Aktualisiert 13.09.2019 13:08

Arbeit auf dem FV-Dosto

SBB-Personal hat wegen Rüttelzug Knieprobleme

Nach einem stundenlangen Einsatz auf dem FV-Dosto leiden SBB-Zugbegleiter an Knie- und Hüftschmerzen. Viele wollen auf den neuen Zügen gar nicht mehr arbeiten.

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«Tanzdach», sagt ein Leser-Reporter, der vor einigen Monaten im neuen FV Dosto kurz vor Schönenwerd Richtung Basel sass, zur Zugfahrt im ersten Stock. Die letzten 20 Sekunden erklärten das Wort «tanzen». (Video: Leser-Reporter)

Die Pannenserie bei den Bombardier-Doppelstockzügen der SBB geht weiter. Weil die neuen Züge während der Fahrt so stark schütteln, leidet das Zugpersonal an gesundheitlichen Problemen. Viele SBB-Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter liessen sich inzwischen sogar von Fahrten im FV-Dosto dispensieren, wie das Nachrichtenportal «Watson» berichtet.

«Meine Hüften schmerzen. Ich bin nudelfertig», erzählt ein SBB-Kondukteur. Wegen der Vibrationen und der unnatürlichen Neigung des Zuges müsse er ständig die Muskeln anspannen, sagt der Angestellte. «Für mich ist das eine grosse Belastung.» Er ist nicht der Einzige. Er wisse von einer Arbeitskollegin, die sich «wegen Meniskusproblemen mehrere Wochen» vom Bombardier-Doppelstöcker habe dispensieren lassen.

Die SEV weiss von mehreren Fällen

Jürg Hurni von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) weiss von mehreren Fällen, bei denen wegen des FV-Dosto beim Personal gesundheitliche Probleme aufgetreten seien. «Die Knie unserer Mitarbeiter werden durch die Erschütterungen im Bombardier-Doppelstöcker arg in Mitleidenschaft gezogen», sagt er zu «Watson».

Der Unterschied zu seinem Vorgänger, dem Doppelstöcker IC2000, sei, dass die Schläge im FV-Dosto sehr unvermittelt aufträten und sich die Mitarbeiter daher auf Erschütterungen nicht vorbereiten könnten.

SBB arbeitet an einer Lösung

Ein Grund für das starke Schütteln sei die sogenannte Wankkompensation, die höhere Kurvengeschwindigkeiten erlaubt. Dies ist eine neuartige Neigetechnik für Doppelstock-Züge, die in den Bombardiers erstmals eingesetzt wurde.

Bei der SBB ist man sich der Schüttel-Problematik bewusst: SBB-Sprecherin Sabine Baumgartner erklärte, dass man die Rückmeldungen des Personals sehr ernst nehme. Man könne jedoch derzeit nicht bestätigen, dass die erwähnten Meniskusprobleme mit dem FV-Dosto zusammenhingen. «Die vertieften medizinischen Abklärungen laufen», sagte Baumgartner zum Onlineportal.

In Bezug auf die Technik sei die SBB auch seit Wochen daran, die Störung zu beheben. Ein Software-Update soll die Vibrationen verringern. «Es bringt eine deutliche Verbesserung des Fahrkomforts. Die in die Tests miteinbezogenen Kundenbegleiter haben die erzielten Verbesserungen bei einer internen Bewertung bestätigt», so Baumgartner weiter.

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