11.09.2020 10:05

Rückerstattung im TestSBB-Kunden erhalten ab 5 Minuten Verspätung Geld zurück

Kommt der Zug nicht pünktlich an, erhalten die Kunden einen Teil ihres Ticketpreises zurück. Diese Rückerstattung testet die SBB demnächst. Ab Januar 2021 gibt es dann für alle Reisenden eine Entschädigung bei Unpünktlichkeit.

von
Dominic Benz
1 / 9
Die SBB testet die Rückerstattung des Billetpreises bei Unpünktlichkeit.

Die SBB testet die Rückerstattung des Billetpreises bei Unpünktlichkeit.

KEYSTONE
Am Test nehmen 200 von der SBB per Mail ausgewählte Personen teil.

Am Test nehmen 200 von der SBB per Mail ausgewählte Personen teil.

KEYSTONE
Zwischen Ende September und Ende Oktober erhalten die Personen einen Viertel des Ticketpreises zurück, wenn der Zug mehr als fünf Minuten Verspätung hat.

Zwischen Ende September und Ende Oktober erhalten die Personen einen Viertel des Ticketpreises zurück, wenn der Zug mehr als fünf Minuten Verspätung hat.

KEYSTONE

Darum gehts

  • 200 Testpersonen erhalten einen Teil ihres Ticketpreises zurück, wenn der Zug Verspätung hat.
  • Auch GA-Abonennten werden bei Unpünktlichkeit entschädigt.
  • Ab 1. Januar 2021 erhalten alle ÖV-Passagiere Geld zurück bei Verspätung.

Hat der Zug Verspätung, gibts Geld zurück: Die SBB testet demnächst die Rückerstattung des Billettpreises bei Unpünktlichkeit. Am Test nehmen 200 von der SBB per Mail ausgewählte Personen teil, wie SRF schreibt. Ab Januar 2021 wird dann allen Zugreisenden bei Verspätung eine Entschädigung erstattet.

Zwischen Ende September und Ende Oktober erhalten die Personen ein Viertel des Ticketpreises zurück, wenn der Zug mehr als fünf Minuten Verspätung hat. Ab einer Verspätung von zehn Minuten erstattet die SBB gar die Hälfte des Tickets zurück.

Lukrativ für Vielfahrer

Verantwortlich für den Test ist Alliance Swisspass. Das Testangebot sei vor allem für Vielfahrer lukrativ, sagt Thomas Ammann, Sprecher der Branchenvereinigung, zu SRF. «Es geht auch darum, möglichst viele Fälle zu erhalten, um das System optimal zu testen. Und von den Kundinnen und Kunden auch Rückmeldungen zu erhalten, wie der Prozess funktioniert und ob er so für sie auch optimal gesetzt ist.»

Auch GA-Kunden erhalten von der SBB Geld zurück. Bei Verspätungen erhalten sie künftig mindestens 5 Franken oder maximal den Tageswert ihres Abos. Das wären bei einem GA der 2. Klasse rund 10 Franken.

Missbrauchsrisiko

Allerdings gibt es laut Ammann ein Missbrauchsrisiko: GA-Kunden können kein spezifisches Ticket vorweisen, um zu beweisen, dass sie auf einem Zug mit Verspätung waren. «Das ist nun gerade auch während des Pilotversuchs ein Ziel, hier noch möglichst Potenzial zur Verbesserung zu eruieren.»

Nach der Testphase gibt es ab Anfang nächsten Jahres Geld für alle. Allerdings nicht schon nach einer Verspätung von fünf Minuten, sondern nach insgesamt einer Stunde. «Wer am Ende der Reise – über die gesamte Reisekette – mindestens eine Stunde Verspätung hat, erhält 25 Prozent des Billettpreises zurück. Ab zwei Stunden Verspätung beträgt die Entschädigung 50 Prozent», sagt Ammann auf Anfrage zu 20 Minuten. Anrecht auf eine Entschädigung hätten dann alle ÖV-Reisenden.

Hohe Kosten für SBB

Alliance Swisspass rechnet damit, dass die neue Entschädungsregelung die Branche im kommenden Jahr einen einstelligen Millionenbetrag kosten wird.

Hintergrund der Entschädigung ist die Verabschiedung der Verordnung zur Organisation der Bahninfrastruktur (OBI). Damit wurden auch die Passagierrechte im öffentlichen Verkehr gestärkt. Die Branche setzt nun diese Verordnung per 1. Januar 2021 um.

Loch in der Kasse

SBB in der Krise

Corona hat ein Loch in die Kasse der SBB gerissen: Im ersten Halbjahr verzeichnet der Konzern einen Verlust von 479 Millionen Franken. Denn statt 1,29 Millionen Passagiere fuhren pro Tag nur noch 810’000 Passagiere mit dem Zug von A nach B. Nun will der Bund dem Konzern mit einer Finanzspritze von 900 Millionen Franken unter die Arme greifen. Diese Woche beschloss der Ständerat als Zweitrat ein entsprechendes Hilfspaket. Trotz tiefroter Zahlen sollen die Billettpreise – zumindest nächstes Jahr – nicht steigen, wie die SBB beteuert.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
201 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

g. bernasconi

12.09.2020, 21:32

Auf der Gotthardstrecke einfach die Preise 50% verbilligen, ist einfacher. Kein Zug faehrt da nach....Fahrplan, und es wird auch in Zukunft nicht besser!

Brigä

12.09.2020, 20:52

5 Formulare online ausfüllen oder 30 Minuten beim Schalter warten um CHF 10.00 zu erhalten 😂

Gerne Zugfahrender

12.09.2020, 19:43

Habe zu dem Entscheid eher gemischte Gefühle, denn der SBB fehlen z.Zt. einige Millionen. Dass Pendler bei entsprechenden Verspätungen eine Vergütung des Fahrpreises geltend machen können finde ich zwar o.k., trotzdem sehe ich da einen Widerspruch in der Sache.