Zürich HB: «SBB-Kontrolleure haben mich wie einen Schwerverbrecher behandelt»
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Zürich HB«SBB-Kontrolleure haben mich wie einen Schwerverbrecher behandelt»

Jan Weber (24) kam im Zug in eine Billettkontrolle. Obwohl er über ein gültiges Ticket verfügte, wurden vier Securitys und zwei Polizisten hinzugezogen. Die SBB verteidigt sich. 

von
Daniel Krähenbühl
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Jan Weber (24) beklagt sich nach der Billettkontrolle über «Racial Profiling». 

Jan Weber (24) beklagt sich nach der Billettkontrolle über «Racial Profiling». 

Privat
Im Zug zum HB sei er von SBB-Kontrolleuren trotz gültigem Billett «wie ein Schwerverbrecher» behandelt worden, sagt Weber. 

Im Zug zum HB sei er von SBB-Kontrolleuren trotz gültigem Billett «wie ein Schwerverbrecher» behandelt worden, sagt Weber. 

20min/Michael Scherrer
In einer solchen Situation sei es wichtig, den Vorfall möglichst detailliert zu dokumentieren, sagt Alma Wiecken, Geschäftsführerin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR).

In einer solchen Situation sei es wichtig, den Vorfall möglichst detailliert zu dokumentieren, sagt Alma Wiecken, Geschäftsführerin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR).

20min

Darum gehts 

Jan Weber (24) sitzt im Zug von Oerlikon zum Zürich HB, als mehrere SBB-Kontrolleure den Wagen betreten. Als der Schweizer einer SBB-Mitarbeitenden seinen Swisspass auf dem iPhone zeigte, habe sie diesen kritisch beäugt. «Sie hat wohl nicht geglaubt, dass ein dunkelhäutige Person einen Schweizer Namen haben kann und daher nach einem amtlichen Ausweis gefragt», sagt Weber. Da er keinen auf sich trug, habe die Kontrolleurin die Sicherheitsmitarbeitenden eingeschaltet. «Diese hinderten mich daraufhin, beim Hauptbahnhof auszusteigen, obwohl ich auf dem Weg zur Arbeit war.»

Am Bahnhof Stadelhofen sei die Gruppe dann aufs Perron und man habe seine Personalien und Adresse aufgenommen, sagt Weber. Eine Mitarbeitende des Sicherheitspersonals habe anschliessend sein Handy an sich genommen und habe es mit den folgenden Worten nicht zurückgeben wollen: «Läuft das Handy auf Ihren Namen? Man weiss es ja nie», so Weber. «Sie haben mich wie einen Schwerverbrecher behandelt, in der Öffentlichkeit blossgestellt und sogar noch die Polizei gerufen.»

Er habe sich gedemütigt gefühlt, sagt Weber. «Ich habe das schon einmal erlebt, aber so schlimm war es schon lange nicht mehr.» Das Ganze habe ihm ein ungutes Gefühl gegeben und ihn verletzt. «Muss ich jetzt immer Angst vor einer solchen Szene haben, wenn ich im ÖV unterwegs bin?»

EKR empfiehlt, Vorfall genau zu dokumentieren

In einer solchen Situation sei es wichtig, den Vorfall möglichst detailliert zu dokumentieren, sagt Alma Wiecken, Geschäftsführerin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR): «Datum, Ort und Name der involvierten Personen sollten erfasst werden, der Vorfall genau beschrieben und allfällige Zeuginnen und Zeugen angesprochen werden.» Betroffene könnten sich jederzeit an eine Beratungsstelle des Beratungsnetzes für Rassismusopfer wenden, wo sie individuelle Beratung und Unterstützung erhielten.

Das EKR und die Beratungsstellen erhielten regelmässig Meldungen von Personen, die aufgrund ihres Äusseren vermehrt und intensiver von der Polizei kontrolliert würden, sagt Wiecken. «Auch Fälle, in denen das Verhalten von SBB-Personal im Rahmen von Fahrscheinkontrollen als diskriminierend empfunden wurde, sind bereits gemeldet worden.» Zum Einzelfall könne sie aber keine Stellung nehmen: «Hierzu können wir uns nicht äussern, da wir nicht alle Informationen haben.»

SBB: «Unser Personal behandelt alle gleich»

Wie es bei der SBB heisst, müssen mit dem Swisspass Mobile reisende Kundinnen oder Kunden, dem Kontrollpersonal auf Verlangen einen amtlichen Ausweis vorweisen. «In den Vorschriften steht unmissverständlich: ‹Für die Kontrolle von Swisspass Mobile besteht Ausweispflicht›, sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Dass Herr Weber in eine Billettkontrolle gekommen sei, könne er bestätigen, seine Schilderungen jedoch nicht. «Unser Zug- und Kontrollpersonal begegnet allen Kundinnen und Kunden mit Respekt und behandelt alle gleich», so Pallecchi. 

Die Billettkontrolle habe gemäss den Vorschriften gehandelt, da sich der Kunde nicht – wie vorgeschrieben wäre – ausweisen konnte. «Wir empfehlen allen Kundinnen und Kunden, bei der Nutzung von Swisspass Mobile, wie vorgeschrieben, ausnahmslos einen amtlichen Ausweis auf sich zu tragen.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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