Muttenzerkurve: SBB gibt wegen Boykottaufruf nach
Aktualisiert

MuttenzerkurveSBB gibt wegen Boykottaufruf nach

Hardcore-Fans des FCB drohten damit, mit einem fahrplanmässigen Zug zum Auswärtsspiel in Luzern zu fahren, weil der Fan-Zug zu spät verkehrte. Jetzt lenkt die SBB ein.

von
mme
Die Muttenzerkurve wollte einen Extrazug, der extra früh in Luzern ankommt. Die SBB lehnten zunächst ab - und lenken nun nach einer Drohung der Basler Fans doch ein.

Die Muttenzerkurve wollte einen Extrazug, der extra früh in Luzern ankommt. Die SBB lehnten zunächst ab - und lenken nun nach einer Drohung der Basler Fans doch ein.

Keystone

Am Freitag um 19.45 Uhr spielt der FC Basel beim FC Luzern – und wenn die Basler punkten, sind sie vorzeitig Meister. Die Basler Fans wollen deshalb mit einem Grossaufmarsch nach Luzern kommen.

Ursprünglich bot die SBB ihnen dazu einen Extrazug an, der um 18.34 Uhr in Luzern ankommen sollte. Das war den FCB-Fans zu spät: Sie verlangten, dass der Extrazug mindestens 90 Minuten vor Spielbeginn in Luzern eintreffen solle, damit man beim Fanmarsch ins Stadion nicht hetzen müsse. Die SBB lehnten dies zunächst ab. Die Hardcore-Gruppierung Muttenzerkurve rief darauf zum Boykott des Extrazuges auf: Die mehreren hundert Fans sollten zusammen mit den «normalen» Passagieren einen Regelzug nehmen, der mitten im Pendlerverkehr schon um 18.05 Uhr in Luzern eintrifft.

SBB macht Sicherheitsgründe geltend

Nun lenkt die SBB ein. «Die SBB hat aus Sicherheitsgründen und wegen des Boykott-Aufrufs des Extrazuges durch einen Teil der Basler Fans entschieden, die Ankunftszeit des Extrazuges in Luzern auf 18.10 Uhr vorzuverlegen», teilte die Bahn mit. Denn der Regelzug sei bereits stark ausgelastet. Der Extrazug fährt in Basel um 17.10 Uhr ab.

Dies ist laut SBB auch für die Luzerner Polizei in Ordnung. Diese hatte die Auflage gemacht, dass der Extrazug nicht vor 18 Uhr in Luzern ankommt.

Kurve zieht Boykott zurück

Weiter schreibt die SBB: «Wir zählen auf die Vernunft dieser Basler Fussballfans, ihren öffentlich proklamierten Boykott-Aufruf zurückzuziehen.»

Das tut die Kurve tatsächlich. In bestem Baseldeutsch schreiben sie auf ihrer Website: «Die verantwortlige Stelle hän sich doch no könne druff einige, e Extrazug mit ere friehnere Aakunftszit als ursprünglig plant zur Verfüegig z stelle. Mir wärde drum nid dr zerscht aakündigti Regelzug, sondern dr neu aagsetzti Extrazug näh.»

SBB fürchtet keinen Präzedenzfall

SBB-Sprecher Christian Ginsig sagte auf Anfrage, die Vorverlegung des Extrazuges nach dem Boykottaufruf bleibe «eine klare Ausnahmesituation». Diese sei den Umständen geschuldet: «Grund ist die Konstellation der speziellen Anspielzeit am Freitagabend und der Wichtigkeit des Spiels, da Basel Meister werden kann. Es ist weniger ein Einlenken, sondern vielmehr haben Sicherheitsbedenken Ausschlag für unseren Entscheid gegeben.» Das Spiel wird ist am Freitag terminiert, weil am Samstag in Luzern der Stadtlauf mit zehntausenden Teilnehmern stattfindet. Zudem ist derzeit auch die Luga auf der Allmend.

Pendler müssen mit Verspätungen rechnen

Eine Ausnahmesituation soll es vor allem auch darum bleiben, weil es für die SBB-Passagiere wegen der vorverlegten Abfahrt des Extrazuges zu Konsequenzen kommt: Die angepasste Fahrzeit des Fan-Zuges lässt sich laut SBB nicht ohne Einschränkungen für den übrigen Fahrplan realisieren. Mehrere Fernverkehrszüge und S-Bahnen werden Verspätungen erleiden. Auf Unterwegsbahnhöfen wird es zudem für Kunden regulärer Züge zu Gleiswechseln kommen.

Die SBB wendet sich nun direkt an ihre Kunden: «Die SBB ist sich bewusst, dass die neuen Fahrzeiten des Extrazuges in der Hauptverkehrszeit direkten Einfluss auf die Pünktlichkeit anderer Züge haben werden und bedauert dies. Die SBB dankt allen Kundinnen und Kunden für ihr Verständnis.»

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