2500 Franken pro Lokführer: SBB-Mitarbeiter werden zu Headhuntern
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2500 Franken pro LokführerSBB-Mitarbeiter werden zu Headhuntern

Die SBB haben ein Problem. Ihre Züge werden immer voller, aber die Lokführer immer weniger. Darum greift sie jetzt zu neuen Methoden. Wer neue Mitarbeiter bringt, kriegt Geld.

von
aeg
Lokführer bei der SBB haben mit immer mehr Problemen zu kämpfen.

Lokführer bei der SBB haben mit immer mehr Problemen zu kämpfen.

Die Züge in der Schweiz werden immer voller. Vor allem in den Stosszeiten kann sich glücklich schätzen, wer noch einen Sitzplatz ergattern kann. Ganz anders sieht dies im Führerstand der Züge aus. Dort wollen immer weniger Schweizerinnen und Schweizer Platz nehmen. Jetzt reagiert die SBB. Sie zahlen ihren Mitarbeitern eine Prämie von 2500 Franken für die Vermittlung eines neuen Angestellten, wie «Der Sonntag» schreibt. «Die so genannte Gewinnungsprämie beträgt 2500 Franken. Sie gilt für Berufszweige wie Lokführer, Zugbegleiter und Informatik», bestätigt Sprecher Christian Ginsig.

Sie werde Mitarbeitern ausbezahlt, die eine Drittperson für eine Stelle empfehlen oder die von Bewerbern als Referenz angegeben werden. «Derjenige, der die Person vermittelt hat, bürgt für die Person», sagt Ginsig. Der Arbeitsmarkt sei je nach Region ausgetrocknet, man müsse beispielsweise im Bereich der Zugbegleitung auch im grenznahen Ausland nach neuen Mitarbeitern suchen. «Solche Vermittlungsgebühren sollen für Mitarbeiter eine Motivation sein und uns helfen, gute Leute zu finden», so der SBB-Sprecher Ginsig.

Laut dem Verband Schweizer Lokomotivführer (VSLF) sind die unregelmässigen Arbeitszeiten nur ein Grund für den Notstand. Die Verantwortung der Lokführer werde immer grösser. «Wir fahren fünf Stunden am Stück ohne Pause, müssen je länger, je mehr Nacht- und Wochenendschichten einlegen», sagt Präsident Hubert Giger. Man presse die Lokführer wie Zitronen aus.

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SBB-Lokführer fürchten um Sicherheit

Aber nicht nur die schwierigen Arbeitszeiten belasten die Lokführer. Die Sicherheit wird je länger je mehr zum Thema. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich das Zugunglück von Olten wiederhole, sagt Giger. Die Bahnunfälle in den letzten Wochen haben die Lokführer aufgeschreckt. Ihre Gewerkschaft fordert weniger monotone Arbeitsbedingungen.

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«Der Lokführer ist letztlich der Garant für die Sicherheit im Eisenbahnbetrieb», sagt Giger zur «NZZ am Sonntag». Es sei aber immer schwieriger, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Wegen der anhaltenden Produktivitätssteigerung, die von der Bahn gefordert werde, steige die Belastung während der Fahrt. Zugleich würden Lokführer zunehmend nur noch «auf den immer gleichen Strecken und den ewig gleichen Loks» eingesetzt: «Das führt zu einer Monotonie, die Unfälle zusätzlich begünstigt», sagt Giger. Er habe den Eindruck, «dass wir an die Belastungsgrenzen gelangen».

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