Neue Hausordnung: SBB drohen Sitzplatz-Blockierern mit Rauswurf
Aktualisiert

Neue HausordnungSBB drohen Sitzplatz-Blockierern mit Rauswurf

Mit dem Fahrplanwechsel führen die SBB ein neues Regime ein: Wer künftig in vollen Zügen mit Gepäck Plätze besetzt, kann bestraft werden. Zugbegleiter fürchten neue Konflikte.

von
Adrian Müller

Die SBB verschärfen ihre Gangart gegen renitente Sitzplatz-Blockierer: Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 tritt auf allen SBB-Strecken eine neue Hausordnung in Kraft (siehe Bild unten). Darin ist unter anderem explizit festgehalten, dass «pro Person nur ein Sitzplatz zu belegen ist.» Diese Regel beinhaltet, dass Passagiere in sehr vollen Zügen keine Taschen oder Mäntel mehr auf freie Sitze legen dürfen.

Wer sich trotz einer Ermahnung den Anweisungen des Kontrolleurs widersetzt, wird zur Kasse gebeten. SBB-Sprecher Reto Kormann bestätigt entsprechende Recherchen von 20 Minuten Online: «In einem ersten Schritt verrechnen wir ein zusätzliches Billet für die Tasche. Wer sich dann immer noch uneinsichtig zeigt, wird aus dem Zug gewiesen.»

Zugsdurchsage gegen Gepäckchaos

Für die Mehrzahl der Passagiere ändere sich aber nichts, diese würden bereits heute den gesunden Menschenverstand walten lassen und die Taschen bei knappen Platzverhältnissen von den Sitzen nehmen. «Wir weisen die Fahrgäste aber ab Fahrplanwechsel zusätzlich mit einer automatischen Zugsdurchsage auf die Regelung hin», erklärt Kormann.

Notorischen Sitzplatz-Blockierer, die sich schlafend stellen und mit Wintermantel und Tasche gleich ein ganzes Abteil blockieren, sollen künftig weniger Ruhe haben. Kurt Schreiber, Präsident der Passagiervereinigung ProBahn, begrüsst das Vorgehen der SBB: «Unverbesserliche sollen einen Zuschlag zahlen müssen.» Es gelte aber, Augenmass zu wahren. Probleme sieht Schreiber einzig bei der Umsetzung: «Die neue Hausordnung darf kein Papiertiger bleiben», betont Schreiber.

Zugbegleiter befürchten Konflikte

Die neuen Regeln bereiten einigen SBB-Angestellten allerdings Bauchweh, wie Jürg Hurni von der Verkehrsgewerkschaft SEV erklärt. «Wir sehen einerseits weitere Konflikte auf das Zugspersonal zukommen. Denn es braucht in Stosszeiten viel Nerven, um solche Zuschläge durchzusetzen.» Anderseits verfüge man mit der Hausordnung nun – wie schon lange gefordert - über eine klare Grundlage, auf die man Unbelehrbare verweisen könne.

Die neue SBB-Hausordnung, welche bereits in einigen Zügen hängt, im Detail

Klicken Sie hier für eine Grossansicht (Bild: A. Müller)!

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