Aktualisiert 19.12.2006 13:43

SBB: Die Beste aller Bahnen

Benedikt Weibel hat am heutigen Verkehrsforum den Standard der Schweizer ÖV gelobt. Allerdings müsse man weiter in den Ausbau der Netze investieren.

Der Standard des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz sei «einmalig hoch» - sowohl in Bezug auf die Dichte des Fahrplans als auch auf die Vernetzung, sagte Weibel am Dienstag in Bern gemäss Redetext bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Konzernchef der SBB und Präsident des Internationalen Eisenverbandes am Verkehrsforum des Informationsdienstes für den öffentlichen Verkehr.

Das SBB-Netz sei nicht nur das am stärksten ausgelastete und komplexeste Bahnsystem in Europa, sondern auch das wettbewerbsfähigste, wie Studien zeigten. Der Bahnbetrieb sei aber investitionsintensiv und brauche deshalb die Unterstützung der Politik, gab Weibel zu bedenken.

Wichtige politische Entscheide

Nach diversen richtungsweisenden Entscheiden - etwa zur Bahnreform 1998 oder zum Infrastrukturfonds dieses Jahr - sage er heute mit Überzeugung: «Kein Land Europas hat das Verhältnis zwischen Politik und Bahnunternehmung besser geregelt als die Schweiz.»

Als wichtigste Einzelmassnahme der letzten Jahrzehnte bezeichnete Weibel den Entscheid des Parlaments zur Subventionierung des Halbtaxabonnements vor 20 Jahren.

Gefahren der Privatisierung

Vehement sprach sich Weibel einmal mehr gegen eine Privatisierung der Bahn aus. Wie verheerend eine solche sein könnte, zeige die gescheiterte Privatisierung in Grossbritannien. Hier habe der Betreiber Railtrack aus Kostengründen jahrelang an der Infrastruktur gespart - bis es zum Zugunglück von Hatfield gekommen sei.

Richtig sei in den 90-er Jahren der Entscheid gewesen, keine Allianz mit einem grossen Partner einzugehen. Heute heisse die Strategie der SBB, die Nummer 1 auf dem Nord-Süd-Korridor zu werden. Nach wie vor orientiere sich die SBB aber vor allem am Heimmarkt.

Dies muss nach Einschätzung von Weibel auch in Zukunft so bleiben: «Bahnmärkte sind primär Binnenmärkte». Zum Schluss warnte der scheidende SBB-Chef vor «Überinvestitionen»: Investitionen müssten immer an ihren Folgekosten gemessen werden, damit sie Bestehendes nicht gefährdeten.

Bieri für Weiterentwicklung

Der Präsident von LITRA, Sänderatspräsident Peter Bieri (CVP/ZG), plädierte in Bern gemäss Redetext für eine Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastuktur. «Gute und funktionierende Infrastrukturen gehören zu den wichtigsten Standortfaktoren eines Landes», sagte er.

Die zweite Etappe der Bahn 2000 müsse «zügig» realisiert werden- und zwar unabhängig von der Kostenentwicklung bei der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT). Sorgen bereite ihm das Sparprogramm des Bundes, sagte Bieri. Dieses werde den Verkehr mit geschätzten 100 bis 150 Millionen Franken treffen. (sda)

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