Aktualisiert 13.10.2019 17:05

Überfüllte ZügeSBB schmeisst Passagiere trotz Reservation raus

Die SBB zwingt Passagiere mit Platzreservierung auf der Gotthardstrecke zum Aussteigen. Auch die Zugtoiletten werden regelmässig geschlossen.

von
bsc
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Trotz Platzreservierung mussten Passagiere vergangenen Donnerstag den Intercity nach Lugano vor dem Gotthardtunnel verlassen.

Trotz Platzreservierung mussten Passagiere vergangenen Donnerstag den Intercity nach Lugano vor dem Gotthardtunnel verlassen.

Keystone/Christian Beutler
Der Zug war völlig überfüllt.

Der Zug war völlig überfüllt.

Keystone/Gaetan Bally
Aus Sicherheitsgründen darf der Zug dann nicht durch den Gotthardtunnel fahren. Deshalb mussten Passagiere in Arth-Goldau aus dem Zug aussteigen.

Aus Sicherheitsgründen darf der Zug dann nicht durch den Gotthardtunnel fahren. Deshalb mussten Passagiere in Arth-Goldau aus dem Zug aussteigen.

Keystone/urs Flueeler

Vor einer Woche haben vielerorts die Herbstferien begonnen. Es zieht die Menschen in den Süden der Schweiz. Das bekommt die SBB zu spüren: Auf der Gotthardstrecke mussten vergangene Woche 40 Passagiere den überfüllten Zug aus Sicherheitsgründen verlassen. Mit einer Reservation könnten sich Passagiere gegen solche Vorkommnisse absichern, wie die SBB gegenüber 20 Minuten beteuerte.

Nun zeigt sich, das stimmt nicht: Vergangenen Donnerstag mussten Passagiere trotz Platzreservierung den Intercity Richtung Lugano kurz vor dem Gotthardtunnel verlassen, wie die «SonntagsZeitung» (Bezahl-Artikel) berichtet.

Laut SBB handelt es sich um einen Einzelfall: Der Zug konnte von Chiasso nach Zürich wegen einer Kupplungsstörung nur mit einer statt zwei Kompositionen verkehren, wie die SBB erklärte. Auf der Rückfahrt sei diese durch einen älteren Zug ersetzt worden, um mehr Platz zu schaffen. Das habe aber dazu geführt, dass die Platzreservierungen hinfällig geworden waren. Passagiere mussten trotz Reservation in Rotkreuz und Arth-Goldau aus dem Zug aussteigen.

Überfüllte Züge fahren nicht durch den Gotthard

Auch am Sonntag kämpfte die Bahn mit überfüllten Zügen auf dieser Strecke: Der Intercity von Milano nach Zürich mit Abfahrt 11.10 Uhr ist mit 40 Minuten Verspätung und 3 Waggons weniger losgefahren, wie Leser S. B. gegenüber 20 Minuten berichtet. «Viele Leute mit einer Platzreservation mussten stehen.»

In Lugano wurden die stehenden Passagiere dann aufgefordert, dass einige von ihnen den Zug verlassen. «Doch die meisten sind einfach nicht ausgestiegen», sagt B. Anschliessend fuhr der Zug durch den Gotthard-Tunnel weiter.

Laut der SBB sei aber in Bellinzona ein zusätzlicher Zug nach Zürich organisiert worden. «Reisende wurden wo möglich proaktiv auf diese andere Verbindung gelenkt», erklärt Mediensprecherin Sabine Baumgartner. Der Zug wäre nämlich ansonsten ausgefallen oder über die Bergstrecke gefahren, wenn nicht genug Reisende freiwillig ausgestiegen wären.

6-Franken-Gutschein als Wiedergutmachung

Als Wiedergutmachung erhielten die stehenden Passagiere ab Bellinzona jeweils einen 6-Franken-Gutschein. «Das ist ungerecht. Denn so werden diejenigen belohnt, die erst in Bellinzona zugestiegen sind», sagt B. Auch hätten sich die Passagiere mit den Sitzplätzen abgewechselt. Somit seien nicht immer die gleichen Personen im Zug gestanden. Doch schliesslich fuhr der Zug nur bis Rotkreuz. Dort mussten alle Passagiere aussteigen und eine andere Verbindung bis nach Zürich finden, wie B. weiter berichtet.

«Eine Überbelegung auf der Gotthard-Achse kommt selten vor – im Schnitt bei einem von 850 Zügen», erklärt Baumgartner. Die Herbstferien sowie die Wetterlage – im Norden kalt, im Süden warm – hätten dazu geführt, dass mehr Menschen die Gotthardstrecke nutzen. «Wir haben auch festgestellt, dass wegen der verkürzten Reisezeit immer mehr Passagiere spontan nur für einen Tag ins Tessin fahren.» Alle diese Faktoren führten in letzter Zeit zu überfüllten Zügen zwischen Zürich und Lugano.

Volle Toiletten werden einfach geschlossen

Damit nicht genug: Auf der Gotthardstrecke werden vermehrt auch Zugtoiletten geschlossen oder sind stark verschmutzt, wie es in der «SonntagsZeitung» heisst. Grund dafür: die kurze Aufenthaltsdauer der Züge in den Bahnhöfen. Diese reiche nicht aus, um volle Toiletten zu leeren. Darum werden diese einfach geschlossen.

Laut SBB handle es sich auch hier nur um Einzelfälle. 97 Prozent der Toiletten seien im Fernverkehr verfügbar. Wie diese Zahl erfasst wird, konnte vom Unternehmen nicht erklärt werden. Alle Toiletten werden aber sicher einmal pro Tag gereinigt und mehrmals täglich kontrolliert.

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