SBB Cargo will hunderte Stellen abbauen

Aktualisiert

SBB Cargo will hunderte Stellen abbauen

Die SBB Cargo plant nach einem deutlichen Verlust im ersten Halbjahr 2005 einen Abbau von mehreren hundert der heute rund 4800 Stellen.

Insgesamt sollen die Kosten um acht Prozent reduziert werden. Der Stellenabbau soll ohne Entlassungen vor sich gehen.

Das erste Halbjahr 2005 sei widersprüchlich verlaufen, sagte SBB Cargo-Chef Daniel Nordmann am Dienstag vor den Medien in Basel. Mit 5,704 Mrd. Tonnenkilometer (&13,5 Prozent) transportierte die SBB Cargo so viel wie noch nie in einem Halbjahr zuvor. Dennoch sank der Verkehrsertrag um 4,3 Prozent auf 477,8 Mio. Franken.

Rückkehr in schwarze Zahlen verschoben

Erfolgreich ist die SBB Cargo im internationalen Verkehr auf der Nord-Süd-Achse. Vor allem dank den Tochtergesellschaften in Deutschland und Italien konnte die Transportleistung stark zulegen (&22,5 Prozent). Rückläufig war dagegen das Geschäftsfeld Schweiz (- 0,7 Prozent), wo die Transporte im Wagenladungsverkehr einbrachen (- 10,5 Prozent).

Konkrete Zahlen zum Halbjahresverlust nannte Nordmann nicht. Für das Gesamtjahr werde aber ebenfalls ein «erheblicher Verlust» erwartet, bestätigte er. Das noch im April für 2005 angekündigte Erreichen von schwarzen Zahlen wird nun um zwei Jahren verschoben.

Abbau im Wagenladungsverkehr

Im Wagenladungsverkehr, wo die SBB Cargo laut Nordmann «zweistellige Millionenbeträge» verliert, hätten sich die Rahmenbedingungen stark verändert. Als Grund für die Probleme nannte der SBB Cargo-Chef vor allem die gestiegene Konkurrenz mit der Einführung der 40-Tonnen-Limite auf der Strasse. Gleichzeitig baut auch der Bund seine Beiträge an den Wagenladungsverkehr ab.

Von dem Netzwerk im Wagenladungsverkehr von heute 650 Bedienungspunkten will die SBB Cargo nun deren 400 auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüfen. Um weiter betrieben zu werden, müsse ein Bedienpunkt zumindest konstendeckend sein, sagte Nordmann. Entscheide würden aber erst nach Gesprächen mit den Kunden getroffen.

Der Abbau im schweizerischen SBB Cargo-Netz wird zu einer Reduktion der Fahrzeugflotte führen. Auswirkungen wird dies auch auf den Service für das Rollmaterial haben, für den damit Auftragsvolumina wegfallen werden. Hier sei das Kostenniveau im europaweiten Vergleich zu hoch.

Strukturkosten senken

Vorgesehen ist aber auch ein Abbau bei den nicht direkt operativen tätigen Bereichen wie Personal, Finanzen, Informatik, Produktionsplanung und -steuerung oder Kundenservice. Der Anteil der Strukturkosten, die heute 20 Prozent ausmachen, solle deutlich gesenkt werden, so Nordmann.

Die Entscheide über den Abbau der Strukturkosten sollen bis Ende November getroffen werden. Auch bezüglich des Wagenladungsverkehrs sollen die Entscheide vor Ende November fallen, die Umsetzung soll bis Ende Mai 2006 erfolgen. Über die künftige Positionierung des Service Rollmaterial soll dann im Frühjahr 2006 entschieden werden.

Zum Ausmass des Stellenabbaus wollte Nordmann noch keine Zahlen nennen: «Mehrere hundert Stellen ist aber wahrscheinlich nicht falsch.» Zu Entlassungen soll es nicht kommen. Personalkommission und Sozialpartner sollen laufend informiert und einbezogen werden.

(sda)

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