Aussergerichtliche Einigung: Verbrechen belohnt - Bähnler ergaunern Millionen und dürfen das meiste behalten
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Aussergerichtliche EinigungVerbrechen belohnt - Bähnler ergaunern Millionen und dürfen das meiste behalten

Dieses Urteil sorgt für Aufsehen: Drei SBB-Mitarbeiter und ein befreundeter Bauführer erleichterten den Bahnbetrieb um über drei Millionen Franken – und dürfen den grössten Teil davon behalten.

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Einer der Angeklagten liess sich vom ertrogenen Geld einen Swimmingpool bauen. (Symbolbild)

Einer der Angeklagten liess sich vom ertrogenen Geld einen Swimmingpool bauen. (Symbolbild)

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Auch ein Porsche Cayenne …

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… oder iPhones wurden mit dem Betrugsgeld gekauft (Symbolbilder).

… oder iPhones wurden mit dem Betrugsgeld gekauft (Symbolbilder).

AFP

Darum gehts

Einen eigenen Swimmingpool in «bester Hanglage» über dem Bodensee für 60’000 Franken, die Renovation von Wohnhäusern, Harley-Davidson-Motorräder oder ein Porsche Cayenne: Die Liste der Luxusgüter, die sich drei SBB-Mitarbeiter und ein befreundeter Baufachmann ergaunerten, ist lang und kostspielig. Insgesamt soll das Quartett die Staatsbahn um 3,2 Millionen erleichtert haben – doch zurückzahlen müssen sie wohl nur einen kleinen Teil der Summe. Wie die Zeitungen der Tamedia-Gruppe schreiben, bleibt ihnen wohl auch der Gang ins Gefängnis erspart. 

Möglich mache dies ein Deal mit der Bundesanwaltschaft, im Zuge dessen die fehlbaren Kollegen ihre Taten zugegeben und so ein abgekürztes Verfahren erreicht haben. Dies bedeutet, dass die Anklage im Gegenzug für ein Geständnis nicht alle Anklagepunkte beweisen muss und dafür eine Reduktion der zu erwartenden Strafe in Aussicht stellt.

Die Angeklagten im vorliegenden Fall kommen demnach mit bedingten Gefängnisstrafen von 18 bis 24 Monaten davon und erfahren auch finanziell Milde. So soll einer der vier, der allein über eine Million Franken abkassierte, nur gerade 250’000 Franken zurückzahlen und einen Teil der Verfahrenskosten tragen. Den Schaden hat also letztlich der Steuerzahler. Das Gerichtsverfahren, das demnach keine Überraschungen mehr bereithält, findet am kommenden Dienstag vor dem Bundesstrafgericht statt.

Halten Sie das Urteil für gerechtfertigt?

Angeklagt sind die vier Männer wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung sowie mehrfacher ungetreuer Amtsführung respektive Gehilfenschaft dazu. 

«Nicht raffiniert, aber effizient»

Laut dem Bericht war das Betrugsschema der vier Männer «nicht sonderlich raffiniert, aber äusserst effizient». Ab 2009 soll ein Bauführer einer Ostschweizer Firma, die für die SBB tätig war, Rechnungen und Arbeitsrapporte gefälscht und der Bahn in Rechnung gestellt haben. Die drei SBB-Mitarbeiter waren im Bereich Infrastruktur und Instandhaltung tätig und sorgten dafür, dass die Rechnungen bezahlt wurden. Mit dem ergaunerten Geld liessen zwei der Angeklagten ihre Häuser renovieren, ein SBB-Mann bezahlte seiner Frau den Umbau ihrer Mode-Boutique. Des Weiteren ist die Rede von iPhones, Bargeld oder VIP-Tickets für das Open Air St. Gallen sowie Partys.

2012 flog der Betrug auf. Im Zuge dessen gab der Bauführer seine Position als kommunaler Exekutivpolitiker der SVP auf. Und obwohl die SBB damals noch die vollständige Rückerstattung des Schadens forderte, ist sie mittlerweile offenbar von ihrer Position abgerückt. Warum dies geschah, ist nicht ganz klar – Nachfragen seitens der Tamedia-Zeitungen wurden mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht beantwortet. 

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(trx)

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