dieses später vorzeigen und zahlen statt einer vollen Busse nur 30 Franken. Zudem muss das Mobile-Ticket ab dem 1. Juni erst vor der effektiven Abfahrt des Zuges und nicht vor fahrplanmässigen Abfahrt gelöst werden.

Noch weiter kommen die SBB den Reisenden in der Grossregion Zürich entgegen, wo die komplizierten Auswahlmöglichkeiten am Automaten zu sehr vielen Beschwerden geführt haben. In den nächsten Monaten werden an den ZVV-Automaten nur noch die häufigsten Via-Verbindungen angezeigt. «Einzelne Regeln sind zu kompliziert, das müssen wir korrigieren», wird dazu SBB-CEO Andreas Meyer in der Medienmitteilung zitiert.

«Treue Kunden haben Kulanz verdient»

Zudem können die Kontrolleure künftig ein Auge zudrücken – wenn das Billett teilweise falsch ist. «Wir wollen Kunden nicht bestrafen, wenn sie im guten Glauben ein nicht korrektes Billett gelöst haben», so SBB-Sprecherin Franziska Frey.

Zusätzlich wird allen Automaten die Nummer einer Gratis-Helpline eingeblendet. Ein Mitarbeiter kann sich dann in den Automaten einloggen und den Kunden zum gewünschten Billett lotsen. «Ich möchte nicht, dass langjährige und treue Kunden für ein einzelnes Missgeschick in jedem Fall gebüsst werden. Gerade sie haben eine angemessene Kulanz verdient», so Andreas Meyer.

«Nicht weniger Beschwerden»

Für die Eisenbahnergewerkschaft SEV ist die Lockerung der strengsten Vorschriften ein Schritt in die richtige Richtung. «Nach langem öffentlichem Druck» würden die SBB «die offensichtlichsten Missstände bei den Billett-Verstössen» beheben, teilte sie mit.

Für Michel Rudin, Geschäftsführer des Konsumentenforums, gehen die SBB hingegen nicht weit genug: «Sie sind leider auf halbem Weg stecken geblieben.» Konkret beanstandet er, dass beim vergessenen Mobile-Ticket 30 Franken gezahlt werden müssen statt nur 5 Franken wie beim vergessenen GA. Zudem kritisiert er, dass die Anpassungen bei den Via-Verbindungen nicht in der ganzen Schweiz vorgenommen werden. «Wir befürchten, dass es so nicht zu wirklich weniger Beschwerden kommt.»

«Nur ein erster Schritt»

Aus denselben Gründen übt die Stiftung für Konsumentenschutz SKS Kritik an den SBB-Massnahmen. Sie sieht zusätzlich das Problem, dass die Passagiere ihre gute Absicht selbst beweisen müssen. «Die angekündigten Sofortmassnahmen sind nur ein erster Schritt», teilte die SKS mit. Sie fordert, dass die Regeln und die Bedienung der Ticketautomaten noch einfacher werden.

Möglich ist, dass die SBB mittelfristig noch Anpassungen vornehmen: Sie haben eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die weitere Verbesserungen prüft und auch in Kontakt mit der Kundenorganisation Pro Bahn steht.

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