Schwarze Woche: SBB: Kein Tag ohne Panne
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Schwarze WocheSBB: Kein Tag ohne Panne

Letzten Dienstag brach die Stromversorgung der SBB im Tessin zusammen, gestern musste die Neubaustrecke zwischen Bern und Olten wegen eines Fehlalarms gesperrt werden und auch in den Tagen dazwischen folgte eine Panne auf die andere: Die SBB haben eine schwarze Woche hinter sich. Das sei kein Zufall, sagen Bahn-Experten.

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mlu

Nichts ging mehr: Ganze 86 Züge standen am Dienstag im Tessin still, als ein Stromausfall während einer Stunde den Zugbetrieb im Tessin lahmlegte. Und das ist nicht die einzige Panne, mit der sich die SBB in der letzten Woche beschäftigen mussten (siehe Infobox). Die Häufung sei aber rein zufällig, so SBB-Sprecher Roman Marti gegenüber der «Aargauer Zeitung»: «Die Störungen der letzten Woche haben verschiedene Ursachen.»

Ganz anders sieht dies Eisenbahn-Experte und Chefredaktor der Zeitschrift «Eisenbahn-Revue», Walter von Andrian: «Störungen können immer passieren. Doch wegen der Sparwut der SBB fehlt es heute an Personal zur Behebung der Störungen und an Rollmaterial für Ersatzzüge, und die Information der Kunden klappt nur schlecht.» Von einem Zufall mag er denn auch nicht sprechen.

«Alles Spekulation», wehrt sich SBB-Sprecher Marti: «In diesem Jahr werden 140 neue Lokführerinnen und Lokführer ihre Ausbildung abschliessen.» Und vorübergehend würden auch Cargo-Lokführer bei Personenzügen eingesetzt.

«Weniger Personal und kleinere Zeitfenster»

Doch Eisenbahn-Experte von Andrian erhält Unterstützung von den Gewerkschaften: «Für Wartungsarbeiten an Fahrleitungen und Gleisanlagen gibt es heute weniger Personal und kleinere Zeitfenster», so Peter Moor, Sprecher der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), in der «Aargauer Zeitung». Der Präventivunterhalt sei bei den SBB zu stark heruntergefahren worden – und das wirke sich auf die Pannen aus.

Die SBB widersprechen: «Grundsätzlich nimmt die Zahl der Fahrleitungsstörungen seit 1999 ab, doch weil das SBB-Schienennetz das am meisten befahrene der Welt ist, können Störungen umso grössere Auswirkungen haben», so Sprecher Marti. Allein im letzten Jahr hätten die SBB über 2 Milliarden Franken in den Unterhalt der Infrastruktur gesteckt.

Auch intern ein Thema

Dennoch scheint der Zustand der Fahrleitungen auch SBB-intern ein Thema zu sein: Im Februar startete der Chef des Infrastrukturbereiches, Phillipe Gauderon, ein Programm, das die Zahl der Fahrleitungsstörungen reduzieren soll. Wie die «NZZ» berichtet, sind an dem Programm rund 30 Personen beteiligt.

Für Gewerkschaftssprecher Moor ist die Lösung des Problems simpel: «Vor einigen Jahren hatten die Bundesbahnen das gleiche Problem beim Rollmaterial. Weil zu viel Personal abgebaut wurde, nahmen die Störungen zu. Seit die SBB dies korrigierten, gibt es weniger Fahrzeugstörungen. Jetzt braucht es auch für die Wartungen am Netz wieder mehr Personal.»

Die Pannenserie der SBB

Dienstag, 11. August: Nach einem Stromausfall kann im Tessin während einer Stunde kein Zug der SBB verkehren. Mehrere hundert Personen müssen evakuiert werden. mehr …

Mittwoch, 12. August: Die Bahnstrecke zwischen Münsingen und Thun auf der Linie Bern - Thun ist während rund anderthalb Stunden unbefahrbar: Ein Zug blockiert die Strecke. Zwischen Thun und Münsigen verkehren Ersatzbusse.

Donnerstag, 13. August: Wegen einer Störung beim mobilen Funksystem verlieren die Züge auf der Lötschbergstrecke eine Stunde auf den Fahrplan.

Freitag, 14. August: Im neuenburgischen Val de Travers entgleist zwischen Travers und Buttes ein Zug. Die Strecke musste den ganzen Nachmittag gesperrt werden. mehr …

Samstag, 15. August: Ein Interregio-Zug prallt im Zürcher Hauptbahnhof in einen Prellbock. Durch den Ruck stürzen einzelne Reisende im Zug und ziehen sich leichte Verletzungen zu. mehr …

Sonntag, 16. August: Die Züge der Zürcher S-Bahn fahren während knapp vier Stunden nur eingeschränkt. Grund für die Probleme: In Zürich Hardbrücke riss ein Spannseil der Fahrleitung, blieb in dieser hängen und verursachte einen Kurzschluss. mehr …

Montag, 17. August: Wegen Hochwassergefahr ist die SBB-Neubaustrecke zwischen Bern und Olten am Montagmorgen während rund einer Stunde nur beschränkt befahrbar. Grund für die Störung ist ein Fehlalarm in Murgenthal. mehr …

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