Anti-Fluktuationstrick: SBB setzt Detailhandels-Lehrlinge hinter Schalter
Aktualisiert

Anti-FluktuationstrickSBB setzt Detailhandels-Lehrlinge hinter Schalter

Um die Wechselquote nach Lehrabschluss zu senken, will die Bahn weniger KV-, dafür mehr Detailhandelsangestellte ausbilden. Die Gewerkschaft fürchtet einen Lohnabbau.

von
K. Wolfensberger

Die SBB sind im Umbruch. Weniger Billettverkäufe am Schalter, dafür mehr Transaktionen über das Internet zu erreichen, ist das Ziel der Bahn. Das hat einen direkten Einfluss auf das Berufsbild der Billettverkäufer oder «Mobilitätsberater», wie diese bei der SBB heissen sollen. Beim Personal der Bahn gibt es derzeit deshalb viele offene Fragen, wie aus einem Bericht der Bahn-Gewerkschaftszeitung «Kontakt.sev» hervorgeht.

Besonders für Diskussionen sorge die Tatsache, dass die SBB die Anzahl der Lehren im KV-Bereich abbauen möchten, heisst es im Bericht, der 20 Minuten vorliegt. Ab 2017 sollen dafür mehr Detailhandelsangestellte ausgebildet werden. An einer Veranstaltung vor Personal im November habe Peter Zeier, Leiter bedienter Verkauf bei den SBB, erklärt, dass die jungen Leute, die die KV-Lehre bei der Bahn absolvierten, häufig in andere Aufgabengebiete abwanderten. Mit ausgebildeten Verkäufern solle dies weniger der Fall sein. Gleichzeitig habe Zeier betont, dass es der Bahn nicht darum gehe, die Löhne zu senken oder die Anforderungen an die Lehrlinge zu reduzieren.

Gewerkschaft ist skeptisch

Bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals nimmt man die Nachricht mit Skepsis auf. «Wir verstehen, dass die SBB ein Problem haben. Leute, die eine KV-Ausbildung absolvieren, wechseln oft nach Lehrabschluss die Branche», sagt Peter Moor-Trevisan vom SEV zu 20 Minuten.

Die Umstellung dürfe nun aber keinesfalls zu einem Lohnabbau führen, so der Gewerkschafter weiter. Er sagt: «Unsere Forderung ist: Das Berufsbild, die Anforderungen an die Angestellten, zum Beispiel im Bereich der Mehrsprachigkeit sowie die Löhne müssen gleich bleiben.» Würden diese Bedingungen erfüllt, sei man mit der Umstellung einverstanden.

Lehre bleibt anspruchsvoll

Optimistisch sei man diesbezüglich, da Zeier an der Veranstaltung gesagt habe, dass für ihn die neue und die alte Lehre gleichwertige Ausbildungen seien. Sie dauerten beide drei Jahre und die Arbeit bleibe grundsätzlich dieselbe, habe er versprochen. Die Lehre bleibe somit auch weiterhin sehr anspruchsvoll.

Die SBB erklären auf Anfrage, dass sich das Berufsbild des Verkaufspersonals im öffentlichen Verkehr in den letzten Jahren verändert habe. Standardprodukte wie einfache Billette würden zunehmend via Selbstbedienungskanal gekauft. Der Fokus bei der Befähigung des Verkaufspersonals liege somit umso mehr bei den Kompetenzen im Bereich individuelle Beratung und Verkauf. «Die Berufslehre Detailhandelsfachleute Branche öffentlicher Verkehr ist daher der massgeschneiderte Weg, um die richtigen Nachwuchskräfte im Bereich Beratung und Verkauf für den öffentlichen Verkehr auszubilden», sagt SBB-Sprecherin Franziska Frey. Sie betont, dass sich die Gesamtanzahl an Lernenden durch den Wechsel von der KV- hin zur Detailhandelslehre nicht verändern werde.

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