Chaos beim Einsteigen vermeiden: SBB drillt Lokführer auf präzisere Stopps
Aktualisiert

Chaos beim Einsteigen vermeidenSBB drillt Lokführer auf präzisere Stopps

Die SBB nimmt einen neuen Anlauf: Lokführer sollen ihre Züge dank einem neuen Projekt punktgenau stoppen. Motiviert werden sie mit Schokolade.

von
Stefan Ehrbar
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Das neue Projekt sieht vor, dass alle 50 Meter eine Haltetafel für die Lokführer aufgestellt wird – doppelt so häufig wie heute. Damit sollen Züge genauer anhalten. Das soll das Ein- und Aussteigen beschleunigen und Engpässe auf Perrons verhindern.

Das neue Projekt sieht vor, dass alle 50 Meter eine Haltetafel für die Lokführer aufgestellt wird – doppelt so häufig wie heute. Damit sollen Züge genauer anhalten. Das soll das Ein- und Aussteigen beschleunigen und Engpässe auf Perrons verhindern.

Keystone/Christian Beutler
Bereits 2013 startete die SBB ein ähnliches Projekt mit dem Namen «Pekaba» im Laufental. Dazu gehörten auch verkürzte Sektoren, auf dem Perron aufgemalte Sektorengrenzen und verschiedene Signaltafeln für die Lokführer.

Bereits 2013 startete die SBB ein ähnliches Projekt mit dem Namen «Pekaba» im Laufental. Dazu gehörten auch verkürzte Sektoren, auf dem Perron aufgemalte Sektorengrenzen und verschiedene Signaltafeln für die Lokführer.

Keystone/Patrick Straub
Das Projekt – hier im Bahnhof Laufen – sorgte damals für heftigen Widerstand unter Lokführern. Der Verband Schweizer Lokomotivführer sah die Sicherheit in Gefahr und bezeichnete das Projekt als «unpraktikabel». Bereits 2014 stellte die SBB das Projekt wieder ein.

Das Projekt – hier im Bahnhof Laufen – sorgte damals für heftigen Widerstand unter Lokführern. Der Verband Schweizer Lokomotivführer sah die Sicherheit in Gefahr und bezeichnete das Projekt als «unpraktikabel». Bereits 2014 stellte die SBB das Projekt wieder ein.

Keystone/Patrick Straub

Dank eines neuen Projekts sollen Pendler in Zukunft ihre Zugstür der gleichen Kompositionen immer am selben Ort vorfinden. So können sie bereits vor der Einfahrt des Zuges am richtigen Ort stehen. Zu diesem Zweck testet die SBB zurzeit neue Tafeln für die Lokführer in Biel, Lenzburg und Pfäffikon SZ.

SBB-Sprecher Reto Schärli verspricht dadurch ein angenehmeres Pendelerlebnis: «Die Züge halten präziser an, und die Kunden können sich noch besser auf die Halteortangaben der Wagen in den Sektoren verlassen.» Diese sind etwa auf den Abfahrtstafeln und in der App ersichtlich.

Mehr Pünktlichkeit, weniger Engpässe

So soll einerseits das Ein- und Aussteigen beschleunigt und damit auch die Pünktlichkeit erhöht werden. Die SBB verspricht sich vom Projekt aber auch eine Verringerung der Engpässe auf den Perrons, wie Sprecher Schärli sagt. Dass die neuen Tafeln unter anderem in Lenzburg getestet werden, dürfte denn kein Zufall sein. Der Bahnhof gilt SBB-intern als besonders kritisch, was die Anzahl Pendler auf kleinem Raum betrifft.

Auch in Dutzenden weiteren Bahnhöfen treten sich die Reisenden insbesondere zu Spitzenzeiten auf die Füsse. Eine interne Messung der Aufenthaltsqualität an Bahnhöfen der SBB wies im letzten Jahr den tiefsten Wert seit sechs Jahren auf.

Schokolade für die Lokführer

Wenn die erwarteten Verbesserungen eintreten, sei eine Einführung des Projekts im ganzen SBB-Netz denkbar, heisst es bei der SBB. Bereits heute gibt es Tafeln mit Referenzpunkten, an denen die Lokführer ihre Züge zum Halten bringen sollen. Mit dem neuen Projekt würde ihre Zahl aber verdoppelt.

Das erfordert von den Lokführern, dass sie ihre Züge präzise bremsen und bei den Tafeln zum Stillstand bringen. Im Gegenzug erhielten sie Schokolade geschenkt – als «kleine Aufmerksamkeit», wie SBB-Sprecher Schärli sagt.

«Leute gewöhnen sich schnell»

Ein ähnliches Projekt starteten die SBB bereits im Jahr 2013. Damals waren auch wechselnde Halteorte und Markierungen auf den Perrons für die Pendler vorgesehen. Die Lokführer liefen Sturm gegen das Projekt, ein Jahr später wurde es bereits wieder begraben.

Dieses Mal gibt es keine Opposition: Nichts spreche gegen das Projekt, sagt Hubert Giger, Präsident des Verbands Schweizer Lokomotivführer. Die Leute würden sich schnell an neue Halteorte gewöhnen. Für das Lokpersonal sei der Testversuch kein Problem, zumal das Verfahren bereits bekannt sei.

Ähnlich tönt es bei Pro Bahn. Wenn diese Massnahme wirke, sei es eine gute Idee, sagt Präsidentin Karin Blättler. «Interessant wäre es auch, wenn im elektronischen Fahrplan und auf der Anzeige am Perron vor der Zugseinfahrt bereits die Verteilung der Leute im Zug sichtbar gemacht werden könnte», sagt sie. «So könnten sich die Passagiere bereits vor der Einfahrt auf dem Perron verteilen.»

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