Um das Prüfverfahren abzukürzen - SBB-Mechaniker manipulierte Bremskontrollen
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Um das Prüfverfahren abzukürzenSBB-Mechaniker manipulierte Bremskontrollen

Ein Gerichtsverfahren wirft Licht auf einen Fall aus dem vergangenen Jahr. Die SBB werfen dem Ex-Mitarbeiter vor, absichtlich gehandelt zu haben. Dieser beruft sich auf «Schlampigkeit».

von
Patrick McEvily
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Ein ehemaliger SBB-Mechaniker soll mehrere Dutzend Bremskompositionen manipuliert haben.

Ein ehemaliger SBB-Mechaniker soll mehrere Dutzend Bremskompositionen manipuliert haben.

20min/Sonja Mulitze
Der heute 26-Jährige soll bei den Kontrollen, bevor die Bremsen in den Zügen verbaut wurden, systematisch die falschen Angaben gemacht haben.

Der heute 26-Jährige soll bei den Kontrollen, bevor die Bremsen in den Zügen verbaut wurden, systematisch die falschen Angaben gemacht haben.

Tamedia AG
Die SBB versichern, dass keine Gefahr für die Reisenden bestanden habe. Das ganze Ausmass der Manipulation bleibt aber unklar.

Die SBB versichern, dass keine Gefahr für die Reisenden bestanden habe. Das ganze Ausmass der Manipulation bleibt aber unklar.

VVL

Darum gehts

  • Ein SBB-Mechaniker soll Bremskontrollen von Zügen manipuliert haben.

  • Gemäss Dokumenten aus einem Gerichtsverfahren hat er systematisch falsche Messangaben für die Bremsen angegeben.

  • Die SBB versichern, dass keine Gefahr für die Öffentlichkeit bestanden habe. Das ganze Ausmass der Manipulation bleibt aber unklar.

Die Tamedia-Zeitungen berichten von einem aufsehenerregenden Fall. Ein SBB-Mitarbeiter soll Bremskontrollen manipuliert haben. In seiner Rolle als Mechaniker in einer der Werkstätten der Bundesbahnen war er damit beauftragt Bremsen zu kontrollieren, bevor sie in Züge eingebaut wurden. Dabei hat der Mann über einen unbekannten Zeitraum falsche Messwerte in seine Berichte geschrieben.

Offenbar ging es ihm dabei darum, den Arbeitsaufwand zu minimieren. Mehrere Kollegen des betroffenen Mannes hatten die Ungereimtheiten gemeldet. Überführt wurde er schliesslich, als er dabei erwischt wurde, wie er trotz fehlendem Messgerät Resultate ins System eingab.

Mögliche Konsequenzen von Bremsmanipulation bleiben unklar

Aufgeflogen sind die Manipulationen im Frühjahr 2020. Die SBB haben den Mann daraufhin fristlos entlassen, worauf dieser ein Gerichtsverfahren anstrebte. Publik wurde der Fall nun wegen eines aktuell veröffentlichten Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts. Wie es weiter heisst, hätte die Manipulation gravierende Folgen haben können. Beim betroffenen Mitarbeiter handelt es sich um einen 26-Jährigen, der seit 2012 für die Bundesbahnen tätig war.

Gemäss Gerichtsunterlagen ging es um mehrere hundert Bremszangen. Der Mann und seine Rechtsvertretung geben vor Gericht zu, dass es zu Fehlern gekommen ist, bestreiten jedoch jegliche Absicht dahinter. Stattdessen kritisieren sie die SBB. Seine Vorgesetzten hätten ihn nie richtig instruiert, ausserdem habe das Vier-Augen-Prinzip im Betrieb nicht funktioniert. Die fristlose Entlassung sei deshalb nicht rechtens gewesen und ihm stünde ein ganzer Jahreslohn zugute, argumentierte der Ex-Angestellte. Das Gericht gab seinem ehemaligen Arbeitgeber jedoch recht.

Nur vereinzelte Bremsen betroffen

Bislang haben die SBB den Fall nicht öffentlich kommentiert. Stattdessen beschwichtigen die Bundesbahnen. Die betroffenen Bremszangen seien «unmittelbar» identifiziert und kontrolliert worden. Gemäss den Gerichtsunterlagen dauerte dieser Prozess über vier Monate an.

Die Sicherheit des Personals und der Reisenden auf den betroffenen Zügen sei nie gefährdet gewesen. So seien jeweils nur vereinzelte Bremsen betroffen gewesen, in einer Komposition mit mehreren Dutzend Achsen. Ausserdem würde die Bremswirkung mehrmals täglich von den jeweiligen Lokomotivführern geprüft. Es bleibt jedoch eine gewisse Unsicherheit.

Das Bundesverwaltungsgericht, das sich mit dem Fall befasste, kam zum Schluss, dass die Lokführer die möglichen Defekte nur eingeschränkt hätten feststellen können. In einer Eingabe vor Gericht hatte die SBB selbst noch geschrieben, dass der ehemalige Mitarbeiter die Sicherheit der Kundschaft aufs Gröbste gefährdet habe.

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