SBB droht mit Streichung der Spät- und Frühzüge
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SBB droht mit Streichung der Spät- und Frühzüge

SBB-Chef Benedikt Weibel droht wegen des Sparpakets des Bundes mit der Streichung der Spät- und Frühzüge: «Ab Mitternacht, vielleicht schon ab 23.00 Uhr, würde kein Zug mehr verkehren».

Auch Bus- und Bahnlinien in schwach besiedelten Gebieten seien gefährdet, sagte er in einem Interview des «Blicks» vom Freitag. Bahnfusionen würden langfristig ein Sparpotenzial von 100 Millionen pro Jahr bringen.

Das Sparpaket gefährde zwar nicht das Gesamtnetz, sagte Weibel. Die Kürzungen schmerzten aber und bedeuten Abbau. «Und wir können die laufende Leistungsvereinbarung mit dem Bund nicht mehr erfüllen», sagte Weibel. Sie müsse neu ausgehandelt werden. Das Parlament könne die SBB nicht verpflichten, Engpässe im Netz auszubauen und gleichzeitig das Geld kürzen.

Laut Weibel trifft das Sparpaket nicht nur den Regionalverkehr. Der Bund verlange, dass ab nächstem Jahr 25 Millionen Franken mehr abgeliefert würden wegen der Bahn-2000-Neubaustrecke. Diese Überlegung sei aber völlig verfehlt. Denn am Anfang seien die Kosten viel höher, weil zwölf Prozent mehr Züge fahren. Die Einnahmen dagegen würden nur langsam steigen. Auf die Frage, woher er denn das Geld nehme, sagte Weibel: «Wir wären gezwungen, dort zu sparen, wo es uns die Konzession erlaubt.» Weibel nannte konkret die Streichung der Spätverbindungen auf dem ganzen Netz. «Ab Mitternacht, vielleicht schon ab 23.00 Uhr, würde kein Zug mehr verkehren. Die ersten Frühverbindungen fielen ebenfalls weg.» Das brächte laut Weibel 15 bis 20 Millionen Franken pro Jahr. Derzeit seien die SBB daran, ein solches Konzept auszuarbeiten. Denkbar sei zum Beispiel auch, dass die SBB am Wochenende auf Regionallinien vom Halbstunden- auf Stundentakt umstellen.

Gefährdet seien aber auch Bus- und Bahnlinien in schwach besiedelten Gebieten. Eine Umstellung von Bahn auf Bus müsse tabulos angeschaut werden. Die Erfahrung zeige jedoch, dass sich damit nicht viel sparen lasse. Ein gutes Busnetz habe auch seinen Preis.

Grosses Sparpotenzial ortet Weibel bei den Bahnfusionen. Es gebe hunderte von kleinen Bahn- und Busunternehmen. Es sei doch unsinnig, dass jede Bahn eine eigene Verwaltung betreibe oder separat einkaufe. Das Problem sei aber, dass solche Prozesse Jahre dauerten. Mit Bahnfusionen könnten nach Einschätzung von Weibel langfristig 100 Millionen Franken pro Jahr eingespart werden. Ein absolutes tabu sei das Sparen in den Bereichen Unterhalt, Sicherheit und Reinigung. (dapd)

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