Pilotversuch: SBB prüft Werbespots auf Lift-Türen
Aktualisiert

PilotversuchSBB prüft Werbespots auf Lift-Türen

Die SBB setzt ihre Offensive bei den digitalen Werbekanälen fort. Im Hauptbahnhof Zürich testet sie Werbespots auf Lifttüren.

von
Stefan Ehrbar
1 / 4
Die SBB testet am Hauptbahnhof Zürich den Einsatz eines Beamers, der Werbespots auf die Lifttüre projiziert. Die Technik kommt vom Schweizer Hersteller Schindler.

Die SBB testet am Hauptbahnhof Zürich den Einsatz eines Beamers, der Werbespots auf die Lifttüre projiziert. Die Technik kommt vom Schweizer Hersteller Schindler.

20M
Es handle sich um eine Schweizer Premiere, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Nach Abschluss der Testphase soll entschieden werden, ob auch Werbung von Dritten ausgespielt wird.

Es handle sich um eine Schweizer Premiere, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Nach Abschluss der Testphase soll entschieden werden, ob auch Werbung von Dritten ausgespielt wird.

20M
Die SBB setzt stark auf digitale Werbekanäle. In ihren Bahnhöfen hängen bereits 76 Bildschirme entlang von Rolltreppen, 112 mittelgrosse und 46 grosse Werbebildschirme und 12 sogenannte Rail-Beamer.

Die SBB setzt stark auf digitale Werbekanäle. In ihren Bahnhöfen hängen bereits 76 Bildschirme entlang von Rolltreppen, 112 mittelgrosse und 46 grosse Werbebildschirme und 12 sogenannte Rail-Beamer.

Keystone/Christian Beutler

Die SBB testet im Hauptbahnhof Zürich eine neue Form der Werbung: Auf die Türen eines Lifts beim Aufgang Europaallee werden Werbespots projiziert. Vorerst sind dabei nur Filme zu sehen, in denen Angebote der SBB beworben werden.

Die Spots werden mittels eines Beamers an die Türen projiziert. Ausgestattet wurde der Lift vom Schweizer Hersteller Schindler. SBB-Sprecher Christian Ginsig sagt, es handle sich um den ersten Lift dieser Art in der Schweiz.

SBB setzt auf digitale Werbung

Im Moment handle es sich noch um ein Pilotprojekt im Rahmen von «My Smart Station Zürich HB». Ob weitere Lifte mit einem Beamer ausgerüstet werden und ob das Projekt fortgesetzt wird, entscheide die SBB nach der Pilotphase. Im Moment werde der Lift nur für SBB-Informationen verwendet. Das könnte sich ändern: «Nach der Evaluation des Pilotversuchs soll geprüft werden, ob in Zukunft auch Werbung von Dritten angezeigt wird», sagt Ginsig.

Die SBB setzt immer stärker auf digitale Werbung. Die Vermarktungsfirma APG Rail hat in den Bahnhöfen bereits 76 Bildschirme entlang von Rolltreppen, 112 mittelgrosse und 46 grosse Werbebildschirme und 12 sogenannte Rail-Beamer im Angebot. Das Angebot wird ständig ausgebaut: Im Herbst werden etwa im Bahnhof Bern 27 weitere Werbebildschirme in Betrieb genommen.

«Niemand weiss etwas über die Wirkung»

Diese Entwicklung überrasche ihn nicht, sagt Gregory S. Crawford, Ökonomieprofessor an der Universität Zürich. Das sogenannte «Out-of-Home Advertising» sei die einzige Werbeform ausserhalb des Internets, die wachsende Ausgaben verzeichne. «Werbetreibende suchen nach neuen Plätzen, um Werbung spielen zu können, wie es etwa Lifttüren sein können.»

Ob diese Form der Werbung bei den Konsumenten ankomme, sei schwierig zu beurteilen. Als Leitsatz für die Werbewirkung gelte ein alter Spruch, den der Filmemacher William Goldman über die Filmindustrie gemacht hat: «Niemand weiss irgendetwas.» Es sei fast unmöglich, die Effektivität solcher Werbeformen zu messen, sagt Crawford. Das sei der Fall, weil man nicht messen könne, wer einen Werbespot gesehen habe und wer später das beworbene Produkt kaufe.

«Man kann die Werbung immer ignorieren»

«Die SBB wird trotzdem Kunden finden, die die Werbeplätze buchen», sagt Crawford. Auch die schon existierenden Werbebildschirme würden gebucht. «Es weiss einfach niemand, ob diese Werbeform funktioniert», sagt Crawford. In Zukunft könne er sich aber vorstellen, dass beispielsweise Tracking-Software eingesetzt werde, die messe, ob eine Anzeige beachtet werde.

Die Gefahr einer Überreizung der Pendler sehe er nicht, sagt Crawford. «Man kann die Werbung immer noch ignorieren. Sie ist nicht so aufdringlich, dass sie von den meisten als störend empfunden wird – insbesondere, wenn die Spots in einer interessanten Art und Weise produziert werden.»

Deine Meinung